Schutzengel im 27-Tonner: Mutiger Lkw-Fahrer stoppt Geisterfahrer am Aachener Kreuz

Schutzengel im 27-Tonner : Mutiger Lkw-Fahrer stoppt Geisterfahrer am Aachener Kreuz

Der mutige Fahrer eines Abschleppwagens hat in der Nacht zu Sonntag die gefährliche Geisterfahrt eines Autofahrers auf der A4 und der A544 beendet. Der Falschfahrer war kilometerweit auf der verkehrten Fahrspur quer durchs Aachener Kreuz bis zur Abfahrt Würselen gefahren. Im Gespräch mit unserer Zeitung schilderte der Abschleppwagenfahrer die lebensgefährliche Situation.

Gegen 3.45 Uhr meldeten mehrere Fahrer bei der Polizei den in Richtung Aachen fahrenden Falschfahrer auf der A4 in Höhe von Eschweiler. Sofort machten sich mehrere Streifenwagenbesatzungen der Autobahnpolizei Köln auf und suchten den beschriebenen Bereich ab.

Der Fahrer des Abschleppwagens, der zur selben Zeit mit einem Kollegen an Bord auf der Rückfahrt von einer Lkw-Bergung war und von Düren her in Richtung Aachen fuhr, traute seinen Augen nicht. „Als wir die Brücke der A44 unterquerten, sahen wir, wie in der Baustelle der A544 ein Fahrzeug wendete und falsch herum in Richtung Europaplatz fuhr“, berichtete der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, unserer Zeitung. „Ich schaltete meine Rundumleuchten und die Warnblinkanlage an und fuhr parallel mit dem Falschfahrer.“

Ein Auto kommt dem Geisterfahrer entgegen

Doch es dauerte eine Weile, bis der Geisterfahrer auf den blinkenden Lastwagen neben ihm reagierte. Kurz vor der Abfahrt Verlautenheide, als ihm auch noch ein Auto entgegen kam, fuhr er endlich zwischen die Warnbaken der Baustelle und hielt auf dem Pannenstreifen an, berichtete der Abschleppwagenfahrer.

„Ich blieb mit dem Lkw auf der linken Fahrspur in Richtung Europaplatz stehen und stieg aus.“ Zuvor hatte der Lkw-Fahrer noch die Polizei angerufen und erklärt, dass er gerade auf der A544 zwischen Autobahnkreuz Aachen und Würselen/Verlautenheide einen Geisterfahrer gestoppt habe.

Der Falschfahrer sei daraufhin ebenfalls aus seinem Auto gestiegen und zum Abschleppwagen herübergetorkelt. Der aus Belgien stammende Mann habe auf Französisch wissen wollen, wo es nach Lüttich ginge, sagte der Abschleppwagenfahrer. „Seine Alkoholfahne war nicht zu überriechen.“

Auch die Fahrerin des entgegenkommenden Autos, eine 49-jährige Dürenerin, hielt an. „Ihr wurde da erst bewusst, wieviel Glück sie hatte“, sagte der Lkw-Fahrer. Die Frau selbst gab später gegenüber der Polizei an: „Ich war in Richtung Aachen unterwegs. Auf dem Überholstreifen kam mir plötzlich ein Auto entgegen. Ich bin sofort nach rechts gefahren, um einen Zusammenstoß zu verhindern.“

Beide Fahrer halten den Betrunkenen fest

Gemeinsam hielten beide Fahrer den Betrunkenen fest. Dann nahten auch schon die Blaulichter. „Mein Kollege wies die Polizei ein“, schilderte der Lkw-Fahrer den weiteren Ablauf. Die Streifenwagen stoppten hinter dem 27-Tonnen-Abschleppwagen.

Die Einsatzkräfte untersuchten die Papiere des Geisterfahrers, eines 41-jährigen Belgiers. Ein erster Alkoholtest bei ihm ergab den hohen Wert von über 1,6 Promille.

Die Beamten nahmen den alkoholisierten Fahrer mit zur Polizeiwache. Auf Anordnung entnahm ihm ein Arzt eine Blutprobe. Sein Führerschein wurde beschlagnahmt, sein Auto abgeschleppt. Gegen ihn läuft nun ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Gefährdung des Straßenverkehrs durch Fahren unter Alkoholeinfluss.

Wenn auch die nächtliche Fahrt für den Belgier auf der Polizeiwache endete, war die Angelegenheit für alle Betroffenen gut ausgegangen. Der Abschleppwagenfahrer lobte denn auch ausdrücklich die Einsatzkräfte: „Nochmal einen Dank an die Kollegen der Autobahnpolizei für die tolle Zusammenarbeit.“

Die dürften das Lob vermutlich zurückgeben - und der unfallfrei gestoppte Geisterfahrer wird vielleicht seinem Schutzengel im 27-Tonner danken.

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