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Hochschulen und Energiekrise: Muss die Mensa-Küche kalt bleiben?

Hochschulen und Energiekrise : Muss die Mensa-Küche kalt bleiben?

Die Hochschulen in NRW bereiten sich auf die Gas- und Energiekrise vor. Die Studierendenwerke fordern Hilfen vom Land.

Frieren in der Mensa oder der Bibliothek, dazu mehr Vorlesungen auf Distanz? Die Universitäten in NRW befassen sich derzeit intensiv mit der Frage nach ihrem Beitrag zur Bewältigung der Energiekrise.

Jörg Schmitz, Geschäftsführer des Kölner Studierendenwerks und Sprecher der Arbeitsgemeinschaften der Studierendenwerke, sagte unserer Redaktion, man sähe sich mit zum Teil drastisch gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel konfrontiert. „Aktuell besteht noch keine Sicherheit, dass die Energieversorgung für den Betrieb von Mensen analog zum Hochschulbetrieb gewährleistet wird.“ Kitas und die Wohnheime der Studierendenwerke gehörten zur schützenswerten Infrastruktur. „Hier befürchten wir keine Einschränkungen.“

Von Seiten des Landes NRW erhoffe man sich ausdrückliche Zusagen, dass die Versorgung der Studierenden mit günstigem Essen durch eine Energieversorgungsgarantie abgesichert werde. „Die Kultusministerkonferenz hat kürzlich eine solche Zusage für den Hochschulbetrieb ausgesprochen. Analog hierzu brauchen wir eine Zusage für die Verpflegungsbetriebe der Studierendenwerke.“

Die Studierendenwerke setzen darauf, dass möglichst schon im Nachtragshaushalt eine Anhebung der diesjährigen Landeszuschüsse entsprechend der Inflationsrate vorgenommen wird, um die Kostensteigerungen nicht an die Studierenden weiterreichen zu müssen. „Wir führen hierzu derzeit Gespräche mit den Fachpolitikern der Parteien im Landtag und unseren Ansprechpartnern im Ministerium für Kultur und Wissenschaft.“ Man nehme ein großes Bemühen wahr, allerdings lägen konkrete Zusagen noch nicht vor.

In der Landespolitik herrscht unterdessen die Befürchtung, dass es aufgrund der Energiekrise stärker zu Distanzvorlesungen kommen könnte: „Gedankenspielen über Hochschul-Schließungen muss sofort ein Riegel vorgeschoben werden“, sagte Bastian Hartmann, wissenschaftspolitscher Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Junge Menschen hätten schon genug Solidarität bewiesen. „Es wäre fatal, wenn sie jetzt schon wieder in ihrer freien Entfaltung und Lebensverwirklichung eingeschränkt würden. Stattdessen müssen wir als Gesellschaft alles dafür tun, dass ihr Recht auf Bildung nicht so leichtfertig zur Disposition gestellt wird.“

An der RWTH Aachen und der FH Aachen ist aktuell kein Wechsel zu Distanzvorlesungen geplant. „Wir werden, jedenfalls vom heutigen Standpunkt aus, das kommende Semester wie das vergangene durchführen“, teilte ein FH-Sprecher auf Anfrage mit. „Wir sind eine Präsenzhochschule mit hohem Praxisanteil und sind froh, dass das vergangene Semester so durchgeführt werden konnte.“ Kategorisch ausschließen will die RWTH die Möglichkeit nicht: Man müsse die künftige Energiesituation natürlich genau beobachten, sagt ein Sprecher der Universität.

Ähnliches gibt Johannes Wessels, Rektor der Uni Münster und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz, zu bedenken, sagt jedoch: „Nach zwei Pandemiejahren, die von Online- und Hybridlehre geprägt waren, finden nun wieder Lehre, Austausch und Begegnung in Präsenz in den nordrhein-westfälischen Universitäten statt.“ Die Zeit im „Study@home-Modus“ sei für viele Studierende mit verstärkten psychosozialen Belastungen verbunden gewesen und die Rückkehr zum vorwiegenden Präsenzstudium im vergangenen Sommersemester sei daher nicht eine nur begrüßenswerte, sondern vor allem eine notwendige Entwicklung.

„Gleichwohl hat sich die Online-Lehre in Zeiten der Pandemie und darüber hinaus als sinnvolle Ergänzung von Präsenzformaten für einen Großteil von Studierenden bewährt“, so Wessels. „Eine ausschließliche Online-Lehre darf auch deshalb keine Konsequenz der sich abzeichnenden Energiekostenkrise im Winter sein .“ Vielmehr müssten den Universitäten die notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, auch im Winter als Orte der Wissenschaft dienen zu können.

Alle Universitäten stellten sich der gesellschaftlichen Pflicht, vorausschauende Pläne zum Energiesparen zu entwickeln und umzusetzen, wozu aktuell bereits – zusammen mit dem Land – konkrete Schritte unternommen würden. Dazu stehe man mit der Landesregierung und dem zuständigen Ministerium in Kontakt, welchen konkreten Beitrag die Universitäten grundsätzlich zur Einsparung von Energie leisten könnten.

(max/cs)