Aachen: Musikprojekt „Freiheit“ erhält den Teresa-Bock-Preis

Aachen: Musikprojekt „Freiheit“ erhält den Teresa-Bock-Preis

„Ich habe gesehen, was Du nicht gesehen hast — jeden Tag Krieg, jeden Tag Tod.“ Die Eindrücke, die die jungen Geflüchteten in ihren Raps verarbeiten, sind teilweise ziemlich düster. Im Rahmen des Projekts „Freiheit“ rekapitulieren sie die Schrecken, die sie in ihren Heimatländern und auf der Flucht nach Europa erleben mussten — aber finden auch einen Weg, auszudrücken, was die Freiheit bedeutet, die sie in der neuen Heimat angetroffen haben.

Im Freizeittreff „Space“ in Aachen-Walheim kommen junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen. Initiiert von jungen Ehrenamtlichen und unterstützt von Künstlern aus der Region sind im Rahmen des Projektes „Freiheit“ bereits ein Album und zahlreiche Auftritte zustande gekommen. Die Caritas-Stiftung des Bistums hat „Freiheit“ am Mittwoch in der Erholungsgesellschaft Aachen mit dem mit 10.000 Euro dotierten Teresa-Bock-Preis geehrt. Der Preis würdigt Menschen, die sich „auf herausragende Weise sozialen Themen und benachteiligten Menschen“ widmen.

Zum Thema „Zusammen sind wir Heimat“ hatten sich 60 Projekte, Vereine und Initiativen aus dem Bistum beworben, aus denen die fünfköpfige Jury einen Sieger gekürt hat — keine leichte Aufgabe, wie Marianne Genenger-Stricker von der Katholischen Hochschule NRW erklärte: „Aus den beiden dicken Ordnern mit Bewerbungsunterlagen hätte eigentlich jedes Projekt den Preis verdient.“

Besonderen Wert habe man darauf gelegt, eine Initiative zu ehren, die hauptsächlich durch Ehrenamtliche getragen wird, so die Jury, die neben Genenger-Stricker aus Michael Beekes, Direktor der Pax Bank, der ehemalige Landtagsabgeordneten Martina Maaßen (Grüne) und Norbert Post (CDU) sowie dem Redakteur unserer Zeitung Peter Pappert bestand. Außerdem ins Gewicht gefallen sei die Kontinuität des Projektes „Freiheit“: 2015 von Projektleiterin Nadine Zillekens ins Leben gerufen, haben Ehrenamtliche, darunter Musiker und ein Designer, gemeinsam mit Besuchern des Jugendtreffs ein Hip-Hop-Projekt mit eigenem Logo und T-Shirts entwickelt.

Das erste Album des Kollektivs erschien im Herbst 2016 und wurde bei einem Konzert im Musikbunker einem breiten Publikum vorgestellt. Das Projekt hilft dabei nicht nur den Teilnehmern: der Erlös des ersten Konzertes ging als Spende an das Projekt „Aachener Hände“. Am Samstag, 25. November folgt der zweite große Auftritt im Musikbunker.

Das Schreiben und Vertonen eigener Texte ermöglicht den Jugendlichen, ihre Erinnerungen, Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen — in ihrer Muttersprache und auf Deutsch. Dabei geht es insbesondere darum, über den persönlichen Freiheitsbegriff ins Gespräch zu kommen. „Wir wollen die Leute inspirieren und zum Nachdenken bringen“, sagt ein Teilnehmer des Projektes. „Die Menschen sollen wissen, was Freiheit ist und wie es in anderen Ländern aussieht.“

Die Initiative habe Vorbildcharakter und könne überall funktionieren, begründet die Jury ihre Entscheidung. Sie zeige im Kleinen und mit einfachen Mitteln, was Heimat bedeutet: „Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl“. In einer Atmosphäre gegenseitiger Akzeptanz, Freundschaft und Achtung könnten Kinder und Jugendliche hier über alle Milieu-, Kultur- und Sprachgrenzen hinweg Heimat finden. „Rap ist Kunst, da kann ich alles sagen, ohne darüber nachzudenken, was danach passieren könnte“, so einer der Jugendlichen bei der Preisverleihung.

Gemeinsam mit Zillekens und Edgar Ortmanns als Vertreter der Einrichtung zeigten sich die Jugendlichen überwältigt und sprachlos von dem Preis, der von Weihbischof Johannes Bündgens überreicht wurde. Eine spontane Rap-Einlage mit Unterstützung der Musiker Heribert Leuchter und Sasan Azodi ließ den Abend im fast bis auf den letzten Platz gefüllten Saal der Erholungsgesellschaft in tosendem Applaus enden.

Wie das „Space“ die 10 000 Euro verwenden wird, steht noch nicht fest. „Da wir wirklich nicht damit gerechnet haben, den Preis zu gewinnen, haben wir uns das noch gar nicht genau überlegt“, sagt Zillekens. Denkbar sei eine gemeinsame Fahrt und die Anschaffung neuer Ausrüstung. „Wir werden das bald mit den Jugendlichen besprechen — sie sind die Hauptdarsteller und ihre Partizipation ist uns besonders wichtig.“

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