Hürtgenwald: MTB-Park Hürtgenwald: Hohes Tempo, hohe Sprünge, hohes Niveau

Hürtgenwald: MTB-Park Hürtgenwald: Hohes Tempo, hohe Sprünge, hohes Niveau

Mit bis zu 50 km/h stürzen sich jene, die es können, mit ihrem Mountainbike die zuweilen extrem steilen Rampen im Hürtgenwald hinunter. Nach rund zwei Minuten ist das Abenteuer auf der 1,5 Kilometer langen, schwarz markierten Abfahrt vorbei. Ein Bus bringt die Protagonisten an den Wochenenden, an denen vier verschiedene Strecken in Betrieb sind, zurück zum Start, ehe sie sich erneut ins Vergnügen stürzen.

Der schwarze „downhill“-Kurs ist der schwerste im MTB-Park Hürtgenwald, in dem nun seit gut einem Jahr einer Sportart in geregelten Bahnen — im wahrsten Wortsinne — nachgegangen werden kann, die einen unglaublichen Boom erlebt.

Die rote „downhill“-Strecke hat es ebenfalls in sich, ist aber etwas leichter zu bewältigen. Hinzu kommt eine blau gekennzeichnete „freeride“-Linie über 1,2 Kilometer, „die etwas sprunglastig und auf Geschwindigkeit ausgelegt ist. Hier sind Steilkurven eingebaut und große Sprünge möglich“, erzählt Johannes Corr, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Betreiber-Vereins Nordeifel Gravity e.V., der in Sachen MTB-Park mit den Klubs Eschweiler SG und BSV Profil Hürtgenwald kooperiert.

In der Szene etabliert

Corr, im „richtigen Leben“ Werkzeugmechaniker in Stolberg, ist ehrenamtlicher Betriebsleiter und maßgeblich beteiligt an der Entstehung des MTB-Parks, der nicht kommerziell ausgerichtet ist. „Wir machen keine Gewinne, liegen abzüglich der Betriebskosten bei plus/minus Null.“

Nach langen Planungen, Verhandlungen und Abstimmungen mit den Behörden erhielt Nordeifel Gravity 2014 den Zuschlag für den Bau des MTB-Parks. Ein Vertrag zwischen dem Verein einerseits und dem Kreis Düren sowie dem zuständigen Forstamt Rureifel/Jülicher Börde andererseits war der Startschuss für das Projekt, das sich inzwischen in der Szene etabliert hat und von unzähligen MTB-Sportlern genutzt wird.

Zurück zu den Streckenprofilen: „Auf dem blauen Kurs“, sagt Corr, „können Anfänger nur einfach herunterrollen, die Profis dagegen können hohe Sprünge machen oder auf Tempo fahren.“ Schließlich bietet der sogenannte „flowtrail“ ein 1,8 Kilometer langes MTB-Vergnügen für jedermann.

Einer der Väter des in großartige Landschaft integrierten Parks ist Klaus Wißmann aus Nörvenich, der Vorsitzende des Radsportbezirks Aachen. „Der Radsportbezirk hat 2000 Mitglieder, darunter sind rund 900 Mountainbiker“, weiß er. Die Zahl spricht für sich. Wißmann und der Landrat des Kreises Düren, Wolfgang Spelthahn, haben sich von Beginn an stark gemacht für die Realisierung des Projektes.

Nun, nachdem der Park von den Sportlern angenommen ist, denken Wißmann und Spelthahn, der Mitglied im Aufsichtsrat des Olympiastützpunktes Rheinland ist, an die Zukunft. Wißmann: „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der MTB-Park Hürtgenwald einmal als Olympiastützpunkt genutzt wird.

Das ist zwar ein langfristiges, wäre aber im Schulterschluss mit der Politik ein realisierbares Projekt. Die Downhill-Elemente im Park haben durchaus olympische Qualität. Es lohnt sich, dass wir uns dafür einsetzen.“ Eine Cross-Country-Strecke müsste kreiert werden, was aber aufgrund bisheriger Erfahrungen kein größeres Problem darstellen dürfte.

Die Mountainbike-Disziplin Cross Country ist seit 1996 olympisch. Laut Wettkampfbestimmungen des Bundes Deutscher Radfahrer ist „MTB-Cross Country (CC) ein Einerwettbewerb über eine mehrfach zu fahrende gleiche Rundstrecke“. In eine solche Rundstrecke könnten die anspruchsvollen Abfahrten im Hürtgenwald wohl gut integriert werden. Weitere Ideen, wie das sportliche Engagement weiter ausgebaut werden kann, existieren ebenfalls.

Wißmann: „Das sind Fernziele. Da wir über den Park auch Kontakte zu Herstellern haben, soll es in Zukunft ein Rennteam und ein Jugendteam für die Disziplinen MTB Downhill und MTB Enduro, das zwar nicht olympisch, aber stark im Trend liegt, geben. Da Hürtgenwald über eine anspruchsvolle Strecke und somit über Trainingsmöglichkeiten verfügt, sind die Chancen dafür nicht schlecht.“

„Joe“ Corr und seine Vereinskollegen legen auf eines besonderen Wert: „Alles ist auf Sicherheit gebaut. Und der Spaß bleibt trotzdem nicht auf der Strecke.“ Wißmann ergänzt: „Weil es Strecken von Fahrern für Fahrer sind.“ Eines, sagt Corr noch Sekunden bevor er sich mit seinem MTB wieder die steile Rampe herunterstürzt: „Gut gebrauchen können wir noch freiwillige, ehrenamtliche Helfer.“

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