Aachen/Übach-Palenberg: Mordversuch an vermeintlichem Nebenbuhler oder Fahrt im Rausch?

Aachen/Übach-Palenberg : Mordversuch an vermeintlichem Nebenbuhler oder Fahrt im Rausch?

Wie ein Häuflein Elend hat der wegen versuchten Mordes angeklagte Thomas M. (27) am Mittwoch auf der Anklagebank des Aachener Schwurgerichts gesessen. Mit dem Taschentuch wischte er sich Tränen aus dem Gesicht, während sein Anwalt Oliver Kleine eine Erklärung zu seiner Person verlas.

Das passte nun so gar nicht zu dem Tatvorwurf in der Anklageschrift, die Oberstaatsanwältin Silvia Janser gerade verlesen hatte. Danach soll M. in übelster Macho-Art seine Ex-Freundin verfolgt und gestalkt haben. Schließlich habe er den angeblich neuen Freund seiner Ex-Geliebten, Marcel, vor deren Haus mit hoher Geschwindigkeit angefahren.

Das Opfer flog meterhoch durch die Luft und landete auf der anderen Straßenseite, M. habe den Tod des Mannes billigend in Kauf genommen, wirft die Staatsanwaltschaft M. vor. Eine Zeugin in einer nahen Frittenbude, die am Mittwoch aussagte, hatte den Motor aufheulen hören, als M. mit seinem silbergrauen und getunten Mercedes in die Tempo-30-Zone der Wohnstraße einbog und stark beschleunigte. Das Opfer überlebte, aber noch heute kann der Mann kaum gehen.

Das Geständnis, das M. am Mittwoch vor dem Vorsitzenden Richter Roland Klösgen ablegte, war eher halbherzig. Die Kammer wird werten müssen, ob die Einlassung eher von Reue oder von Selbstmitleid getragen war. Sie seien doch alle befreundet gewesen, sagte M. und schniefte in sein Taschentuch. „Der ging doch immer für uns einkaufen.“ Als Marcel an der Seite der Ex-Freundin des Angeklagten an jenem Abend im Dezember 2017 die Wohnung verließ, hatte er laut Anklageschrift die Kapuze eines Pullovers auf dem Kopf.

Thomas M. stammt aus einer bürgerlichen Familie in Brühl bei Köln. Unter Tränen bestritt er das Motiv für die Vorgänge, das ihm die Anklage vorwirft. Er habe unter Drogen und Alkohol gestanden, habe hinter dem Lenkrad seine Umgebung nur noch schemenhaft wahrgenommen. „Ich sah ein Paar Hände in der Luft, dann einen Stoß“, sagte er. Er sei weitergefahren, weil er doch im Inneren glaubte, jemanden angefahren zu haben. Wer das gewesen sei, das habe er nicht gewusst, vor allem nicht, dass es sein Freund, der Marcel, gewesen sei. Und nein, er habe seine Ex-Freundin, mit der er nach deren Trennung vom Vater ihres Kindes einige Monate zusammengelebt, sich aber kurz zuvor getrennt hatte, nie gestalkt — auch nach der Trennung nicht.

Richter Klösgen hielt ihm demgegenüber SMS-Passagen aus dem Chatverkehr mit seiner Ex-Freundin vor: „Das klingt hier vor der Tat sehr anders. Hier bedrohen sie beide, ihre Ex und das Opfer“, stellte der Vorsitzende sachlich fest. Laut Anklage soll er die Ex-Freundin zudem misshandelt haben: Dem 27-Jährigen werden brutale Schläge ins Gesicht der Frau vorgeworfen, zudem habe er ihr eine Rippe gebrochen.

Für das alles präsentierte der seit seiner Jugend drogenabhängige Angeklagte immer wieder schlüssige Erklärungen. Auch am Tag des Unfalls, der als Mordversuch angeklagt ist, habe er schon morgens mit einer Flasche Korn begonnen, nachmittags und abends sei eine weitere gefolgt, dazu habe er Amphetamine genommen. Deswegen habe er nur eine schemenhafte Erinnerung an alles. Er wisse nichts mehr.

M. wird auch illegaler Drogen- und Waffenbesitz vorgeworfen, zudem hatte er zur Tatzeit keinen Führerschein. Der Prozess wird am Donnerstag im Aachener Landgericht fortgesetzt.

Mehr von Aachener Zeitung