Maastricht/Madrid: Mordverdächtiger im Verstappen-Fall vor Auslieferung

Maastricht/Madrid : Mordverdächtiger im Verstappen-Fall vor Auslieferung

Der 55-jährige Jos B., der am vergangenen Sonntag im Mordfall Nicky Verstappen unter dringendem Tatverdacht in Spanien verhaftet wurde, soll Mitte der der kommenden Woche an die Niederlande ausgeliefert werden.

Das berichtet die Tageszeitung „De Limburger“ auf ihrer Webseite unter Berufung auf einen Sprecher der niederländischen Staatsanwaltschaft. Keine Angaben machte die Behörde demnach dazu, ob Jos B. in Begleitung von Polizeibeamten in einem Linienflugzeug in sein Heimatland zurückgebracht wird oder auf anderem Weg, etwa mit einem Sonderflug.

Die Überführung werde auf „sorgfältige Weise“ ablaufen, hieß es nur. Das Medieninteresse an dem nach fast genau 20 Jahren offenbar vor der Aufklärung stehenden spektakulären Kindermord ist immens, sowohl in den Niederlanden, als im Ausland.

Unterdessen sind nach Angaben niederländischer Medien zwei Polizeibeamte auf dem Weg nach Spanien, darunter ein Ermittler. Dort war Jos B. am Sonntag erkannt und festgenommen worden. Die Polizisten sollen mit ihren spanischen Kollegen die näheren Umstände der Verhaftung klären und möglicherweise über Zeugenaussagen klären, wo und wie lange er sich vor seiner Festnahme in dem Land aufgehalten hat.

Am Freitag gab die niederländische Polizei zudem bekannt, dass eine eigens eingerichtete Hotline abgeschaltet wird, über die Hinweise zum Fall Verstappen abgegeben werden konnten. Seit Beginn der öffentlichen Fahndung waren rund 1600 Hinweise eingegangen, berichtete etwa das Nachrichtenportal 1Limburg.nl. Darunter war auch der entscheidende Hinweis, der zur Festnahme des Gesuchten in Katalonien führte.

B. soll Nicky Verstappen im August 1998 aus einem Sommercamp im Naturschutzgebiet Brunssummerheide an der deutschen Grenze entführt haben. Tags darauf wurde seine Leiche gefunden. Mit Hilfe des größten Massen-DNA-Tests der niederländischen Kriminalgeschichte kamen die Ermittler schließlich auf die Spur des 55-Jährigen aus Simpelveld. Er war schon 1998 als Zeuge befragt, seinerzeit aber als unverdächtig eingestuft worden.

Zunächst gelang es B., den Ermittlern zu entkommen. Bei einem Aufenthalt in den französischen Vogesen, wo er eine Hütte besitzt, verschwand er im Frühjahr und tauchte unter. In der Hütte sicherte die Polizei DNA-Spuren des Mannes. Ein Abgleich mit DNA-Spuren, die an der Leiche des Kindes gefunden worden waren, ergab einen Treffer. Am 12. Juni wurde B. europaweit zur Fahndung ausgeschrieben.

Im Zuge der Ermittlungen wurde bekannt, dass B. bereits 1985 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden war, weil er einen Zehn- und einen Elfjährigen unsittlich angefasst hatte. Der mutmaßliche Mörder war jahrzehntelang Pfadfinder und betreute Kinder in Zeltlagern — bis er 2002 die Pfadfinder in Heerlen verlassen musste.

(heck/red)