Mordverdacht in Alsdorf auf der L240: Angeklagter spricht von Unfall

Tödlicher Unfall in Alsdorf : Was geschah im Golf von Andreas Z.?

Am 3. Januar raste Andreas Z. in Alsdorf-Hoengen mit seinem Golf in einen stehenden BMW. Ein Mensch, starb, ein weiterer wird für immer querschnittsgelähmt bleiben. Vor Gericht hat sich Z. nun zum ersten Mal geäußert.

Staatsanwältin Golriez Litterscheid geht davon aus, dass es der Tod des Beifahrers ein Mord war, und alles, was die bislang vernommenen Zeugen ausgesagt haben, lässt sich kaum anders deuten, als dass Andreas Z. mit voller Absicht und mindestens 135 Kilometern in der Stunde und in den stehenden BMW gefahren sein muss. Damals, am 3. Januar um 17.45 Uhr, war die Landesstraße 240 auf Höhe von Alsdorf-Hoengen ein einziges großes Trümmerfeld.

Nachdem Andreas Z. (46) fast ein halbes Jahr lang schwieg, hat er am zweiten Prozesstag vor dem Aachener Landgericht am Dienstag erstmals ausgesagt. Er skizzierte die schwierige Beziehung zur „Liebe meines Lebens“ Dirk Z. und erklärte, wie es aus seiner Sicht zum Unfall kam.

Wenige Wochen vor dem Unfall, am 15. Dezember 2018, hatte Andreas Z. unter dem Einfluss von einer Droge, die mit flüssigem Ecstasy vergleichbar ist, Dirk Z. aus der gemeinsamen Wohnung in Langenfeld bei Leverkusen geworfen. Dirk Z.s Eltern hatten ihn abgeholt und nach Hause nach Alsdorf gebracht. In der fast 20-jährigen Beziehung der seit 2017 verheirateten Männer war es nicht die erste Trennung, aber eine heftige.

Doch wie so oft vorher habe man sich spätestens in den Tagen nach Weihnachten 2018 wieder angenähert, sagte Andreas Z. am Dienstag. Schließlich habe man sich darauf geeinigt, probeweise wieder zusammenzuziehen. Am Tag des Unfalls habe er Dirk Z. in Alsdorf abgeholt, sei mit ihm nach Köln zu einer Psychologin gefahren, habe gemeinsam ein erstes Gespräch mit ihr geführt und sei anschließend gemeinsam mit Dirk Z. wieder nach Alsdorf gefahren.

„Drei bis fünf Kilometer vor der Abfahrt Eschweiler“ auf der A4 sei ein Streit entbrannt, schilderte Andreas Z., der seine beginnenden Entzugserscheinungen merklich verstärkt habe. Als er die L240 von Eschweiler Richtung Alsdorf fuhr, hatte er laut Zeugenaussagen mit stark überhöhter Geschwindigkeit mehrere Autos riskant überholt und dabei die Außenspiegel von mindestens zwei Autos abgefahren.

Der Sachverständige widerspricht

Andreas Z. sagte, weder er noch sein Mann hätten vom Abfahren der Außenspiegel etwas bemerkt, was der Verkehrssachverständige Eugen Babilon aus Alsdorf für äußerst unwahrscheinlich hält, wie er am Dienstag der Schwurgerichtskammer sagte. Weiter erklärte Andreas Z., auf der L240 „nicht schneller als 90 oder 100“ Kilometer pro Stunde gefahren zu sein, jedenfalls sei das seine Wahrnehmung an diesem Tag gewesen.

Den an einer Ampel stehenden BMW will er erst gesehen haben, als sein Lebensgefährte laut schrie und sein Golf nur noch „25 bis 30 Meter“ vom BMW entfernt war, sagte Andreas Z.. Die Bremse habe er nicht mehr treten können. Es kam zur Kollision, der Lebensgefährte starb, der 48-jährige BMW-Fahrer wurde so schwer verletzt, dass er drei Wochen im Koma lag und eine Wirbelsäulenverletzung davontrug, die nie mehr heilen wird.

Verkehrsgutachter Babilon hat errechnet, dass Andreas Z. wohl mindestens 230 Meter vor der Kollision den BMW hätte an der Ampel stehen sehen können. 120 Meter hätten laut Babilon vermutlich ausgereicht, um den Golf zum Stehen zu bringen und eine Kollision zu veermeiden.

Die Eltern von Dirk Z. sind heute sicher, dass Dirk Z. sich endgültig von Andreas Z. habe trennen wollen, sie nehmen an, Andreas Z. habe deswegen den Unfall absichtlich herbeigeführt. In einer Aussage, die sie wenige Tage nach dem Unfall bei der Polizei gemacht hatten, waren sie dessen noch nicht ganz so sicher. Der Vorsitzende Richter Roland Klösgen regte an, das Handy von Andreas Z. auszulesen. Seine Hoffnung ist, Aufschlüsse über den tatsächlichen Beziehungsstatus von Andreas und Dirk Z. am 3. Januar 2019 zu erhalten.

Der Prozess soll am Montag, 1. Juli, in Saal A0.009 des Aachener Landgerichts fortgeführt werden.

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