Aachen: Mordprozess: Verteidiger wollen Staatsanwältin entfernen

Aachen: Mordprozess: Verteidiger wollen Staatsanwältin entfernen

Der Prozess um die Tötung einer 72-jährigen Aachener Unternehmerin hat am Mittwoch vor dem Aachener Landgericht mit umfangreichen Anträgen der Verteidigung begonnen.

Dem 45-jährigen Ali C. wird vorgeworfen, die in Aachen-Haaren wohnende Frau in den Abendstunden des 12. April ermordet zu haben.

Das Verfahren geriet gleich nach der Anklageverlesung durch Staatsanwältin Claudia Schetter ins Stocken: C.s Anwälte lehnten die Vertreterin der Anklage wegen „Einseitigkeit und Befangenheit” ab. Bis zu einer Entscheidung darüber solle der Prozess vertagt werden, hieß es in dem Antrag.

Die Strafverteidiger Harald Bex (Aachen) und Björn Hühne (Jülich) hatten im Vorfeld selbsttätig recherchiert. Dabei ging es um die Suche nach einem weiteren Zeugen mittels eines vom Landeskriminalamt gefertigten Phantombildes. Der Zeuge soll sich angeblich in unmittelbarer zeitlicher und örtlicher Nähe des mutmaßlichen Tatgeschehens in Haaren aufgehalten haben. Die Anwälte warfen der Staatsanwältin vor, sie habe die Ermittlungen völlig einseitig und in einer das Gebot der Objektivität verletzenden Art und Weise geführt.

In dem Fall, der sich am 12. April im Wohnhaus der 72-Jährigen abspielte, soll C. das Opfer wegen einer Kreditschuld von 1000 Euro zunächst angerufen und dann ein Treffen für den Abend des 12. April vereinbart haben. Dem laut Staatsanwaltschaft „spielsüchtigen” Angeklagten sei es um einen Aufschub gegangen.

Als sich die 72-Jährige bei dem Gespräch in ihrer Küche geweigert und das Geld sofort zurückverlangt habe, habe er ihr zunächst mit einer Pfefferspraypistole gedroht, sie dann sogar mit der Waffe angegriffen. Die ältere Dame sei in Panik in Richtung Garage geflüchtet. „Aus Furcht, sie könne ihn anzeigen, hat er beschlossen, das Opfer zu töten”, hieß es in der Anklageschrift. Er habe die Frau bis zum Eintreten des Todes gewürgt. Eine Tötung, um eine andere Straftat zu verdecken, ist juristisch als Mord klassifiziert.

Exakt gegen die frühe „Vorverurteilung” wehren sich die Anwälte. Die Staatsanwaltschaft habe sofort öffentlich von einem „Mordfall” gesprochen. Ali C. sei in einem frühen Stadium „vorverurteilt” worden, trug Bex vor.

Das Gericht verwarf am Mittag die Vertagungsanträge. Es gebe keinen Anlass, verlas Richter Gerd Nohl den Kammerbeschluss, anzunehmen, dass Schetter ihre Pflichten „schwer und nachhaltig” verletzt habe. Ein weiterer Antrag, das Haus der Getöteten vor Ort in Augenschein zu nehmen, kam gleichermaßen nicht durch, dazu sei es zu früh. Als erste Zeugin sagte die beste Freundin der Getöteten aus.

Die 65-jährige Rentnerin brach in Tränen aus, als das Gericht sie bat, das enge Verhältnis der beiden Frauen näher zu beschreiben. Am Tag vor dem Verbrechen an ihrer Freundin habe man zusammengesessen und eine Urlaubsreise „jetzt im Oktober” nach Sizilien geplant. Als das Opfer sich zwei Tage später nicht meldete, alarmierte sie eine der beiden Töchter. Beide saßen am Mittwoch als Nebenklägerinnen im Saal.

Am 27. Oktober wird weiterverhandelt.

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