„Ich hatte Alpträume“: Mordprozess um vergifteten Ehemann beginnt mit Geständnis

„Ich hatte Alpträume“ : Mordprozess um vergifteten Ehemann beginnt mit Geständnis

Eine Frau soll ihrem Ehemann zunächst Gift verabreicht und ihn dann mit Messerstichen getötet haben. Anschließend soll ihr Geliebter ihr bei der Zerstückelung der Leiche geholfen haben. Sie schweigt, der damalige Geliebte nicht.

Aufrecht, ohne das Gesicht zu verdecken, betritt der 45 Jahre alte Angeklagte am Dienstag Saal 7 des Kölner Landgerichts. Stoisch lässt er das Blitzlichtgewitter der Pressefotografen über sich ergehen. Ganz anders die Mitangeklagte. Die 38-Jährige hat eine Jacke über den Kopf geworfen. Sie muss von den Wachtmeistern wie eine Blinde zu ihrem Stuhl geführt werden.

In ihrer Gegensätzlichkeit nehmen die beiden Auftritte das vorweg, was nach der Verlesung der Anklage passiert. Während sie schweigt und sich die tränenfeuchten Augen mit einem Taschentuch trocken tupft, lässt er über seinen Verteidiger Markus Haupt ein umfassendes Geständnis ablegen. Darin heißt es unter anderem: „Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum ich da mitgemacht habe. Jetzt holt mich meine Vergangenheit ein.“

Folgt man der Staatsanwaltschaft, dann liegt diese Vergangenheit rund elf Jahre zurück. Am 13. Juni 2008 soll die 38-jährige Polin zunächst versucht haben, ihren Ehemann heimlich zu vergiften. Als dies nicht gelungen sei, soll die Frau ihn im gemeinsamen Ehebett mit zahlreichen Messerstichen in Brust, Bauch und Hals getötet haben. Der 45-jährige Deutsche, ihr damaliger Geliebter, soll von dem Plan gewusst und der 38-Jährigen bei der Zerstückelung und Beseitigung der Leiche geholfen haben.

Laut Anklageschrift sollen die Angeklagten dem Opfer in der Badewanne mit einer Säge und einem Teppichmesser Arme und Beine abgetrennt haben. „Ich hatte Albträume. Ich habe die Bilder vom Abtrennen der Arme und Beine nicht mehr aus dem Kopf bekommen“, erklärte der 45-Jährige über seinen Verteidiger. Die Leichenteile sollen die Angeklagten in Müllsäcke verpackt und in der Maas und anderen Wasserläufen in Belgien und den Niederlanden entsorgt haben.

Spaziergänger fanden später den Torso mit Kopf. Doch die Ermittlungen verliefen zunächst erfolglos. Erst ein Zeugenaufruf bezüglich einer Tätowierung auf der Schulter des Opfers in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ soll die Ermittler auf die Spur der Angeklagten geführt haben.

Laut der Erklärung seines Verteidigers hatte der 45-Jährige seine Mitangeklagte im Jahr 2007 im Rotlichtmilieu kennengelernt. Sie habe in einem Bordell in Bergheim als Prostituierte gearbeitet, er habe sich als selbstständiger Web-Designer auf die Erstellung von Homepages für dieses Milieu spezialisiert. Irgendwann habe es gefunkt.

In der heimlich geführten Beziehung soll die 38-Jährige immer wieder über ihren gewalttätigen Ehemann berichtet haben. Eine Trennung sei für sie aber nicht in Frage gekommen. In der Anklageschrift hieß es: „Die Angeklagte scheute eine von beiden Angeschuldigten gewünschte Trennung von ihrem Ehemann, da sie Angst vor dessen Reaktion hatte.“ Stattdessen soll sie wiederholt gesagt haben, es sei am besten, wenn ihr Mann einfach sterben würde. „Ich habe ihr gesagt, ich könne ihr nicht helfen. Allenfalls bei der Spurenbeseitigung“, so der 45-Jährige über seinen Anwalt.

Als er schon nicht mehr daran geglaubt habe, dass seine Geliebte ihren Mordplan in die Tat umsetzen würde, habe er am 13. Juni 2008 einen Anruf erhalten. Er habe den Hörer abgenommen. Am anderen Ende sei die Mitangeklagte gewesen und habe gesagt: „Ich habe es getan. Er ist tot.“

(dpa)
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