Aachen: Mordprozess: Treuer Liebhaber sagt aus

Aachen: Mordprozess: Treuer Liebhaber sagt aus

Im Mordprozess um die Aachener Ärztin Lydia H. (38) hat am Freitag erneut der damalige Liebhaber und heutige Freund der Angeklagten ausgesagt. Lydia H. wird auch in einem zweiten Schwurgerichtsprozess beschuldigt, am 19. Februar 2011 ihren 50 Jahre älteren Ehemann in einem Trennungsstreit mit einer Überdosis Morphium getötet zu haben.

Der aus dem Süddeutschen stammende pensionierte Lehrer Walter G. (69) beschrieb vor der 2. Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht die Zeit mit der frisch approbierten Narkoseärztin aus Aachen. „Sie freute sich sehr, endlich in Ulm eine Stelle an der Uniklinik gefunden zu haben“, berichtete er. Die beiden hatten sich Ende 2010 auf einer Flirtseite im Internet kennengelernt. Man habe sich dann regelmäßig in einem Low-Budget-Hotel in Aachen getroffen, nicht weit von der Wohnung von Lydia H. entfernt.

Über die eheliche Situation der Ärztin hätten sie dabei kaum geredet. Lydia H. habe nach der Zusage der Uniklinik Ulm, ab 15. April 2011 eine Stelle als Anästhesistin antreten zu können, eine kleine Wohnung in Ulm gesucht. Sie habe aber jedes Wochenende zu ihrem Ehemann nach Aachen gewollt, erläuterte der 69-Jährige dem Richter. G. agierte im Zeugenstand sehr vorsichtig, gab an, sich an viele Details nicht mehr erinnern zu können. Im ersten Schwurgerichtsverfahren hatte er viele Fragen ähnlich vage beantwortet.

Auf die Frage des Richters, wie es momentan um die Beziehung stehe, antwortete der Zeuge: „Gut. Ich besuche sie, so oft ich kann. Wir sind zusammen.“ Gerade die Zeit in Ulm habe zur „Vertiefung“ der einstigen Sexbeziehung beigetragen. Mitgekriegt habe er nur, dass der 85-Jährige andauernd Kontrollanrufe tätigte.

Zur gemeinsamen Zukunft fragte der Richter sarkastisch: „Wie ist das eigentlich, wenn eine Frau ihren Mann umbringt, und sie bewerben sich nun um diese Position?“ Darauf gab es keine Antwort. Der Prozess wird am 20. März fortgesetzt.