Mordprozess in Aachen

Messerstiche von Waldfeucht : Das brutale Ende eines „guten Jungen“

Im vergangenen Oktober wurde Dominik J. in einem Waldfeuchter Gewerbegebiet von vier Tätern zu Tode gestochen. Den Auftrag dazu soll Marvin R. gegeben haben, der Ex-Freund jener jungen Frau, die gerade mit dem Opfer in eine neue Wohnung ziehen wollte.

Wie versteinert sitzen die Eltern des ermordeten Dominik J. als Nebenkläger unmittelbar neben dem Vernehmungstisch, an dem die Zeugen am Mittwoch im Aachener Landgericht nur Gutes über ihren Jungen berichten.

Der 22-Jährige wurde laut Anklage am späten Abend des 2. Oktober 2018 in einem Gewerbegebiet in Waldfeucht von vier Tätern gemeinsam und mit etwa 50 Messerstichen hingerichtet. Den Auftrag dazu soll Marvin R. Gegeben haben, der Ex-Freund jener jungen Frau, die gerade mit Opfer Dominik J. in eine neue Wohnung ziehen wollte.

Weinend und zitternd beschrieb Freundin Natalie G. (22) im Zeugenstand, dass ihr „Dodo“, wie der 22-Jährige genannt wurde, eine Seele von Mensch gewesen sei. Von einem „guten Jungen“ war immer wieder die Rede am vierten Verhandlungstag vor der 5. Großen Jugendkammer hörte. Der freundliche junge Mann habe sich sogar mit Marvin R. (22), dem noch immer im Lebensumfeld gegenwärtigen Ex-Freund seiner neuen Beziehung, bestens verstanden. Beide Männer hatten den gesamten Tag vor der heimtückischen Mordattacke gemeinsam mit anderen Helfern einträchtig Tapeten abgerissen.

 Marvin R. habe gewusst, dass es aus ist, betonte Natalie G. nachdrücklich auf die eindringlichen Fragen des Vorsitzenden der Kammer, Richter Norbert Gatzke: „Ich habe es ihm oft und immer wieder gesagt. Aber ich hatte auch das Gefühl, er wollte es nicht wahrhaben“, sagte sie.

Gekaufte Komplizen

Was Natalie G. und der befreundete handwerkliche Helfer Martin K. (34) sich nicht auch nur entfernt ausmalen konnten, als sie gegen 20.45 Uhr am 2. Oktober den noch fleißigen Dominic J. dort zurückließen, war das grauenhafte Geschehen nur knapp zwei Stunden später.

In ein dunkles Gewerbegebiet hatten die Täter, laut Anklage der erst 17-jährige Sandorino K. und seine zwei für 3000 Euro gekauften Komplizen Saaed M. (23) und Hosein S. (27), auf Geheiß des Anstifters Marvin R. ihr Opfer bestellt, R. habe sich mit Dominic J. „bei einer Zigarette“ dort „aussprechen“ wollen, hatte es geheißen. Was dann im Gewerbegebiet geschah, haben Kameras nur schemenhaft aufgenommen. Am Ende brach Dominic J. blutüberströmt auf der Straße zusammen. Der niederländische Betreiber einer Gewerbehalle beschrieb dem Gericht, wie er zu Hause auf seinem Handy quasi live die von seiner Hallenkamera aufgenommenen Todesschreie des Opfers hören konnte, da war es kurz nach 23 Uhr.

Der Zeuge Martin K. berichtete von der spontanen Trauerfeier mit Kerzen und Blumen zwei Tage später am Tatort: „Ich habe den R. dort gesehen. Ohne eine Miene zu verziehen gab er der Mutter von Dominic die Hand.“ Kurz danach stellen sich die drei aktiv am Mord beteiligten Täter und verwiesen auf Marvin R. als Drahtzieher. Er wurde daraufhin von einem Einsatzkommando festgenommen.

Zum Auftakt des Prozesstages hatten Zeugen die den Leichnam damals fanden, ihr Grauen beschrieben, als sie den jungen Mann auf den Rücken drehten und die zahllosen Einstiche in seinem nackten Oberkörper entdeckten.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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