Mord in Eschweiler an Facebook-Bekanntem der Tochter

Zweite Auflage am Landgericht Aachen: Mord an Facebook-Bekanntem der Tochter

Ein junger Mann nimmt über Facebook Kontakt zu einer Zwölfjährigen auf - und wird dafür umgebracht: Der aufsehenerregende Fall beschäftigt seit Donnerstag erneut das Landgericht Aachen.

Für die Tat hatten die Richter die Eltern des Mädchens und einen Freund der Familie im Mai 2016 zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil gegen die Mutter und den Freund auf: Für die obersten deutschen Strafrichter stand nicht zweifelsfrei fest, dass die beiden tatsächlich eine Tötungsabsicht hatten. Dieser Frage muss das Aachener Landgericht erneut nachgehen.

Beide Angeklagte wollten sich am ersten Prozesstag zunächst nicht zu den Tatvorwürfen äußern. Der Vater des Mädchens, bei dem die Richter im Urteil auch noch die besondere Schwere der Schuld festgestellt hatten, soll an einem der kommenden Verhandlungstage als Zeuge geladen werden. Das Urteil gegen ihn hatte der BGH nicht beanstandet.

Er hatte das Opfer, einen geistig behinderten 29-Jährigen, im August 2015 in einen Hinterhalt gelockt und mit einem Bajonettmesser erstochen. Die Eltern glaubten, es handele sich um einen Pädophilen, der ihre Tochter schon früher über Facebook sexuell belästigt habe - ein Irrtum. Der 29-Jährige hatte eigentlich eine Beziehung zu einer erwachsenen Frau gesucht - und nicht wissen können, dass hinter dem Facebook-Profil einer angeblich 22-Jährigen ein Kind steckte.

Laut erstem Urteil war der Vater bei dem Mord die treibende Kraft. Er soll seine Frau und den Freund zu Komplizen gemacht haben. In dem Indizienprozess kamen die Richter zu dem Schluss, dass es sich nicht um eine spontane Tat handelte. Für die Neuauflage des Prozesses vor dem Aachener Landgericht sind acht Verhandlungstage bis zum 12. Dezember geplant.

(dpa)
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