Vettweiß/Bonn: Mord an Prostituierter: Lebenslang für Lkw-Fahrer aus Vettweiß

Vettweiß/Bonn: Mord an Prostituierter: Lebenslang für Lkw-Fahrer aus Vettweiß

Mit einer lebenslangen Haftstrafe hat das Bonner Landgericht am Donnerstag den Mord an einer 51-jährigen Prostituierten in Euskirchen geahndet.

Die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Josef Janßen befand einen heute 44 Jahre alten Lastwagenfahrer aus Vettweiß für schuldig des Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Raubes mit Todesfolge.

Der Angeklagte hatte die Tat vor Gericht gestanden, aber als Panikreaktion dargestellt. Dieser Darstellung wollte das Gericht hingegen nicht folgen. Janßen ließ erkennen, dass der Gesetzgeber dem Gericht bei der Strafzumessung keine andere Wahl lasse, obwohl es einige Punkte gebe, die für den Angeklagten sprächen.

Der sei trotz schwieriger Verhältnisse bis zum Tattag nicht straffällig geworden. So hatte sich dessen Sohn mit dem HI-Virus infiziert. Der Angeklagte habe ihn zu sich genommen und gepflegt, bis der Sohn gestorben sei. Seine Tochter sei nach dem Tod des Bruders in die Drogensucht abgeglitten. Die Ehefrau sei spielsüchtig geworden und habe das Familien-Einkommen verspielt. Anfang 2013 sei das Geld knapp geworden. Man habe einen Neuanfang in Leipzig versuchen wollen, doch die Ehefrau habe sogar das Geld für den Umzug verspielt, beschrieb der Richter die Situation des Angeklagten unmittelbar vor der Tat.

Der habe schließlich den Entschluss gefasst, bei der Prostituierten einzubrechen und die Tageseinnahmen zu stehlen. Ein oder zwei Tage vor der Tat habe er bei der Frau geklingelt und die Lage sondiert. Am Tattag habe er wieder geklingelt, und zu seiner Überraschung habe die Prostituierte geöffnet. Der Angeklagte sei mit in die Wohnung gegangen, habe mit der Prostituierten gesprochen und zugeschlagen, als diese sich umgedreht habe, um die Laken auf dem Bett auszubreiten. Die Frau sei benommen gewesen, habe stark geblutet.

Als der Täter begonnen habe, nach Bargeld und Wertgegenständen zu suchen, habe sich die 51-jährige Thailänderin aufgerappelt. Doch ein Fluchtversuch scheiterte. Der Angeklagte habe die Frau eingeholt und mit einem Wollgürtel so lange gedrosselt, bis sie das Bewusstsein verloren habe. Dann habe er den Gürtel fest verknotet. Erst nach drei Minuten sei die Frau tot gewesen. Danach habe der Angeklagte die Wohnung durchsucht, Schmuck und Wertgegenstände gestohlen.

„Warum hat er die Prostituierte getötet?“, fragte der Richter. Das Gericht kam nur zu einer schlüssigen Erklärung: „Der Angeklagte hat getötet, um den Überfall zu verdecken und zu vertuschen.“ Über der ganzen Tat habe die finanzielle Misere geschwebt. „Wer in einer solchen Situation ist, der will nur eines: das Problem lösen“, sagte der Richter. Für den Angeklagten habe das bedeutet, er habe die 51-Jährige töten müssen, damit sie ihn später nicht hätte identifizieren können.

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