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Mord an fünf Kindern: Chats der Mutter verlesen

Prozess um Mord an fünf Kindern : Chats der Angeklagten verlesen

Im Prozess um die Tötung fünf kleiner Kinder in Solingen hat das Gericht die dramatischen Chats der Angeklagten vom Tattag verlesen. Darin teilt sie mit, dass ihre Kinder tot sind. Im Gerichtssaal bricht die 28-Jährige aber an anderer Stelle in Tränen aus.

Im Wuppertaler Prozess um die Ermordung von fünf Kindern in Solingen lassen die Chats auf dem Handy der angeklagten Mutter kaum Zweifel an ihrer Täterschaft. Ein eindeutiges Geständnis findet sich aber nicht. Die Polizei hatte die gelöschte WhatsApp-Kommunikation der 28-Jährigen am Tattag mit ihrem Noch-Ehemann und ihrer Mutter wieder sichtbar machen können. Am Montag wurde sie in den Prozess eingeführt.

In dem Chat bestätigte ihr Ehemann, dass er eine neue Beziehung hat. Daraufhin schrieb sie, dass er seine Kinder nicht mehr sehen werde. „Die Kinder sind weg“, so die Angeklagte in dem Chat. Und schließlich: „Ich beende es. Die Kinder sind schon da oben, ich gleich auch, also ruf die Polizei.“ Und dann noch einmal: „Die Kinder sind tot. Hol' die Polizei. Ich meine es ernst, die Kinder leben nicht mehr.“

Wegen fünffachen Mordes angeklagt

Auf der Anklagebank des Wuppertaler Landgerichts muss sich die 28-jährige Mutter der toten Kinder wegen fünffachen heimtückischen Mordes verantworten. Sie soll fünf ihrer sechs Kinder betäubt und dann erstickt, erwürgt oder ertränkt haben.

Die Angeklagte hat die Tat bestritten. Ein Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen, habe sie gefesselt, geknebelt und dann ihre Kinder getötet. Die Ermittler hatten diese Version als Schutzbehauptung zurückgewiesen.

Ein Mitarbeiter des Jugendamtes sagte am Montag, es habe vor der Tat zwar Vorfälle in der Familie gegeben, die Mutter habe die Lage aber „im Griff“ gehabt. Der Vater sei dagegen immer wieder abgetaucht und zwischendurch obdachlos gewesen. Seine Frau habe die Scheidung und das Sorgerecht für die Kinder gewollt. Das Gericht verlas ein entsprechendes Schreiben der Angeklagten an das Amtsgericht, dem ein zweites folgte, mit dem sie ihren Antrag zurücknahm.

Als im Gericht am Montag Videos aus glücklicheren Familientagen mit jauchzenden Kindern gezeigt werden, bricht die Angeklagte in Tränen aus, schluchzt immer heftiger und krümmt sich hinter der Anklagebank. Kurz darauf fängt sie sich und folgt stoisch der weiteren Verhandlung.

Der Deutschen droht lebenslange Haft. Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihre Mutter hatte sich nach der Tat im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn blieb unverletzt. Seine Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt.

Vater der Angeklagten als Zeuge geladen

Für den Montag war auch der Vater der Angeklagten als Zeuge geladen. Gegen ihn wird in einem gesonderten Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter ermittelt, sagte ein Sprecher der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Das Verfahren gehe auf eine Strafanzeige seiner Tochter zurück, die diese während ihrer Untersuchungshaft erstattet habe.

Am Morgen war noch unklar, ob der Vater vor Gericht erscheint und als Zeuge aussagt, betonte ein Gerichtssprecher. Ihm steht ein Aussageverweigerungsrecht zu.

Unterdessen hatte ein Verteidiger der 28-Jährigen angekündigt zu beantragen, dass ihr Gehirn auf Missbrauchsspuren untersucht wird. Neuerer Forschung zufolge wirke sich massiver sexueller Missbrauch im Kindesalter auch auf die Hirnstruktur aus.

(dpa)