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Düsseldorf: Montags-Demo war gestern: Tierschützer jeden Mittwoch auf der Straße

Düsseldorf : Montags-Demo war gestern: Tierschützer jeden Mittwoch auf der Straße

Jeder kennt das politische Ritual der „Montags-Demo” von Hartz IV-Empfängern. Jetzt reklamieren in Düsseldorf Tierschützer den Mittwoch für sich. Eine kleine Gruppe von Aktivisten sucht sich je nach Nachrichtenlage jede Woche ein anderes Thema und einen anderen Ort.

Tierversuche, Pelzmäntel, Stierkämpfe, Delfine in Fischernetzen: Den Protestlern geht der Stoff nicht aus. Zuverlässig werden sie auch diese Woche für Tierrechte auf die Straße gehen. Etwa 15 Mittwochs-Demonstranten gehören zum lockeren Verbund.

Treffpunkt spanisches Generalkonsulat: Zwei als Stiere kostümierte Demonstranten und ihre Mitkämpfer mit Transparenten trotzen den immer neuen Regenschauern und prangen die Hatz in der spanischen Arena von Pamplona an. Sieben Leute haben sich versammelt.

„Das sind wir gewohnt”, kommentiert die als Tier verkleidete Danuta Zaczyk (60) die überschaubare Schar. Regen hat die ersten der aufgeklebten Buchstaben vom Bettlaken gespült: Ursprünglich standen dort die Worte „PRIMITIV” und „HERZLOS”. Das „HERZLOS” ist schon abgefallen, immerhin steht noch ein „P.IMITIV” da. Der Konsul dürfte wissen, was gemeint ist. Doch kommt aus dem Gebäude der Spanier keine nennenswerte Reaktion. Mitarbeiter stehen mit gleichgültiger Miene im trockenen Hauseingang.

Das Tierkostüm ist patschnass und vorbeirasende Lastwagen versperren die Sicht auf das Gelände der Spanier auf der anderen Straßenseite, bis zum Tor dürfen die Tierschützer mit ihrer Gruppe wegen Polizeiauflagen nicht vortreten. Tierschützer Rudolf Pyls (68) flucht. „Es ist regelmäßig so, dass wir hier verbannt werden”, sagt er.

Zum Teil kennen sich die Mittwochs-Demonstranten seit Jahrzehnten - von Aktionen wie etwa den alljährlichen Anti-Pelz-Demos auf der schicken Düsseldorfer Flaniermeile Königsallee. Doch mit der wöchentlichen Protestreihe möchten sie das Echo vergrößern. „Wir wollen Missstände anprangern”, sagt Christina Ledermann (37), die zugleich Vorstandsmitglied im Verband „Menschen für Tierrechte” ist.

Ihr Kollege Pyls ist sauer auf die Behörden. Demonstrationswege würden „durch die Wallachei” führen, die zugewiesenen Plätze für den Protest seien zu weit weg vom angepeilten Ziel. Ledermann versucht sachte, den Mann zu beruhigen. „Man darf keine Illusionen haben oder sich zuviel erhoffen”, sagt die Aktivistin und lächelt. Ihr frischgetöntes Haar färbt Regentropfen rot, die über ihren Hals abperlen. Ledermann erzählt von einem Urlaub im Süden, bei dem sie unfreiwillig Zuschauer eines Stierkampfes wurde. „Ich war schockiert, wie die Tiere am Fließband abgestochen werden”, schildert sie.

Die blutige Hatz wiederholt sich jedes Jahr: Diesmal erstachen die Toreros in Pamplona innerhalb von acht Tagen 48 Stiere. Passanten, denen Ledermann ihre Sicht der Dinge erzählen kann, gibt es an diesem Mittwoch leider keine. „Ich denke, dass uns aber auch viele Autofahrer heute wahrnehmen”, sagt die Tierschützerin.

Im Namen getöteter Delfine haben die Mittwochs-Demonstranten auch schon vor dem japanischen Generalkonsulat Posten bezogen. Über die wöchentlichen Lokal-Aktionen halten sich die Aktivisten meist telefonisch auf dem Laufenden, Protesten in anderen Teilen Nordrhein- Westfalens schließen sie sich nach Internetaufrufen an.

So war die Truppe aus der Landeshauptstadt gemeinsam mit vielen anderen Aktivisten auch schon zum Protest vor einer Aachener Pelztierfarm. Mit den Stierkostümen für diesen Mittwoch hätten Tierfreunde in Duisburg ausgeholfen, tönt es dumpf aus der Tiermaske von Danuta Zaczyk. Demnächst wird sie mit ihren Kollegen gegen Waljagd und Massentierhaltung auf die Straße gehen.