Nach 28 Jahren im Gefängnis: Mörder wegen neuer Tat erneut verurteilt

Nach 28 Jahren im Gefängnis : Mörder wegen neuer Tat erneut verurteilt

Ein Mörder, der nach einer Tat in Aachen verurteilt wurde, bringt nach 28 Jahren Haft erneut eine Frau um. Jetzt haben die Richter auch die unbefristete Sicherungsverwahrung angeordnet – zum Schutz der Allgemeinheit.

Kaum war er nach 28 Jahren Haft in Freiheit, suchte er sich schon das nächste Opfer: Ein bereits wegen Mordes verurteilter Mann ist am Mittwoch zu weiteren 14 Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden. Der 50-jährige Deutsche hatte nur drei Monate nach seiner Entlassung eine 72-jährige Frau aus dem nordrhein-westfälischen Schwerte umgebracht.

Der Fall in Schwerte hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil sich der Angeklagte auf dem Sofa sitzend selbst gefilmt und die Bilder live bei Facebook gestreamt hatte, als die Polizei seine Schwerter Wohnung stürmte.

Laut Urteil des Hagener Schwurgerichts hat der Angeklagte in der Nacht auf den 9. Januar 2019 mit einem Messer auf die Seniorin eingestochen, sie anschließend gewürgt und dann Feuer in der Wohnung gelegt. Richter Marcus Teich sprach von einem „Martyrium“ für das Opfer. Neben der Haftstrafe haben die Richter außerdem die anschließende und unbefristete Sicherungsverwahrung angeordnet – zum Schutz der Allgemeinheit.

„Es kann jeden treffen“, so Richter Teich in der Urteilsbegründung. So lange die Persönlichkeitsstörung und die sozialen Defizite des Angeklagten nicht aufgearbeitet seien, dürfe der Angeklagte nicht entlassen werden. „Es geht um den Schutz menschlichen Lebens.“

Die Festnahme war nur wenige Tage nach der Tat erfolgt - aufgrund von DNA-Spuren an der Kleidung der Leiche. Im Prozess hatte der Angeklagte sich nicht zu den Vorwürfen geäußert, kurz vor der Urteilsverkündung aber um „Vergebung“ gebeten.

Was genau in der Wohnung der 72-Jährigen passiert ist, ist laut Urteil unklar. Die Richter gehen davon aus, dass der Angeklagte die Seniorin kennengelernt hat, weil sie ganz in der Nähe des Schwerter Gefängnisses gewohnt hat, in dem der 50-Jährige zuletzt gesessen hat. Dort hatte er als Gärtner gearbeitet – auch bei Freigängen.

„Wir wissen, dass er sich der Frau sexuell angenähert hat, dass er sie angegriffen hat und dass er sie getötet hat“, so Richter Teich. Die Rechtsmediziner hatten später vier Messerstiche und Würgemale am Hals festgestellt. Die genauen Abläufe und Hintergründe sind laut Urteil aber nicht bekannt. Auch über ein mögliches Motiv könne nichts festgestellt werden.

Der heute 50-Jährige hatte 1990 bereits in Aachen eine Frau getötet, nachdem diese den Geschlechtsverkehr mit ihm verweigert hatte. Kurz danach hatte er eine weitere Frau vergewaltigt und ausgeraubt. Dafür war er 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Erst im Herbst 2018 waren Gutachter zu dem Schluss gekommen, dass von dem 50-Jährigen keine Gefahr mehr ausgehe und er entlassen werden könne.

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft wegen Mordes beantragt. Aufgrund der unklaren Tatabläufe und Hintergründe konnten die Richter am Hagener Schwurgericht jedoch kein Mordmerkmal feststellen.

(dpa)