Herzogenrath: Mit Talenten überleben im Dschungel

Herzogenrath: Mit Talenten überleben im Dschungel

Es war fast so wie bei der Eröffnung des neuen Tivoli: Als die Alemannia im August des vergangenen Jahres erstmals in der neuen Heimat spielte, war das Stadion ausverkauft. Ähnliches geschah am Mittwoch bei „Time 2 Talk”.

Die Premiere der Alemannia-Gesprächsrunde der „Nachrichten” an neuer Stätte im Sportpark Kohlscheid war ebenfalls so gut wie ausverkauft - was bei freiem Eintritt allerdings nicht wirklich möglich ist.

Mehr als 300 Zuschauer waren gekommen, um Neues über die aktuelle Situation des Aachener Fußball-Zweitligisten zu erfahren. Und dazu hatten die Moderatoren Achim Kaiser und Bernd Büttgens mit dem Sport-Geschäftsführer Erik Meijer, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Linden, dem ebenfalls neuen Vereinspräsidenten Alfred Nachtsheim, Trainer Michael Krüger sowie den Mittelfeldspielern Patrick Milchraum und Cristian Fiel einen Sechserpack eingeladen.

Wie der OB vor dem Stadtrat

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Alemannia, Jürgen Linden, muss sich dabei vorgekommen sein wie in seiner Zeit als Aachener Oberbürgermeister, denn das Thema Finanzen stand ganz oben auf der Tagesordnung von „Time 2 Talk”. Redegewandt wie einst als OB vor dem Stadtrat betonte er, dass der Alemannia nicht etwa neun Millionen Euro fehlten, wie zuletzt kolportiert worden sei. „Es sind vielmehr 6,5 Millionen Euro für das Nachwuchsleistungszentrum, das bereits im Bau ist und über langfristige Mietzahlungen der Alemannia finanziert wird.”

Hinzu kämen knapp drei Millionen Euro für die Trainingsplätze und den Umbau des Werner-Fuchs-Stadions für die Amateure. „Die fehlen zurzeit tatsächlich”, auch weil wegen der sportlichen Situation mit geringeren Zuschauereinnahmen und Fernsehgeldern „nicht so viel Geld aus dem Sport kommt, wie wir uns das gewünscht hätten”. Zudem sei es ja nicht so, „dass die Stadt der Alemannia das Geld schenken soll”, stellte Linden klar, die Alemannia habe die Stadt Aachen lediglich gebeten, einen Teilbetrag „entweder als Darlehen zur Verfügung zu stellen oder im Nachwuchsbereich mitzufinanzieren”.

Damit nun der sportliche Bereich bald wieder mehr Geld einbringe, dafür habe man Ende letzten Jahres Erik Meijer als neuen Manager eingestellt: „Er hat als Marketingmitarbeiter umglaubliche Hilfe beim Stadionbau geleistet, nun übernimmt er die Innereien”, schlug Linden den Bogen zur sportlichen Situation. Die beschrieb Erik Meijer mit ähnlich deutlichen Worten: „Dort, wo wir jetzt in der Tabelle stehen, wollen wir nicht bleiben. Wir wollen uns verbessern.”

„Der einzige Weg”

Und das wolle er auch über die Saison hinaus trotz eines geringeren sportlichen Etats mit „jungen, willigen Talenten” erreichen. „Das ist der einzige Weg für die Alemannia, um im Profi-Dschungel zu überleben.” Im Übrigen sei das in Aachen ja nicht unbekannt: „Wir hatten die Vorbilder dieser Talente ja schonmal hier, mit Simon Rolfes, Sascha Dum oder Jan Schlaudraff”, zählte Meijer auf. An diese Zeit erinnerte sich auch Jürgen Linden nur allzu gut: „Mit diesen jungen Spielern hatten wir den Erfolg auch nicht erwartet”, dennoch habe man im Uefa-Pokal gespielt und sei aufgestiegen.

Obwohl der Profifußball inzwischen von der Alemannia GmbH betrieben werde, „kann natürlich auch der Verein in der momentanen Situation helfen”, warf Alemannia-Präsident Alfred Nachtsheim ein, „und zwar bei der Sponsorensuche, mit der Logistik und natürlich mit ganz viel Emotion und Leidenschaft”.

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