Aachen: Mit Leib und Seele Journalist

Aachen: Mit Leib und Seele Journalist

Hans Siemons ist tot. Überraschend, unerwartet, ganz plötzlich war sein Leben zu Ende. Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der „Aachener Volkszeitung”, heute „Aachener Zeitung”, starb vor einigen Tagen im Alter von 76 Jahren.

Für die Redaktion der „Aachener Zeitung” ist der Tod von Hans Siemons ein großer Verlust. Auch nach seiner aktiven Laufbahn, die 1995 mit dem Erreichen des 65. Lebensjahres offiziell zu Ende ging, blieb er der Redaktion kollegial und freundschaftlich verbunden. Mit ihm haben wir einen kompetenten und liebenswürdigen Kollegen verloren.

Hans Siemons war mit Leib und Seele Journalist und vor allem Aachener. Hier wurde er geboren, hier besuchte er das Kaiser-Karls-Gymnasium. Er studierte in Münster, Würzburg und Köln Geschichte, Germanistik, Philosophie und Publizistik. Und schon war er wieder zurück in Aachen!

Von 1954 bis 1956 volontierte er bei der AVZ und arbeitete anschließend zwei Jahre als Redakteur in der Lokalredaktion Aachen. 1959 wechselte er in die Politik-Redaktion, für die er 1962 als Ressortleiter Verantwortung übernahm.

Doch schon wenige Jahre später, 1966, zog es ihn in den Süden der Republik, wurde er zunächst stellvertretender Chefredakteur und 1970 Chefredakteur des renommierten katholischen Magazins „Weltbild” in Augsburg.

1984 kehrte er schließlich doch wieder in seine geliebte Heimatstadt zurück: Er wurde stellvertretender Chefredakteur der AVZ und blieb es bis 1995.

An Hans Siemons beeindruckten seine Mischung aus rheinischer Gelassenheit und schneller Entscheidungsfreude, vor allem auch seine gediegene und umfassende Allgemeinbildung. Auf ihr basierten zahlreiche Berichte, Dokumentationen, Reportagen und seine regelmäßigen Kommentare zu aktuellen Fragen aus den Bereichen Politik, Gesellschaft und Kirche.

Er war ein interessierter, kritischer und engagierter Leser, Autor, Gesprächspartner und Kollege. Er hielt sich nicht an der wenig intelligenten Billigware vieler elektronischer Medien auf. Er war gebildet und handelte auf diesem Niveau, das er sich selber als Anspruch vorgab.

Hans Siemons zog sich aber nicht in die intellektuellen Refugien weltfremder Erörterungen zurück, sondern behielt Bodenhaftung. Innerhalb der Aufgabenverteilung der Chefredaktion kümmerte er sich um die jungen Kolleginnen und Kollegen, die als Volontäre ausgebildet wurden.

Das Projekt „Zeitung in der Schule” war ihm eine Herzensangelegenheit. Unverwechselbare Spuren seiner Frohnatur hinterließ er als langjähriges Mitglied des AVZ-Mullefluppet-Kuratoriums.

Seine Liebe zu Aachen dokumentierte er in zahlreichen Büchern, die sich mit einem breiten historischen Spektrum der Kaiserstadt befassten. Das verraten Titel wie „Casanova in Aachen”, „Aachens junge Wilde aus dem Hörsaal”, „Kriegsalltag in Aachen” oder „Schlürfen und Schmatzen - Essen im alten Aachen”.

Besondere Verdienste erwarb er sich mit dem zweiten Teil von „Aachens Geschichte in Daten”, der Fortschreibung des Klassikers von Bernhard Poll.

Mehrmals im Jahr haben wir uns - gemeinsam mit zwei weiteren im Ruhestand lebenden Kollegen - zu einem Mittagessen getroffen, über alte und aktuelle Zeiten gesprochen.

Hans Siemons war hoch interessiert am Leben in Redaktion und Verlag. Wir werden ihn vermissen und es in guter Erinnerung behalten, dieses wirkliche Urgestein der AVZ.

Die Beerdigung hat im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis stattgefunden. Unsere Anteilnahme gilt seiner Frau Marga und seinen vier Kindern mit ihren Familien. Bernd Mathieu

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