Düsseldorf: Mit Flexibilität gegen den Lehrermangel

Düsseldorf : Mit Flexibilität gegen den Lehrermangel

Im Kampf gegen den Lehrermangel in NRW prüft das NRW-Schulministerium offenbar Möglichkeiten, Lehrer grundsätzlich flexibler an unterschiedlichen Schulformen einsetzen zu können.

„Es gibt auf Sicht deutlich zu viele Gymnasiallehrer in NRW und deutlich zu wenige Lehrer für Grund-, Haupt und Förderschulen. Wir können gar nicht anders, als unsere Lehrer flexibler als bisher auf die Schulformen zu verteilen“, sagte ein hochrangiger Ministerialbeamter unserer Redaktion. Offiziell wollte das Ministerium die Information nicht bestätigen: „Wir arbeiten an neuen Instrumenten gegen den Lehrermangel, aber es ist noch nichts spruchreif“, sagte ein Sprecher.

„Ermutigende“ Ergebnisse

Im Mai waren landesweit 4051 Lehrererstellen zu besetzen, für die es aber nur 2660 passende Kandidaten gab. Einer aktuellen Lehrerbedarfsprognose zufolge geht das Land in den nächsten zehn Jahren von einer Unterversorgung von bis zu 15.000 Lehrern aus.

So rechnet das Ministerium in der kommenden Dekade an Grundschulen mit einem Einstellungsbedarf von 1600 Lehrern pro Jahr, aber nur mit einem jährlichen Angebot von 1400 neuen Lehrern. In der Sekundarstufe I (Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen) steht dem jährlich hochgerechneten Angebot von 1100 Lehrern pro Jahr ein Bedarf von rund 1700 Kräften gegenüber.

An den Berufskollegs werden wohl nur 500 neue Lehrer pro Jahr auf 700 frei werdende Stellen verteilt werden können. An den Sonderschulen zeichnet sich vor allem eine Unterversorgung von Schülern mit emotionalen und sozialen Handicaps sowie mit eingeschränktem Hör- und Sehvermögen ab. Den Gymnasien steht hingegen ein jährliches Angebot von knapp 3400 neuen Lehrern zur Verfügung, obwohl sie im Schnitt nur 2100 pro Jahr brauchen.

Eine Art Feldversuch zum Einsatz von Gymnasiallehrern an Grundschulen führt das Land seit Herbst 2017 bereits durch. Absolventen, die nach ihrem Referendariat keine Stelle an einem Gymnasium finden, können in NRW für zwei Jahre an einer Grundschule unterrichten. Damit verbunden ist die Garantie, danach an eine weiterführende Schule versetzt zu werden.

„Bis April 2018 hatten bereits mehr als 80 Lehrerinnen und Lehrer mit Lehramtsbefähigung für die Sekundarstufe II das neu geschaffene Angebot angenommen“, teilt das NRW-Schulministerium auf Anfrage mit. Im Umfeld des Ministeriums heißt es, die Ergebnisse seien „ermutigend“. Nun wird geprüft, ob die Durchlässigkeit für den Einsatz von Lehrern an unterschiedlichen Schulformen generell vergrößert werden kann.

Der Chef der Kultusministerkonferenz (KMK), Helmut Holter, will Lehrer sogar gar nicht mehr strikt getrennt nach Schularten ausgebildet wissen. „Wenn wir erreichen wollen, dass wir den Unterricht an den Schulen absichern wollen, müssen wir die Durchlässigkeit zwischen den Schulen erhöhen“, sagt der Linken-Politiker, der Schulminister in Thüringen ist. Seiner Ansicht nach soll die Lehrerausbildung nicht mehr etwa nach Gymnasium, Grund- und Realschule erfolgen, sondern nach Altersstufen der zu unterrichtenden Kinder. So könnten Lehrer an verschiedenen Schularten eingesetzt werden.

Die gewerkschaftsähnliche Lehrerorganisation „Lehrer NRW“ hält derartige Überlegungen zumindest als vorübergehende Notlösung für akzeptabel. „Wer Qualität will, muss zwar grundsätzlich die Spezialisierung von Lehrern fördern“, sagt Landeschefin Brigitte Balbach, „aber als vorübergehende Notlösung gegen den Lehrermangel ist der flexiblere Einsatz von Lehrkräften über unterschiedliche Schulformen hinweg denkbar.“