Garenfeld: Mit dem Magneten am Fahrtenschreiber: Lkw-Großkontrolle an der A1

Garenfeld : Mit dem Magneten am Fahrtenschreiber: Lkw-Großkontrolle an der A1

Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte es auf manipulierte Fahrtenschreiber, übermüdete Fernfahrer und altersschwache Lastwagen abgesehen. Und er wurde fündig. Weil Lkw an Stauenden immer häufiger schwere Unfälle verursachen, will Jäger gegensteuern. Die Suche konzentriert sich auf ausgesetzte Fahrtenschreiber und Assistenzsysteme.

Zu viel wird mit Magneten an der Scheibe manipuliert oder in dreisten Fällen gleich die ganze Software mit einem versteckten Minischalter überbrückt. Die Folge: Mit der aussetzenden Tachoscheibe werden auch Bremsassistenten, die Tempoüberschreitungen herunterregeln, sowie Abstandsregler oder ABS außer Kraft gesetzt.

Autobahnpolizei und Zoll fertigten an diesem Freitag Anzeigen gleich blockweise aus. Besonders auffällig waren übermüdete Fahrer. Mit den Waren und den Führerscheinen stimmte auch nicht immer alles.

Die sonst unscheinbare Raststätte „Lennhof” an der vielbefahrenen A 1 zwischen dem Westhofener Kreuz und Hagen glich am Freitag einer Festung. Dutzende Einsatzkräfte empfingen die Brummifahrer. Polizisten mit Maschinenpistolen sicherten den Schauplatz ab.

Polizeiscouts in Zivilwagen und auf Motorrädern suchten weit vor der Raststätte verdächtige Lkw aus. Die Vorauswahl erwies sich als sinnvoll. 28 Lkw nahmen Polizei, Zoll, Bundesamt für Güterverkehr und die Bezirksregierung am Vormittag unter ihre Fittiche. Noch nicht einmal die Hälfte der Fahrer kam ohne Anzeige davon.

„Wer den Fahrtenschreiber fälscht, muss mit lebensgefährlichen Folgen rechnen”, betonte Jäger, der das Geschehen vor Ort verfolgte. 94 Unfälle mit sieben Toten und 100 Verletzten zählte die Polizei im ersten Halbjahr in NRW, verursacht durch Lastwagen am Stauende, 18 Unfälle mehr als in der ersten sechs Monaten des Vorjahres.

Speditionen sind einem enormen Wettbewerb ausgesetzt und stehen unter Zeitdruck, heißt es in der Branche. Wer sich aber einen Vorteil von manipulierter Technik verspreche, sei „eine Schande für den Berufsstand”, sagte Jäger.

Meist kommen die Fahrer mit Verwarnungen davon. Wer sich aufwendig mit technischen Veränderungen befasst, kann aber auch wegen Betrugs belangt werden. Dann fallen Strafen härter aus. Der Pferdefuß: Solche Manipulationen sind schwer nachweisbar, heißt es bei der Polizei.

Den Fernfahrern war die Kontrolle sichtbar ein Dorn im Auge. Ein Fahrer auf dem Weg nach Spanien musste zum Startort Dortmund zurückfahren. Seine Ladung war falsch gekennzeichnet. Er hatte haufenweise Schrottautos, Staubsauger und alte Küchengeräte an Bord. Von Autos stand in den Papieren aber nichts.

Schlimmer noch die fehlende Sicherung von Gasflaschen. In solchen Fällen geht es erst weiter, wenn die Ladung fest verzurrt ist. Der eine oder andere Fahrer musste eine unfreiwillige Pause auf dem Rastplatzeinlegen. Zum Zeitvertreib konnten sie sich im Polizeibus Bilder von schweren Unfällen ansehen, verursacht von Lkw-Fahrern.

(dpa)
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