Aachen/Bonn: Mit „Daisy” könnte das Chaos kommen

Aachen/Bonn: Mit „Daisy” könnte das Chaos kommen

Mit Blick auf den angekündigten Schneesturm empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe den Bürgern, sich für mehrere Tage mit Lebensmitteln einzudecken.

Ausreichend Trinkwasser, ein Medikamentenvorrat und Kerzen sollten im Haus sein, riet der Präsident des Bundesamtes, Christoph Unter, am Freitag in Bonn. Gut wäre auch ein Batterie-betriebenes Radio, denn im Fall eines Stromausfalls, wären ja andere Kommunikationsmittel wie Fernsehen oder Computer nicht einsatzfähig.

Auch Mobiltelefone ließen sich dann nicht mehr aufladen. „Die Möglichkeit eines Stromausfalls gibt es immer”, sagte Unter.

Wer mit dem Auto unterwegs sei, müsse mit Staus rechnen, sagte der Sprecher der Behörde. Die Autofahrer sollten daher warmen Tee und Decken einpacken. Jede unnötige Autofahrt solle vermieden werden.

In der Nacht hatten spiegelglatte Straßen in Deutschland erneut ein Menschenleben gekostet und zahlreiche Unfälle mit Blechschäden verursacht. Ein 29 Jahre alter Autofahrer starb am Donnerstagabend bei einem Unfall nahe dem niedersächsischen Nienburg/Weser.

„An derselben Stelle sind kurz hintereinander drei Unfälle passiert. Das ist pures Eis auf der Fahrbahn”, sagte ein Polizeisprecher in der Nacht. Auch anderen Autofahrern in Niedersachsen und Nordrhein- Westfalen wurden Schnee und Glätte zum Verhängnis. Die meisten Unfälle verliefen jedoch glimpflich. Im Tagesverlauf wird mit heftigen Schneefällen und einer weiteren Verschlechterung der Straßenverhältnisse gerechnet.

Für den 29-Jährigen Mann in Niedersachsen endete die Autofahrt auf eisglatter Straße tödlich: Vermutlich wegen zu schneller Fahrweise kam er von der Bundesstraße 6 nahe Nienburg ab. Sein Fahrzeug prallte erst gegen die Leitplanke und wurde zurück über die Fahrbahn, durch einen Zaun und mit der Seite gegen einen Baum geschleudert. Der junge Mann starb noch an der Unfallstelle.

Die glatten Straßen machten erneut auch Lastwagenfahrern auf den Autobahnen zu schaffen. Auf der A 7 bei Laatzen nahe Hannover geriet ein Lastwagen am Abend ins Schleudern und kippte nach Angaben der Feuerwehr mit der Beifahrerseite auf die Mittelleitplanke. Fahrer und Beifahrer im Alter von 22 und 20 Jahren wurden im Führerhaus eingeschlossen und leicht verletzt. Sie kamen ins Krankenhaus. Wegen der Bergungsarbeiten war die A 7 mehrere Stunden lang in beiden Richtungen jeweils nur auf einer Spur befahrbar, es kam zu Staus.

Auch im Stadtgebiet sowie in der Region Bremen, vor allem auf der Autobahn 1 gab es mehrere Unfälle. Ein Lastwagen landete hier ebenfalls im Graben, Verletzte gab es nicht.

In Nordrhein-Westfalen wurden auf der Bundesstraße 239 in Bad Salzuflen drei Menschen bei einem Glätteunfall verletzt. Eine 30- jährige Autofahrerin kam nach Angaben der Polizei in einer Kurve ins Schleudern. Ihr Wagen stieß mit einem entgegenkommenden Auto einer 33-Jährigen zusammen. Die beiden Frauen sowie ein 47 Jahre alter Mann wurden leicht verletzt.

Vom Abend bis in die frühen Morgenstunden zählte die Polizei in Mönchengladbach acht Unfälle wegen glatter Straßen mit vier Verletzten. „Vor allem in den Abendstunden hat es nochmals angezogen. Es ist saumäßig rutschig”, sagte ein Polizeisprecher. Ein Lastwagenfahrer kam mit seinem Fahrzeug ins Rutschen, das Führerhaus landete im Straßengraben und der Anhänger behinderte den Verkehr. In Bochum gab es in der Nacht laut Polizei 15 Glatteisunfälle mit mehreren tausend Euro Schaden, aber ohne Verletzte.

Die Kälte- und Schneephase ist jedoch noch nicht überstanden. Bis zum Sonntag können örtlich bis zu 20 Zentimeter Neuschnee fallen. Der Frost soll mindestens bis Mitte der kommenden Woche andauern.

Mit dem heimischen Salzstreuer versuchen derzeit zahlreiche Zeitgenossen in Nordrhein-Westfalen, den häuslichen Gehweg eisfrei zu halten. Dies ergab eine dpa-Umfrage bei mehreren großen Lebensmittel-Handelsketten, die übereinstimmend von „verstärkter Nachfrage” nach der Küchen-Würze berichteten, nachdem das Streusalz vielerorts ausverkauft ist.

Mit immerhin 50.000 Tonnen des knapp gewordenen Streusalzes hat sich hingegen der Landesbetrieb straßen.nrw eingedeckt, der damit am Wochenende versucht, die Autobahnen zwischen Rhein und Weser befahrbar zu halten.

Wer unbedingt im Land mit dem Wagen unterwegs sein muss, dem rät NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) zu vollem Tank und wärmender Decke für den Fall des Steckenbleibens. Zumindest „theoretisch”, so tröstet der Minister am Freitag, kommen die Autobahn-Räumfahrzeuge alle zwei Stunden an derselben Stelle vorbei.

Weil Flugausfälle nicht ausgeschlossen werden, können Passagiere am Düsseldorfer Airport an diesem Wochenende kein Gepäck am Vorabend ihrer Reise einchecken. Dies gelte für alle Airlines, berichtete ein Flughafensprecher. „Darüber hinaus werden die Passagiere gebeten, sich in den kommenden Tagen vor der Anreise zum Airport bei ihrer Fluggesellschaft oder ihrem Reiseveranstalter über die aktuellen Flugdaten zu erkundigen.”

Vorsichtshalber stehen am Flughafen 16 Sattelzüge für den Abtransport der Schneemassen, bereit. Am kritischen Samstag erwarte der Düsseldorfer Flughafen 320 An- und Abflüge mit rund 30.000 Passagieren, sagte ein Sprecher.

Die Deutsche Bahn hat am Wochenende in NRW zusätzlich 100 Mitarbeiter in Bereitschaft versetzt, um vereiste Zugtüren, Weichen und Signale wieder in Gang zu setzen. „Außerdem stehen auf den Schienen Schnee-Räumfahrzeuge bereit, falls Züge in den Schneemassen steckenbleiben”, sagte ein Bahnsprecher.

Winterliche Lebenshilfe gibt eine große Rechtsschutz- Versicherung: Wer nur ein winziges Guckloch in die vereiste Windschutzscheibe seines Autos kratzt, riskiert 10 Euro Bußgeld. Wer damit grob fahrlässig einen Blechschaden „baut”, dessen Versicherung kann die Schadensregulierung verweigern.

Kopfschütteln und „Knöllchen” ernten Autofahrer , die - wie die Polizei etwa aus dem Kreis Mettmann berichtet - trotz der Winter- Witterung noch ungeniert mit Sommerreifen auf Tour sind. Im ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke meldet die Polizei eine eigene Form saisonal bedingter Kriminalität: Den gemeinen Schlittendiebstahl. Innerhalb einer Woche seien dort drei Schlitten als gestohlen gemeldet worden.

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