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Erzbistum Köln: Missbrauchsstudie soll auch Namen nennen

Erzbistum Köln : Missbrauchsstudie soll auch Namen nennen

Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bleibt für die katholische Kirche von fundamentaler Bedeutung. Der Kölner Kardinal Woelki hat 2019 externe Fachleute mit der Prüfung von Personalakten beauftragt. Die Ergebnisse werden jetzt veröffentlicht.

Eine von Kardinal Rainer Maria Woelki beauftragte Kanzlei aus München stellt am Donnerstag (12. März) eine Untersuchung zum Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln vor. Der Abschlussbericht der Kanzlei werde darlegen, „welche persönlichen, systemischen oder strukturellen Defizite in der Vergangenheit dafür verantwortlich waren, dass Vorfälle von sexuellem Missbrauch gegebenenfalls vertuscht oder nicht konsequent geahndet wurden“, hat das Erzbistum angekündigt.

Die Untersuchung sei unabhängig. Auch Woelki selbst und alle anderen Verantwortlichen im Erzbistum würden erst in der Pressekonferenz zeitgleich mit der Öffentlichkeit über die Ergebnisse informiert. Woelki hatte 2019 eine unabhängige Untersuchung von Personalakten in seinem Erzbistum in Auftrag gegeben. Geprüft werden sollte, ob die Vorgehensweise der Verantwortlichen „jeweils im Einklang mit den Vorgaben des kirchlichen und des staatlichen Rechts“ gestanden habe.

Eine vor eineinhalb Jahren von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vorgestellte Studie hatte ergeben, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben sollen. In Kirchenakten habe man Hinweise auf den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen bei 4,4 Prozent aller Kleriker gefunden, hieß es. Vermutlich sei die Zahl der Missbrauchsfälle aber noch viel höher.

Kritiker hatten an der Studie bemängelt, dass die Autoren keinen Zugang zu Originaldokumenten in den Kirchenarchiven bekommen hatten. Dies ist bei der von Woelki in Auftrag gegebenen Studie anders. Zudem soll die Münchner Kanzlei Verantwortliche namentlich benennen. Strafrechtlich relevante Fälle sollen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden.

Woelki hat die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche als „beschämend“ bezeichnet. Er wolle jetzt wissen, „was in unserem Erzbistum falsch gehandhabt wurde“, hatte er gesagt. Zum einen gehe es um Aufarbeitung der Vergangenheit, zum anderen um Prävention in der Zukunft. „Nur, wenn wir ehrlich und aufrichtig sind, wird uns wieder Vertrauen geschenkt werden“, betonte Woelki 2018. Viele Gläubige hätten ihm in Gesprächen deutlich gemacht: „Es muss etwas passieren, so kann es nicht weitergehen.“

Schwerer tut sich Woelki allerdings in der Auseinandersetzung mit den strukturellen Ursachen des Missbrauchs in der Kirche. Die ausgeprägte klerikale Macht, die Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit (Zölibat), ein innerkirchlich „problematischer Umgang“ mit Sexualität und vor allem mit Homosexualität - das alles sind aus Sicht der Autoren der DBK-Studie entscheidende Gründe dafür, dass die Kirche so anfällig für Missbrauch ist. Die Deutsche Bischofskonferenz hat darauf reagiert, indem sie zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einen Reformprozess initiiert hat. Dieser Synodale Weg soll die kirchlichen Strukturen, die den Missbrauch begünstigt haben, verändern. Woelki gilt jedoch als einflussreichster Kritiker des Synodalen Wegs und entschlossener Gegner der angestrebten Veränderungen.

(dpa)