Aachen/Herzogenrath/Würselen: Minderjährige zur Prostitution gezwungen? Haft in Loverboy-Prozess gefordert

Aachen/Herzogenrath/Würselen : Minderjährige zur Prostitution gezwungen? Haft in Loverboy-Prozess gefordert

Seit Freitag müssen sich zwei Männer vor dem Aachener Landgericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, junge Frauen in die Prostitution gezwungen oder Beihilfe dazu geleistet zu haben. Die Angeklagten aus Herzogenrath und Würselen hatten nach Recherchen unserer Zeitung zeitweise Kontakte zur rechtsextremen Szene, in Rocker- und Türsteherkreise und zu Aachener Hooligans.

Beide sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Haupttäter Jens B. (27) soll laut Anklageschrift seit 2011 Frauen, denen er Liebesbeziehungen vortäuschte, in die Prostitution gedrängt haben. Ähnlich wie bei der sogenannten Loverboy-Methode habe er die Opfer emotional abhängig gemacht. Später sei er dann gewalttätig geworden und habe die Frauen bedroht. Ein Opfer soll er laut Anklage zudem vergewaltigt haben.

Auf sein Geheiß hin haben die Frauen in Clubs in Düren und Köln und in einer Wohnung in Kohlscheid als Prostituierte arbeiten müssen, so die Anklage. Die Hälfte ihrer Einnahmen mussten sie an B. abgeben und darüber hinaus auch Benzin- und Wohngeld zahlen.

Verfahren unterbrochen

Das jüngste Opfer von Jens B. sei erst 17 Jahre alt gewesen. Der Angeklagte habe dem Rotlicht-Club bei der Vermittlung der minderjährigen Prostituierten den Ausweis einer Bekannten vorlegt, heißt es. Frauen, die sich lösen wollten, habe B. laut Staatsanwaltschaft angedroht, sie bei ihren Familien und neuen Freunden in Verruf zu bringen und erpresste sie mit Nacktfotos. Weiterhin soll er ihnen angedroht haben, dass sie durch seine Beziehungen in die Türsteherszene nie wieder Zutritt in Discos oder Clubs in der Region erhalten.

Nachdem in anderer Sache 2015 ein Haftbefehl gegen B. vorlag, tauchte dieser unter. Der Mitangeklagte Kevin P. (31) soll in dieser Zeit laut Anklage die Geschäfte aufrecht erhalten haben. Die Einnahmen seien jedoch weiter an B. geflossen. Kevin P. wird daher in einigen Anklagepunkten lediglich Beihilfe vorgeworfen. Laut Anklageschrift sind diesbezüglich noch gesonderte Verfahren gegen weitere Personen anhängig, die sich nach Recherchen dieser Zeitung ebenfalls in Hooligan-, Rocker- und Türsteherkreisen bewegt haben.

Den beiden Angeklagten wird in unterschiedlicher Tatbeteiligung unter anderem Menschenhandel und Zwangsprostitution, Körperverletzung, räuberische Erpressung, Vergewaltigung, Bedrohung sowie unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen. Dem Hauptangeklagten B. droht möglicherweise eine Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Nach der Anklageverlesung vor der 1. Großen Strafkammer wurde das Verfahren am Freitag unterbrochen. Begleitet wurde der Prozessauftakt von rund 40 Personen aus dem Freundeskreis der Angeklagten, darunter auch aus der Hooligan- und Türsteherszene. Oberstaatsanwältin Jutta Breuer regte daher an, die Frauen unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeugen zu hören. Diese Publikumskulisse sei nicht zumutbar.

Fortgesetzt wird der Prozess am 4. April.