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Überlastete Verwaltungen: Millionen an Fluthilfe gezahlt – Land sucht Berater für Kommunen

Überlastete Verwaltungen : Millionen an Fluthilfe gezahlt – Land sucht Berater für Kommunen

Viele Menschen haben in der Flutkatastrophe ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Von der Kleidung bis zu Möbeln müssen sie alles neu beschaffen. Das Land sucht Helfer für die überlasteten Verwaltungen in den Hochwasser-Kommunen.

Knapp vier Monate nach der Flutkatastrophe vom Juli sind in Nordrhein-Westfalen rund 102,4 Millionen Euro Soforthilfe an Privathaushalte ausgezahlt worden. Mit der Summe wurden knapp 46.670 Anträge beglichen, wie aus einem Bericht des Bau- und Kommunalministeriums für den Landtag hervorgeht. Außerdem habe die Landesregierung bisher rund 35,7 Millionen Euro Soforthilfe für betroffene Unternehmen sowie Land- und Forstwirtschaftsbetriebe an die Kommunen überwiesen. In diesem Bereich seien mehr als 7100 Anträge gestellt worden.

Die höchsten Summen mit fast 12 Millionen Euro flossen an Privathaushalte in der besonders stark vom Hochwasser betroffenen Stadt Euskirchen. Dort wurden auch die meisten Anträge gestellt (gut 5540). Fast 6,6 Millionen Euro gingen nach Rheinbach im Rhein-Sieg-Kreis und mehr als 5,6 Millionen nach Erftstadt.

Nach der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli hatten Land und Bund insgesamt 300 Millionen Euro für Soforthilfen an geschädigte Privatleute, Unternehmen und Kommunen zur Verfügung gestellt. An die Kommunen seien davon bisher 65 Millionen Euro ausgezahlt worden.

Die Soforthilfen sollen eine erste finanzielle Überbrückung ermöglichen, um vorübergehende akute Notlagen bei der Unterkunft oder bei der Beschaffung von Hausrat finanziell zu bewältigen. Davon zu unterscheiden ist der langfristig angelegte Wiederaufbaufonds des Bundes und der Länder mit einem Volumen von 30 Milliarden Euro. Hier seien seit Mitte September in NRW für Haushalte und Wohnungswirtschaft rund 8200 Anträge gestellt worden. Davon wurden rund 2000 bewilligt.

Kommunen werden laut Bericht bei der Beratung der Betroffenen weiter unterstützt. Die rheinischen Sparkassen hätten dazu rund 100 Personen bereitgestellt. Hinzu kämen Kräfte aus nicht vom Hochwasser betroffenen Kommunen und der Landesverwaltung. 40 Berater seien aus dem Geschäftsbereich der NRW-Justiz vermittelt worden. Beschäftigte aus weiteren Ressorts hätten Hilfe angeboten. Auf Bitte der Landesregierung habe auch der Bund angeboten, Beschäftigte für Beratung vor Ort und auch für sonstige Verwaltungsaufgaben abzuordnen.

Der neue NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte erklärt, den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe beschleunigen zu wollen. Daher würden 284 zusätzliche Kräfte in den Geschäftsbereichen der Ministerien für Inneres, Kommunales und Verkehr geschaffen. In den vergangenen Wochen hatte es vermehrt Kritik an Bürokratie bei den Förderanträgen gegeben.

Das Bauministerium sucht inzwischen auch Senior-Experten und -Expertinnen für Städtebau und Stadtplanung, die im Ruhestand oder kurz davor sind. Sie sollen für einen begrenzten Zeitraum in den Hochwasser-Kommunen eingesetzt werden. Wer helfen wolle, könne sich in eine Senior-Experten-Liste eintragen. Betroffene Kommunen können die Liste einsehen und bei Interesse Kontakt aufnehmen.

Unwetter mit ungewöhnlich starken Regenfällen hatten Mitte Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine Hochwasserkatastrophe ausgelöst. Ganze Landstriche wurden von den Wassermassen verwüstet. Nach ersten Schätzungen entstanden allein in NRW Schäden in Höhe von etwa 13 Milliarden Euro, 49 Menschen starben.

(dpa)