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Düren: Mildes Urteil für den „falschen Arzt von Düren“

Düren : Mildes Urteil für den „falschen Arzt von Düren“

Der als „falscher Arzt von Düren“ bekannt gewordene Mann ist am Dienstag vom Amtsgericht Düren zu einer Strafe von 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 41 Jahre alte Mann hatte fast sechs Jahre lang am Krankenhaus Düren als Chirurg gearbeitet, ohne über eine abgeschlossenes Medizinstudium zu verfügen.

Seine ärztliche Zulassungsurkunde hatte er sich 2006 mit gefälschten Urkunden erschlichen, auch seine Facharzturkunde hatte er 2014 gefälscht.

Die Vertreterin der Aachener Staatsanwaltschaft, Katja Schlenkermann-Pitts, hatte 336 Fälle von Körperverletzung und einen Fall von Urkundenfälschung angeklagt, alle anderen Körperverletzungen und Urkundenfälschungen waren verjährt. Als Körperverletzung werteten Staatsanwaltschaft und letztlich auch das Gericht alle Operationen, an denen der Mann zwischen November 2010 und August 2015 teilgenommen hatte.

In ihrem Plädoyer hielt Schlenkermann-Pitts dem Mann sein „sofortiges umfassendes Geständnis“ zu Gute, ebenso „familiäre und gesellschaftliche Zwänge“, die für ihn andere seien „als für Menschen aus dem deutschen Kulturkreis“. Er besitzt zwar die deutsche Staatsbürgerschaft, seine Familie aber kommt zum überwiegenden Teil aus Afghanistan, geboren wurde er in Kabul.

Der Mann hatte in seiner für das Publikum im Gerichtssaal kaum zu verstehenden Aussage erklärt, sein Onkel und sein Vater seien erfolgreiche Ärzte gewesen, es sei von ihm erwartet worden, „in ihre Fußstapfen zu treten“.

„Ein geläuterter Mensch“

Schlenkermann-Pitts stellte heraus, dass seine Vorgesetzte ihn stets unterstützt hätten, Beschwerden über seine Arbeit habe es nicht gegeben. Und heute sei er „ein geläuterter Mensch“. Als kriminell bewertete die Staatsanwältin allein das Fälschen von Urkunden, die Operationen seien lediglich „formal verboten“ gewesen, da er die medizinische Ausbildung im Wesentlichen ja absolviert habe.

Auch die Vorsitzende Richterin Verena Neft stellte in ihrer kaum sieben Minuten dauernden Urteilsbegründung fest, dass der Mann seine medizinische Ausbildung „nahezu abgeschlossen“ habe — dabei hat er keines der drei medizinischen Staatsexamen absolviert. Im Gegensatz zur Staatsanwältin wollte Richterin Neft familiäre Zwänge nicht als Entschuldigung gelten lassen, folgte aber trotzdem dem Antrag der Staatsanwaltschaft: ein Jahr und zehn Monate Haft auf Bewährung.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren sich derart einig, dass beide noch im Gerichtssaal darauf verzichteten, Berufung einzulegen. Das Urteil ist damit rechtskräftig.