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Düsseldorf: Michael Groschek: Der Mann, der diese Woche überzeugen muss

Düsseldorf : Michael Groschek: Der Mann, der diese Woche überzeugen muss

Diese Woche wird hart für Michael Groschek. Bis zum SPD-Parteitag am Sonntag muss der nordrhein-westfälische SPD-Chef seine Genossen von den Berliner Sondierungsergebnissen überzeugen. Denn ohne die Unterstützung des größten Landesverbands dürfte es für Martin Schulz am Sonntag in Bonn extrem schwierig werden.

Groschek wurde bis vor ein paar Tagen selbst zu den prominentesten Groko-Skeptikern gerechnet. Nach dem Abschluss der Sondierungen schwenkte er aber auf die Linie der Parteispitze ein und sprach sich klar für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU aus. „Besser gut regieren, als nicht regieren”, lautet die von ihm ausgegebene Parole in Anlehnung an das Christian-Lindner-Zitat „besser nicht regieren, als falsch regieren”. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass der Rest der NRW-SPD das genauso sieht.

Groschek, den in der Partei alle nur Mike nennen, musste das am Samstag selbst bei Beratungen in Duisburg feststellen. Dort trafen sich die Vorstände der Landespartei und der Landtagsfraktion mit den Unterbezirkschefs. „Das war eine sehr, sehr lebendige Diskussion”, berichtete er anschließend der Deutschen Presse-Agentur. „Nicht aggressiv und vorwurfsvoll, aber sehr lebendig, und es zeigt, dass noch ne Menge Arbeit zu leisten ist, um die sogenannte Basis zu überzeugen.” Dabei muss er gleich auf zwei Ebenen überzeugen: Einmal geht es um Sachargumente. Und dann um das Bauchgefühl.

Angst vor dem „Todesstoß“

Juso-Landeschef Freddy Cordes ist gleich aus beiden Gründen gegen Groko-Verhandlungen. Zum einen vermisst er wichtige SPD-Themen wie die Bürgerversicherung. „Hinzu kommt natürlich auch die Angst vor einem Todesstoß in einer dritten großen Koalition”, räumt er in einem WDR-Interview ein.

NRW steht im Fokus - weshalb SPD-Chef Schulz zu Beginn der Woche gleich zweimal kommt. Am Montagabend will er bei einer Vorbesprechung in Dortmund zunächst die westfälischen Delegierten überzeugen, am Dienstag dann in Düsseldorf die Rheinländer. Nordrhein-Westfalen stellt beim Bundesparteitag in Bonn mit 144 Entsandten etwa ein Viertel der Entscheider.

Es wird bei der Überzeugungsarbeit aber auch wesentlich auf Groschek ankommen, der die SPD in ihrem Kernland kennt wie kaum ein anderer. Er ist ein SPD-Urgestein - irgendwie schon rein äußerlich mit seinem Schnäuzer und Knittergesicht. Groschek ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, in Oberhausen, das damals so rot war wie ein bayerisches Bergbauerndorf schwarz.

Begeistert von Willy Brandt, wollte der Konditorsohn schon mit 15 in die SPD eintreten, musste sich aber noch ein Jahr gedulden. Als Schülersprecher legte er sich mit dem örtlichen SPD-Platzhirsch Heinz Schleußer an. Der spätere NRW-Finanzminister erkannte bei dieser Gelegenheit aber sein Talent und förderte ihn.

Langsam, aber stetig stieg der einstige Zeitsoldat und Immobilienkaufmann in den SPD-Rängen auf: Geschäftsführer der Oberhausener SPD-Ratsfraktion, Generalsekretär der NRW-SPD, Bauminister im Kabinett von Hannelore Kraft und schließlich nach deren Rücktritt NRW-Parteichef.

Nun steht Groschek vor einer seiner größten Herausforderungen: Er muss seinen skeptischen Landesverband einfangen und auf Linie bringen. Wie schwierig das wird, ist ihm bewusst: „Das wird eine große Aufgabe, bis zum Parteitag die Delegierten davon zu überzeugen, dass man zu diesem Ergebnis Ja sagen kann.” In einer Woche wird man wissen, wie erfolgreich er gewesen ist.

(dpa)