1. Region

Gewerkschaft und Arbeitgeber: Metall-Tarifpartner gegen Corona-Lockdown in der Industrie

Gewerkschaft und Arbeitgeber : Metall-Tarifpartner gegen Corona-Lockdown in der Industrie

Bei allen Differenzen, in einem sind sich Gewerkschaft und Arbeitgeber der NRW-Metallindustrie einig: Einen erneuten Lockdown der Betriebe dürfe es nicht geben. Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart warnt ebenfalls.

Die Metall-Tarifpartner haben vor einem Herunterfahren der Industriebetriebe zum Schutz vor Corona-Infektionen gewarnt. Die Fabriken seien keine Coronavirus-Hotspots, sagte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, am Montag. Das hätten Rückmeldungen aus den Betrieben an die Gewerkschaft gezeigt.

Als Beispiel verwies Giesler auf den Autobauer Ford in Köln. Seit Anfang November liege dort die sogenannte 7-Tage-Inzidenz mit Ausnahme einer Woche im einstelligen Bereich. „Das zeigt für uns, dass in den Betrieben der Hygiene- und Gesundheitsschutz sehr hoch gehalten wird“, betonte Giesler.

Ein erneuter Lockdown für die Betriebe hätte schwerwiegende Folgen, warnte auch der Präsident von Metall NRW, Arndt G. Kirchhoff. Nach dem ersten Produktionsstopp im Frühjahr sei das Wiederhochfahren der Betriebe sehr schwierig gewesen. Das brauche viel Zeit. „Unser Land muss dringend aufpassen, dass es seine Wirtschaft nicht komplett abwürgt“, warnte Kirchhoff, der auch Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände ist. Zusätzliche Schließungen würden die wirtschaftlichen und sozialen Schäden weiter erhöhen.

Auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) lehnte einen erneuten Lockdown in der Industrie entschieden ab. Das wäre „in der jetzigen Situation der völlig falsche Weg„, betonte Pinkwart. Schließungen würden erneut die überlebenswichtigen Lieferketten und eine unabsehbare Zahl von Arbeitsplätzen gefährden. Zudem wäre ein Shutdown „mit Blick auf die Infektionslage nicht sachgerecht“.

Giesler und Kirchhoff äußerten sich vor Beginn der zweiten Runde der Tarifverhandlungen für die rund 700.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in NRW in einer Video-Pressekonferenz. Home-Office-Regelungen werden in den Verhandlungen kein Thema sein. Das sei im Moment nicht das drängende Problem, sagte Giesler. Kirchhoff sagte, eine starre gesetzliche Verpflichtung zum Homeoffice wäre „verfehlt“.

Pinkwart hält gesetzliche Regelungen zum Homeoffice für unnötig. „Die mobile Arbeit hat auch ohne gesetzliche Regelung längst Einzug gehalten“, sagte er. Aktuell könnten rund 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landes mobil arbeiten, „das ist rund die Hälfte der Beschäftigten - auch ohne neue Bürokratie“. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte sich für „verbindliche Regeln“ fürs Homeoffice ausgesprochen.

In der zweiten Runde der Tarifverhandlungen sollte es um die Forderung der Gewerkschaft nach Zukunftstarifverträgen gehen. Die IG Metall will beim Umbau der Betriebe unter den Bedingungen der Digitalisierung stärker mitreden. Giesler betonte, es gehe dabei nicht um einheitliche Regelungen. „Wir können kein Paket schnüren, das für alle Betriebe passt.“

Die Arbeitgeber wollen nach Kirchhoffs Worten nichts unterschreiben, „was in die unternehmerische Entscheidungsfreiheit eingreift“. Über die Forderung der Gewerkschaft nach einer Entgelterhöhung im Volumen von 4 Prozent soll in einer späteren Runde verhandelt werden.

(dpa)