Mehrere NRW-Städte verzeichnen Anstieg von Fahrradunfällen

Schattenseite des schönen Sommers : Mehrere NRW-Städte verzeichnen Anstieg von Fahrradunfällen

In einer ganzen Reihe von nordrhein-westfälischen Großstädten sind 2018 mehr Radfahrer verunglückt. So nahm die Zahl der Radlerunfälle in Essen um fast ein Drittel zu.

Polizeisprecher Christoph Wickhorst führt die Entwicklung auf den schönen Sommer und die allgemein gestiegene Zahl von Radlern zurück. Für die Essener Polizei werde die Sicherheit von Radfahrern ein Schwerpunkt in diesem Jahr sein, kündigte Wickhorst an. Genauere Zahlen nannte er nicht.

Auch in Düsseldorf stieg die Zahl der Unfälle an - auf 847 bis einschließlich November 2018. Im gesamten Vorjahr 2017 waren es 806. 2016 lag die Unfallzahl in der Landeshauptstadt allerdings noch höher: bei 890. Eine Polizeisprecherin nannte als Grund für die Zunahme im vergangenen Jahr ebenfalls das gute Wetter im Sommer: Da seien besonders viele Bürger aufs Rad umgestiegen.

Allein in Köln wurden 2018 acht Radfahrer getötet, zwei weitere in der Nachbarstadt Leverkusen. „Damit sind wir leider im zweistelligen Bereich“, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei, die auch für Leverkusen zuständig ist. In Dortmund sei die Zahl der Radfahrunfälle von Januar bis November auf den höchsten Wert seit 2010 angestiegen, erklärte eine Polizeisprecherin. Gegenüber 2017 habe sich eine „Steigerung im niedrigen zweistelligen Bereich“ ergeben. Ebenso verzeichnete die Polizei in Münster und Bielefeld einen Anstieg der Unfälle.

Das NRW-Innenministerium konnte noch keine Gesamtzahlen für 2018 nennen. In den ersten drei Quartalen seien insgesamt 14.807 Verkehrsunfälle registriert worden, an denen Radler beteiligt gewesen seien. 62 Radfahrer kamen demnach ums Leben, vier mehr als im Vorjahreszeitraum. 2017 starben insgesamt 71 Radler, darunter 21 Pedelec-Fahrer. Zum Anteil der Pedelec-Fahrer an den Unfällen 2018 konnte eine Sprecherin keine Auskunft geben.

In mehreren Fällen kamen Radler bei Zusammenstößen mit Lastwagen ums Leben. Erschütterung löste etwa im Mai ein Unfall in Köln aus, bei dem ein Siebenjähriger von einem rechts abbiegenden Müllwagen überrollt und getötet wurde. Als Konsequenz sollen die knapp 200 Müllwagen der Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) mit Kamerasystemen ausgestattet werden, die dem Fahrer einen Rundumblick verschaffen und helfen sollen, Unfälle durch den gefährlichen toten Winkel zu vermeiden. Die Umrüstung der Flotte soll einem AWB-Sprecher zufolge bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

In Aachen sorgte vor allem der Hansemannplatz für Unmut. Dort war im April 2017 eine junge Frau von einem Bus überrollt und tödlich verletzt worden. 2018 passierte an der gefährlichen Kreuzung nicht viel, lediglich der rot gefärbte Radweg wurde um elf Meter weiter in die Kreuzung hinein verlängert. Die Stadtverwaltung kündigte an, dass sich die Unfallkomission bei einem Treffen am 9. Januar daher einzig und allein mit dem Hansemannplatz beschäftigen werde.

Nach Angaben des Fahrradclubs ADFC unterschätzen viele Pedelec-Fahrer die Geschwindigkeit, die ihr Rad durch die elektrische Unterstützung erreiche. Häufig handele es sich bei den Nutzern um Senioren, die eher ungeübt im Radfahren seien, sagte die stellvertretende Landesgeschäftsführerin des ADFC, Isabelle Klarenaar. Ein großes Problem für die Sicherheit der Radfahrer sei eine mangelhafte Infrastruktur mit maroden oder zu schmalen Radstreifen. „Es ist einfach zu wenig Platz für alle da.“

(dpa/red)
Mehr von Aachener Zeitung