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Düsseldorf: Mehr Erwerbslose im Juli: Unterschied zwischen Kommunen groß

Düsseldorf : Mehr Erwerbslose im Juli: Unterschied zwischen Kommunen groß

Im Juli sind die Arbeitslosenzahlen in NRW leicht gestiegen. Im Schnitt waren 7,8 Prozent aller Erwerbsfähigen ohne Arbeit. Dabei täuscht die Quote darüber hinweg, wie disparat die Arbeitslosen-Entwicklungen in einzelnen NRW-Kommunen verläuft.

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen ist vorerst beendet. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Juli um 15.000 auf 730.000. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 7,6 auf 7,8 Prozent, wie die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag bekannt gab. Als Grund verwies die Regionaldirektion auf junge Erwachsene, die sich nach Ausbildungsende vorübergehend arbeitslos meldeten.

Doch die Durchschnittsquote überdeckt, wie extrem unterschiedlich die Arbeitslosenzahlen einzelner NRW-Regionen sind: Mit 14,9 Prozent und damit rund 18.800 Erwerbslosen ist die Stadt Gelsenkirchen im Juli nicht nur das Schlusslicht in NRW, sondern in ganz Deutschland, erklärte ein Sprecher der Arbeitsagentur. Besserung sei nicht in Sicht. 13 Zechen hatte die ehemalige Bergarbeiterstadt im Ruhrgebiets einst. Mit der schrittweisen Schließung fielen rund 60.000 Arbeitsplätze weg.

Davon hat sich die Stadt bis heute nicht ganz erholt. Immer noch belastet die hohe Langzeitarbeitslosigkeit die Kommunalfinanzen. Viele Wohnungen stehen leer. Tausende Zuwanderer aus Ost-Europa - oft gering qualifiziert und ohne Sprachkenntnisse - brachten neue Lasten für den Haushalt. Die Stadt fordert seit langem einen geförderten zweiten Arbeitsmarkt, um Langzeitarbeitslose wieder arbeitsfähig zu machen. „Wir brauchen Hilfe aus Berlin und Düsseldorf”, sagt der Stadtsprecher.

Besser sieht es im Kreis Coesfeld im Münsterland aus. Mit 3700 Erwerbslosen, also 3,1 Prozent, hat die Kommune im Juli die geringste Arbeitslosenquote in ganz NRW. Zahlen wie aus Baden-Württemberg, schwärmen Experten. Dabei hat der Kreis auch schlechte Zeiten hinter sich: Die Textilindustrie war stark ausgeprägt, bis die Hersteller in den 1970er ihre Produktionsstätten ins Ausland verlagerten.

Heute steht der Kreis dank Branchenvielfalt gut da. Es gibt kaum große Arbeitgeber, dafür viele mittelständige und Inhaber-geführte Unternehmen. So stehen bei Firmen- oder Branchenkrisen weniger Jobs auf dem Spiel. Zu den bekannten größeren Arbeitgebern zählt etwa der Einzelhändler Ernstings Family. Zudem liegt der Kreis im Speckgürtel der Uni-Stadt Münster, wo viele Pendler in Behörden arbeiteten. Fürchten müsse sich der Kreis im Moment nur vor größeren globalen Wirtschaftskrisen und dem Fachkräftemangel, sagt ein Kreis-Sprecher.

(dpa)