Aachen: Mehr als vier Jahre Haft für Gehilfen der „Audi-Bande“

Aachen : Mehr als vier Jahre Haft für Gehilfen der „Audi-Bande“

Die Anwälte von Mohamed A. (25) wussten am Mittwoch nicht so recht, wie sie das Urteil der 4. Großen Strafkammer am Aachen Landgericht bewerten sollten: Revision oder nicht, lautete die Frage, die sie nicht beantworten wollten — oder konnten.

Denn die Verurteilung A.s zu vier Jahren und drei Monaten Haft wegen besonders schweren Diebstahls und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in zwei Fällen war schon eine Hausnummer — für einen angeblichen Gehilfen der Bande, die nachts Geldautomaten in die Luft jagt.

Doch der Vorsitzende Richter Norbert Gatzke sagte: „Die Kammer ist davon überzeugt, dass er in beiden Fällen zumindest als Gehilfe beteiligt war.“ In dem „zumindest“ schwang mit, dass er vielleicht doch nicht nur geholfen hatte. Der 25-Jährige hatte eine direkte Tatbeteiligung bestritten, und es war ihm auch laut Richter nicht mehr nachzuweisen. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert.

Bis zu 200 hochkriminelle Personen in Utrecht und Amsterdam gehörten zu der niederländischen „Audi-Bande“, die vor allem in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Hessen und Niedersachsen aktiv sei, gab der Richter die Informationen eines Polizeibeamten in seiner Urteilsbegründung wieder.

Im konkreten Fall ging es um die nächtlichen Raubzüge im Juni 2015 in Alsdorf-Busch und im November im hessischen Flörsheim, wo Mohamed A. in unmittelbarer Nähe des Fluchtfahrzeugs festgenommen worden war. In beiden Fällen waren erhebliche Summen erbeutet worden — rund 100.000 Euro hatten die drei bis vier Täter bei dem Überfall auf den Geldautomaten in Alsdorf-Busch am 12. Juni 2015 um vier Uhr nachts mitgenommen.

Bei der Taunus-Bank im Main-Örtchen nahe Rüsselsheim hatten sich die Räuber bereits auf 122.000 Euro gesteigert, die Sprengschäden an den Einrichtungen beliefen sich zusätzlich auf jeweils rund 50.000 Euro.

Es sei eindeutig der Fluchtwagen gewesen, den die Täter auf einem Tankstellengelände in Flörsheim „zwischengeparkt“ hatten und neben dem man A. gegen 5.30 Uhr in der Frühe erwischt hatte, stellte die Kammer am Mittwoch fest. In diesem Audi A5-Coupé fand man Banknoten und Teile des zerstörten Flörsheimer Automaten sowie die Geldkassetten.

Parallel dazu waren Ermittler im niederländischen Südlimburg auf einen silbergrauen BMW der PS-starken RS-Reihe gestoßen, in dessen Kofferraum sie Geldkassetten aus Alsdorf fanden, darauf eindeutige DNA-Spuren des Angeklagten. In den umliegenden Garagen stellte man außerdem eine umfangreiche Zahl von Tatwerkzeugen sicher, darunter Gasflaschen, wie sie zum Automatensprengen gebraucht werden.

Hierzu hatte der Anklagte über seinen Frankfurter Verteidiger verlauten lassen, ja, er habe den BMW gestohlen, aber dann an „gefährliche Männer“ aus Utrecht weiterverkauft. Bei der Behebung eines Elektronikfehlers, der reklamiert wurde, habe er die Geldkassetten anfassen müssen und so DNA-Spuren hinterlassen.

Das war nicht zu widerlegen. Die Richter mussten in ihrem Urteil der hochprofessionellen und üblicherweise kaum verwertbare Spuren hinterlassenden Vorgehensweise der Tätergruppe Tribut zollen. Eine Verurteilung als Bandenmitglied war nach der dünnen Beweislage einfach nicht drin, Mohamed A. wurde „nur“ als Gehilfe der Bande verurteilt.

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