Würselen: Medizinisches Zentrum: Minimalkonsens wird zügig umgesetzt

Würselen: Medizinisches Zentrum: Minimalkonsens wird zügig umgesetzt

Zuletzt hatte es reichlich Ärger zwischen den Gesellschaftern des Medizinischen Zentrums Würselen (MZ) gegeben. In aller Öffentlichkeit hatte die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft Bahn-See die Städteregion Aachen kritisiert.

Der Städteregionstag hatte im Zusammenhang mit dem Masterplan II „weitreichende Beschlüsse“ gefasst, durch den der Mitgesellschafter den Standort Bardenberg bedroht sieht. Der Betriebsteil Bardenberg ist schließlich das „alte“ Knappschaftskrankenhaus. Die Verlegung auch der Urologie und der Lungenheilkunde nach Marienhöhe würde praktisch das Aus bedeuten. Auch die da noch in Rede stehende Schließung der Geburtshilfe traf auf Kritik.

10,5 Millionen Euro investieren

Nun haben sich Knappschaft und Städteregion offenbar wieder zusammengerauft — zumindest wurde ein Einigung über die nächsten Investitionsschritte erzielt. Die von Städteregionsrat Helmut Etschenberg nach dem Knall angekündigten Klärungsgespräche scheinen zur Rückkehr auf die Sachebene geführt zu haben.

Wie das MZ mitteilt, wurde Geschäftsführer René A. Bostelaar vom Aufsichtsrat mit der Planung und dem Bau eines etwa zehn Millionen Euro teuren OP-Trakts beauftragt. Zudem soll eine halbe Million Euro in zwei neue Kreißsäle und eine moderne Entbindungsstation am Standort Marienhöhe investiert werden. Mit dieser Entscheidung knüpft das MZ an die bereits erfolgten Investitionen in Höhe von 35 Millionen Euro an, die im Rahmen des Masterplans 2018 in den letzten drei Jahren umgesetzt worden sind.

Umsetzung noch 2016

Der neue OP-Trakt, der unmittelbar neben dem Haupteingang errichtet werden soll, wird in seinem Komplettausbau acht hochmoderne OP-Säle umfassen, heißt es weiter. Geplant ist, dies in mehreren Bauabschnitten bei laufendem Betrieb zu bauen. „Damit fördern wir die positive Entwicklung der operativen Fächer am MZ“, lässt sich Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Georg Greve, Knappschaft Bahn-See, zitieren. „Mit der großen Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie und regionalem Traumazentrum sowie der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasive Chirurgie und Gefäß- und Thoraxchirurgie verfolgen wir konsequent unsere Marktposition als Schwerpunktkrankenhaus und Maximalversorger für die Region“, bringt sich Geschäftsführer Bostelaar ein.

„Mit dieser Maßnahme wird für das Medizinische Zentrum ein wesentlicher Mehrwert geschaffen, der der Bevölkerung der Städteregion zugutekommt“, wird Städteregionsrat Helmut Etschenberg in der Mitteilung zitiert. Mit rund 26.000 stationären und 36.000 ambulanten Patienten pro Jahr und 753 Betten sei das MZ das größte und leistungsfähigste Krankenhaus in der Städteregion Aachen.

Mit der Entscheidung des Aufsichtsrats, eine halbe Million Euro für die Errichtung zwei neuer Kreißsäle und einer ansprechenden Entbindungsabteilung im Haus Hildegard zu investieren, unterstreiche das MZ den Beschluss des Städteregionstages, die Geburtshilfe neben der Gynäkologie in Würselen weiterhin anzubieten. Das Projekt soll möglichst noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

Und weiter? Offiziell nichts weiter! Wie aber aus stets gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, stellt das jetzt vom MZ-Aufsichtsrat beschlossene Maßnahmenpaket nur den Minimalkonsens beider Gesellschafter dar. Die Knappschaft sperre sich weiterhin gegen die Schließung des Krankenhausstandortes Bardenberg. Die Verlegung auch der Lungenheilkunde und der Urologie nach Marienhöhe bleibe umstritten. In der Aufsichtsratssitzung sei nur noch ergänzend beschlossen worden, die Planung für den Bau einer gemeinsamen Pflegeschule (für Alten-, Kinder- und allgemeine Krankenpflege) am Standort Bardenberg weiter zu betreiben, heißt es aus Insiderkreisen. Der Bau einer Notfallpraxis für die Kassenärztliche Vereinigung am Standort Marienhöhe sei offen geblieben.

Eine direkte Förderung für den Erhalt der Geburtshilfe werde es seitens der Bezirksregierung Köln wohl nicht geben. Die hatte diese Geburtshilfe für ein Krankenhaus der „Maximalversorgung“ wie das MZ als unverzichtbar eingestuft. Und ob es Fördergelder für die Reduzierung der Bettenzahl gibt, stehe in den Sternen. Das entsprechende Förderprogramm sei deutlich überzeichnet.