Aachen: Medienwelt als faszinierender Mikrokosmos

Aachen: Medienwelt als faszinierender Mikrokosmos

Manchem Premierengast wird es mit den ersten Blicken ins völlig neu gestaltete Haus an der Aachener Pontstraße nicht anders ergangen sein als Millionen Medienkonsumenten unserer Tage: Man glaubt es erst, wenn mans mit eigenen Augen gesehen hat.

Am Freitag schlug die große Stunde zur Eröffnung des neuen Internationalen Zeitungsmuseums (IZM) der Stadt Aachen. Und nach dem Festakt mit reichlich Prominenz in der benachbarten Aula Carolina konnten die Besucher sich auf Schritt und Tritt überzeugen: Die Metamorphose vom - in der Tat - musealen Mauerblümchen zur Hightech-Präsentation des 21. Jahrhunderts ist glänzend gelungen. Die zweite Station des kulturhistorischen Großprojekts „Route Charlemagne” dürfte nicht nur am kommenden Wochenende die Massen begeistern.

Und nicht nur NRW-Medienministerin Angelica Schwall-Düren zeigte sich anlässlich der Eröffnung am Freitagabend beeindruckt vom Ergebnis der 3,4-Millionen-Investition, die das Land mit 2,7 Millionen Euro maßgeblich gefördert hat: „Das Museum zeigt eindrucksvoll, wie Medien unsere Kommunikation und Meinung prägen und beeinflussen.” Gerettet hat das IZM vor allem die Vorsitzende des Fördervereins, Meike Thüllen. Das betonte Bernd Mathieu, Chefredakteur dieser Zeitung und Moderator des Abends, vor 550 geladenen Gästen: „Dieser Festtag wäre ohne ihre Hartnäckigkeit nicht möglich gewesen.”

1993 stand das Haus sogar vor der Schließung. Und jetzt glänzt es laut Oberbürgermeister Marcel Philipp „durch eine Präsentation, mit der wir international im Mittelpunkt des Interesses stehen”. So gelingt der Brückenschlag zwischen 200 000 archivierten Zeitungen und einer hochmodernen audiovisuellen Medienpräsentation. Die Medienministerin stellte beim Festakt aber auch die Frage, wie die Qualitätspresse ihrer Verantwortung künftig gerecht werden kann. Dabei machte sie unmissverständlich klar: „Gerade die lokale Berichterstattung ist unverzichtbar.” Die herausragende Stellung des Journalismus und seine Rolle in der Demokratie thematisierte Professor Emanuel Richter, Politikprofessor an der RWTH Aachen.

Die einzigartige Entdeckungstour rund um Entstehung, Entwicklung und Perspektiven der Berichterstattung besticht vor allem durch die Vielzahl der Präsentationsformen. Per Knopfdruck können die Besucher an zahlreichen Monitoren Informationen rund um fünf Themenschwerpunkte in Wort (deutsch, französisch, englisch, niederländisch) und Bild abrufen. Das weithin interaktive Konzept ist buchstäblich spielend leicht zu begreifen und damit auch und vor allem für junge Leute sehr attraktiv. Bei der Eröffnungsfeier verblüfften kleine Rapper mit selbstverfassten Reimen zum Thema Zeitung.

Das älteste Exponat der Ausstellung ist übrigens eine Keilschrifttafel aus dem 21. Jahrhundert vor Christus. Doch vor allem die elektronischen Errungenschaften der jüngeren und jüngsten Mediengeschichte stehen jetzt im Mittelpunkt - vom alten Röhrenradio, das berühmte Hörfunk-Reportagen zu Gehör bringt, über die klassische Mattscheibe, die zur kleinen Exkursion durch die deutsche TV-Kultur lädt, bis hin zum Speicherchip der Zukunft.

Neben umfänglichen Dokumentationen zur Entstehung der ersten Zeitungen, die im 17. Jahrhundert in Deutschland herausgegeben wurden, erhält die kritische Auseinandersetzung mit der Informationsgesellschaft breiten Raum. Manipulation in Bild und Wort, Zensur und Berichterstattung aus Krisengebieten werden mit raffinierten Einspielungen und interaktiven Texttafeln reflektiert. Bis der Besucher am Ende unversehens selbst im Zentrum eines veritablen Blitzlichtgewitters steht. Fazit: Die Aachener „Route Charlemagne” ist um eine spannende Etappe reicher.

Samstag und Sonntag zum Nulltarif geöffnet

Am Samstag und Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr, öffnet das Internationale Zeitungsmuseum in der Pontstraße 18 in Aachen nach rund zweijähriger Umgestaltung seine Tore für die interessierte Öffentlichkeit. Der Eintritt ist an diesen beiden Tagen frei.

Ab sofort ist das Haus dienstags bis sonntags, jeweils 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5, ermäßigt 3 Euro. Eine Familienkarte gibt es für 10 Euro.

Die erste Dauerausstellung im Parterre des Hauses steht unter dem provozierenden Titel „Die Zeitung. Reif fürs Museum?” und ist bis 26. August zu sehen.

Kontakt und weitere Infos unter http://www.izm.de oder izm@mail.aachen.de, Telefon 0241/4324910.