Berlin/Aachen: Max Planck Schools: Mit Klasse statt Masse zur Promotion

Berlin/Aachen: Max Planck Schools: Mit Klasse statt Masse zur Promotion

Wie bestehen im viel zitierten Wettbewerb um die besten Köpfe? Vielleicht so: Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat am Montag den Startschuss gegeben für drei Kooperationen, die die über Deutschland verteilte Expertise zu je einem Forschungsfeld bündeln sollen — mit dem Ziel, international junge Wissenschaftler anzulocken, die hier forschen und promovieren sollen.

Gemeinsam mit dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Martin Stratmann, und dem Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Horst Hippler, stellte Wanka in Berlin die ersten drei Max Planck Schools vor.

Man darf sich darunter allerdings allerdings keine Schulen vorstellen, vor denen sich feierlich ein Band durchschneiden ließe. Man beschreibt sie am besten als virtuelle Verbünde, die den Rahmen bilden für inter- und multidisziplinäre Forscher-Teams mit den besten Wissenschaftler aus Hochschulen und außeruniversitären Instituten.

Ein Konstrukt, das für ambitionierte Jungwissenschaftler höchst attraktiv sein dürfte. Die Ministerin verspricht sich einiges von dieser neuen Form der Graduiertenausbildung: „Die Max Planck Schools werden die deutsche Wissenschaft international weiter voran bringen“, sagte sie am Montag. Wobei: Alle akademischen Abschlüsse, die so erworben werden, werden von den beteiligten Universitäten verliehen. Das ist wichtig zu erwähnen, denn darüber hatte es im Vorfeld eine heftige Debatte gegeben. Die Hochschulen hatten kritisiert, das Konzept berge die Gefahr, dass ihr Promotionsrecht schleichend ausgehöhlt werde.

Hinter den drei Schools stehen Mitglieder von 21 Universitäten sowie 31 Instituten der außeruniversitären Forschungsorganisationen. Beteiligt ist auch Aachen: Das DWI Leibniz-Institut für Interaktive Materialien ist Teil der Max Planck School on Physics, Chemistry and Construction of Life, die sich den ganz großen Fragen widmen soll: Was genau ist Leben? Können lebensähnliche Prozesse, Funktionen und Objekte im Labor simuliert und nachgebaut werden? An dem Netzwerk sind 17 Forscherinnen und Forscher von elf Max-Planck-Instituten beteiligt.

Die Universitäten Heidelberg und Göttingen sowie die Technische Universität München und das DWI, dessen wissenschaftliche Leiter gleichzeitig auch Professoren an der RWTH sind, sind mit 22 Wissenschaftlern vertreten. Geplant ist die Aufnahme von 20 Studierenden pro Jahr, die zunächst eine zweijährige Master-Phase absolvieren und dann eine dreijährige Promotionsphase anschließen. „Das wissenschaftliche Potenzial in diesem Verbund ist weltweit herausragend“, sagte Prof. Martin Möller, wissenschaftlicher Direktor des DWI, am Montag. „Er fördert damit auch die Möglichkeiten am Standort Aachen im Wettbewerb um die besten Ideen und Köpfe.“

Neben dem DWI ist das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik (ILT) aus Aachen mit dabei — und über die dort tätigen Professoren erneut auch die RWTH. Es ist Teil der Max Planck School of Photonics. Es geht unter anderem darum zu erforschen, ob neuartige Bildgebungsmethoden helfen können, Erkrankungen nichtinvasiv zu diagnostizieren und zu behandeln oder ob der lasergestützte 3D-Druck so weiterentwickelt werden kann, dass sich Dinge ressourcenschonender und maßgeschneidert herstellen lassen.

Mehr als 30 Wissen­schaftler von Instituten der vier großen deutschen Forschungsorganisationen und sieben Universitäten sind dabei. „Damit wird eine ganz neue Forschungsstruktur ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, einen neuen und global gültigen Standard für kompetitive Forschung von übergreifendem gesellschaftlichem Interesse zu etablieren“, sagte der stellvertretende Leiter des ILT, Prof. Peter Loosen. Geplant ist die Aufnahme von etwa 50 Studierenden und Promovierenden pro Jahr.

Im dritten Verbund, der School of Cognition, ist Aachen nicht vertreten. Hier arbeiten 35 Wissenschaftler von neun Max-Planck-Instituten, zwölf Universitäten, zwei Helmholtz-Einrichtungen und einem Fraunhofer-Institut auf dem Gebiet der Kognitionsforschung zusammen. Avisiert ist die Aufnahme von 40 Studierenden und Promovierenden pro Jahr.

Die drei Pilot-Schools werden ab 2018 für zunächst fünf Jahre mit neun Millionen Euro pro Jahr von Wankas Ministerium unterstützt. Nun werden die Konzepte detailliert ausgearbeitet, anschließend werden die Stellen für die jungen Wissenschaftler in internationalen Fachmagazinen ausgeschrieben.

RWTH-Rektor Prof. Ernst Schmachtenberg sprach am Montag von einem „spannenden Format, um herausragenden jungen Wissenschaftlern weltweit die Chancen einer Wissenschaftskarriere in Deutschland zu eröffnen“. Und: „Wir setzen darauf, dass die hohe Reputation der hierzulande sehr starken außeruniversitären Forschungseinrichtungen den Universitäten neue Chancen bei der Einwerbung exzellenter Jungwissenschaftler eröffnet.“

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