Brüssel: Mautstreit in Belgien: Deutsche Fahrer sitzen fest

Brüssel: Mautstreit in Belgien: Deutsche Fahrer sitzen fest

Wegen Protestaktionen gegen die neue Lkw-Maut in Belgien sitzen nach Verbandsangaben zahlreiche deutsche Lastwagenfahrer in dem Nachbarland fest. Die Fahrer würden von den belgischen Kollegen „quasi in Geiselhaft“ genommen, erklärte der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) am Mittwoch.

Die Betroffenen klagten über mangelnde Versorgungsmöglichkeiten und fehlende sanitäre Einrichtungen.

Kleine Transportfirmen klagen

In Belgien protestieren derzeit zahlreiche Lkw-Fahrer gegen eine seit dem 1. April geltende Maut-Regelung. Sie soll in Belgien für einheimische und ausländische Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen gelten und die nicht streckenabhängige Eurovignette ablösen. Die Abgabe beträgt zwischen rund sieben und 30 Cent pro Kilometer und ist abhängig vom Straßentyp, dem zulässigen Gesamtgewicht des Fahrzeugs und der Emissionsnorm.

Besonders kleine Transportunternehmen sehen sich durch die Abgabe benachteiligt. Nach Berechnungen des belgischen Transport- und Logistikverbands Febetra kostet eine Fahrt, für die bisher 100 Euro gezahlt werden mussten, nun 108 Euro.

Viele Straßen blockiert

Aus Unmut über die neue Regelung blockieren Lkw-Fahrer in Belgien viele Straßen — deswegen kommen auch deutsche Lastwagen nicht weiter. Der BGL rief inzwischen nach eigenen Angaben das Bundesverkehrsministerium zur Hilfe. Die Hausleitung solle „wirkungsvolle Interventionen gegenüber der belgischen Regierung“ in Angriff nehmen, um die „unerträglich werdende Situation“ für die Lastwagenfahrer schnell zu beenden.

„Abgesehen von den menschenunwürdigen Verhältnissen für die Fahrer entstehen den betroffenen deutschen Transport-Logistikunternehmen — in einem wirtschaftlich ohnehin schon schwierigen Umfeld — zusätzliche erhebliche finanzielle Schäden“, beklagte der Verband.

Versorgungsengpässe in Supermärkten

Die anhaltenden Proteste der Lastwagenfahrer haben in Teilen Belgiens zu Versorgungsengpässen geführt. Einigen Tankstellen in der Wallonie ging das Benzin aus, wie die Nachrichtenagentur Belga am Mittwoch berichtete. „Die Situation verschlechtert sich von Stunde zu Stunde“, sagte ein Vertreter des nationalen Verbands der Kraftstoffhändler.

Auch in manchen Supermärkten gab es nach Berichten des Rundfunksenders RTBF Probleme, weil einige Lebensmittel nicht mehr geliefert wurden. Restaurants seien ebenfalls betroffen. (dpa)

(afp)
Mehr von Aachener Zeitung