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„Fachoffensiven“: Mathe und Deutsch an Grundschulen werden gestärkt

„Fachoffensiven“ : Mathe und Deutsch an Grundschulen werden gestärkt

Vorfahrt für Deutsch und Mathe: Grundschüler in NRW sollen wieder besser Rechnen, Lesen und Schreiben lernen. Dafür bekommen die Lehrkräfte Unterstützung. Der Englisch-Unterricht fängt nun später an.

Ein typischer Fehler in der dritten Klasse: „7 + 5 = 11“, rechnen manche Schüler vor, wie der Dortmunder Mathematik-Professor Christoph Selter aus Erfahrung weiß. Der Unterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen soll an den rund 2800 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen von diesem Schuljahr an gestärkt werden. Mit sogenannten Fachoffensiven in Mathe und Deutsch bekommen Lehrkräfte umfangreiches Material zur Hand und werden von Fachberatern unterstützt. Selter und weitere Wissenschaftler haben das Programm zusammen mit der NRW-Landesregierung entwickelt.

Bei der Umsetzung sollen 106 Fachkoordinatoren den Schulen helfen. Die ersten 53 Stellen würden noch in diesem Schuljahr eingesetzt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf. Insgesamt stellt das Ministerium für die Fachoffensiven 27,5 Millionen Euro bis 2025 bereit.

Ziel sei es, die Kernkompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Deutsch und Mathe zu stärken und die Lehrkräfte zu unterstützen, sagte Gebauer. Internationale Studien hätten in den vergangenen Jahren „den Finger in die Wunde gelegt“ und gezeigt, dass Grundschüler in NRW nicht gut genug lesen, schreiben und rechnen könnten. Gezielt werde nun an den Defiziten angesetzt.

In Deutsch sei die Ausgangslage im dritten von der Pandemie geprägten Schuljahr schwieriger und komplexer geworden, sagte die Sonderpädagogik-Professorin Ulrike Lüdtke von der Leibniz Universität Hannover. Kinder sollten früher individuell gefördert werden. Bei mehrsprachigen Kindern solle das Verständnis für die komplexe Schriftsprache erweitert werden.

Auf einer zentralen Website für Deutsch sollen Lehrkräfte Lernvideos, Tutorials, Vorlagen sowie Material für das Distanzlernen abrufen können. Außerdem erhalten sie im Lauf der Zeit mehrere Handreichungen in Mathe und Deutsch für den Unterricht.

Lernen sollen die Kinder auch digital mit Hilfe von Apps. Bücher zu lesen und Schreiben auf Papier bleibe aber „wichtiger Bestandteil des Lernens“, so Michael Krelle von der TU Chemnitz. Hinzu kämen über die nächsten Jahre auch Online-Konferenzen etwa zum Schreibunterricht und zur Digitalisierung. In diesem Schuljahr würden erste Online-Angebote für die Jahrgangsstufe eins zur Verfügung gestellt.

Mit den Fachoffensiven nehme NRW bundesweit eine Vorreiterrolle ein, sagte Ministerin Gebauer. Sie sind Teil des Masterplans Grundschule für NRW. So starten die jetzt eingeschulten Grundschüler erst in der dritten Klasse mit dem Englisch-Unterricht. Bisher hatten Grundschüler in der ersten Klasse eine Stunde Englisch und in der zweiten Klasse zwei Stunden pro Woche. Diese Stunden stehen nach Angaben Gebauers jetzt für Mathe und Deutsch zur Verfügung.

Auch in der andauernden Pandemie kämen die Fachoffensiven den Schülern sicher zugute, sagte Gebauer. Wissenschaftler Selter sagte, der Handlungsbedarf sei durch das Coronavirus noch einmal verschärft worden.

Wegen der Pandemie haben die Schulen bis zum Schuljahr 2022/23 Zeit, die neuen Vorgaben umzusetzen. So wird auch eine Handreichung für einen systematischen Rechtschreibunterricht und einen verbindlichen Grundwortschatz mit allen Besonderheiten der deutschen Rechtschreibung fest im Lehrplan verankert. Das bisherige umstrittene Prinzip „Schreiben nach Gehör“ wird damit aufgegeben.

In Mathe scheitern Kinder übrigens häufig, weil sie die Fachbegriffe wie Addition oder Division nicht verstehen. „Mathe hat auch viel mit Sprache zu tun“, sagte Selter.

(dpa)