Maria-Grönefeld-Preis für die Publizistin Christiane Florin

Maria-Grönefeld-Preis für Christiane Florin : Auszeichnung für eine katholische Unruhestifterin

Die Publizistin Christiane Florin erhält am Freitag in Herzogenrath den Maria-Grönefeld-Preis. Sie geht den Bischöfen auf die Nerven.

Wer ihre Homepage www.weiberaufstand.com besucht, weiß sofort, woran er ist. Da steht Klartext; da schreibt Christiane Florin über „die selbstverständlichen Benachteiligungen, die Ignoranz, die Arroganz, die sich als Demut tarnt, das Nicht-Ernstnehmen, nur weil das Gegenüber eine Frau ist. Würde man so handeln und reden, weil dieses Gegenüber eine dunkle Hautfarbe hat, dann wäre man Rassist. Handelt und redet man so, weil das Gegenüber eine Frau ist, was ist man dann? Katholisch.“

Die Journalistin, Politikwissenschaftlerin und Buchautorin Christiane Florin liebt das deutliche Wort, Pointen und Ironie. Sie ist eine streitbare Katholikin. Sie provoziert gerne das Establishment ihrer Kirche – nicht aus kabarettistischer Laune heraus, sondern weil sie es für unbedingt nötig hält. Für ihr Engagement wird ihr am Freitag, 8. November, ab 17.30 Uhr im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath (Wiesenstraße 17) der Maria-Grönefeld-Preis verliehen. Zu der Feier sind alle Interessierten eingeladen (Anmeldung erbeten unter 02406/955820 oder E-Mail). Mit Blick auf die Preisträgerin und die aktuelle Debattenlage in der deutschen Kirche dürfte es nicht langweilig werden.

Florin gilt in der katholischen Kirche als Unruhestifterin; das macht ihr nichts aus, sie hält es für unvermeidlich. Vor zwei Jahren hat sie ein Buch mit dem Titel „Der Weiberaufstand – Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ veröffentlicht. Diese Streitschrift kann durchaus als intellektuelle Grundlage für die katholische Frauenbewegung „Maria 2.0“ gelten. Florin geht es in erster Linie um Analysen kirchlicher Missstände und darum, dass „der Zustand, wie er ist“, nicht unter salbungsvollen Worten verdeckt werden. Sie ärgert sich, dass man in ihrer Kirche „mit Argumenten überhaupt nichts bewegt“.

Und das zeichne sich auch für den „synodalen Weg“ ab, den Bischöfe und Laienvertreter am 1. Dezember beginnen wollen. „Von dem ‚synodalen Weg‘ erwarte ich gar nichts. Das ist Beschäftigungstherapie“, sagt Florin im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mich stört, dass von Anfang an die Frauen wieder um Geduld gebeten werden. Gleicher Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der Kirche könne es nicht geben, weil das Rom zu entscheiden habe, wird uns gesagt.“ Florin will sich damit nicht abfinden. Sie fordert, dass zumindest einzelne Bischöfe mal sagen, dass sie es anders handhaben würden, wenn es möglich wäre.

„Die katholische Kirche ist eine absolute Monarchie. Deshalb haben die Bischöfe das letzte Wort. Und das gilt auch für den ‚synodalen Weg‘; sie müssen allem mit Zwei-Drittel-Mehrheit zustimmen.“ Für die übrigen Mitglieder der Synodalversammlung gelte das nicht. „Auf dieses Machtinstrument hätten die Bischöfe ja verzichten können; das wäre ein gutes Signal gewesen.“ Der Unterschied zwischen Klerikern und Nicht-Klerikern lasse sich nicht kleinreden. „Der ‚synodale Weg‘ ist keine parlamentarische Versammlung.“

Wenn aber der auch der ‚synodale Weg‘ nichts ändern sollte, lohnt es sich dann überhaupt noch, dass sich Frauen und Männer für Reformen in ihrer Kirche engagieren? Darauf hat Florin, wie sie sagt, „keine einfache Antwort. Ich werde das so oft gefragt.“

Wenn sie nicht davon ausginge, dass es sich noch lohnt, die Debatte zu führen, würde sie sich nicht engagieren. Florin weiß, dass es nicht nur rationale Erwägungen sind, die einen gläubigen Menschen in der Kirche halten. Es seien auch biografische, nostalgische Gründe.

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