Aachen: Marcella möchte das Meer retten

Aachen : Marcella möchte das Meer retten

Mit Hotels und Kindergärten wollte sich Marcella Hansch in ihrer Masterarbeit nicht beschäftigen. Für die Studentin stand schnell fest: Architektur und die Rettung der Weltmeere sollen miteinander verbunden werden. Was wie eine unrealistische Fantasie klingt, nimmt in diesen Tagen immer mehr Gestalt an.

An den Moment, an dem vor drei Jahren das außergewöhnliche Projekt begann, kann Marcella Hansch sich noch gut erinnern. Beim Tauchen auf den Kapverden, einer Inselgruppe im Atlantischen Ozean, entdeckte sie im Meer überall Plastiktüten. Im Flugzeug auf dem Weg zurück nach Hause wurde sie auf einen Artikel im Netz aufmerksam, der sich mit genau dieser Problematik auseinandersetzte. Schnell enstand daraus eine Idee für ihre anstehende Masterarbeit. „Warum sollte man nicht mit Hilfe von Architektur Herr über das Problem werden?“

Nach einem Gespräch mit dem verantwortlichen Professor, der zwar anfangs skeptisch war, aber nach kurzem Überlegen zustimmte, stand für Marcella Hansch fest: Sie wird es wagen und versuchen, die Weltmeere mit einem überdimensionalen Filter von Plastikmüll zu befreien. Am Anfang standen aber eine Menge Fragen: Wie muss die Konstruktion aussehen, damit keine Fische gefährdet werden? Was passiert mit dem Plastik, wenn es erst einmal aus dem Wasser gefischt wurde? Schließlich stand nicht nur die Konstruktion eines Objekts auf dem Plan. Umfangreiche Recherchen in den Fächern Biologie, Chemie, Physik oder auch Kunststoffkunde verschafften der Studentin ein Verständnis für die Problematik.

Keine Gefahr für Fische & Co.

Marcella Hansch schaute sich nicht nur das System von Kläranlagen an, sondern beschäftigte sich auch mit Themen wie Plasma-Vergasung und Kanalisierung. Ihr Ziel: Die Kunststoffe im Nordpazifik, dem größten Sammelbecken für Müll, sollten von einem Objekt aufgefangen und in Energie umgewandelt werden. Für Lebewesen, die im Meer leben, sollte die Konstruktion natürlich auch nicht gefährlich sein. Eine Herausforderung, die kaum zu meistern war, wie Marcella Hansch rückblickend berichtet. Schließlich sei sie Architektin und keine Biologin oder Meeresforscherin. „Drei Wochen vor meiner Abgabe meinte mein Professor, dass das wahrscheinlich nichts geben wird“, sagt die junge Frau.

Als sie dann auch noch mit einer Grippe im Bett lag und völlig außer Gefecht gesetzt wurde, kamen die Zweifel. Werde ich das Projekt noch rechtzeitig fertigstellen können? Was ist, wenn es nicht klappt? Dann habe ich keinen Abschluss. Doch Marcella Hansch gab nicht auf und ließ sich von ihrem eigenen Zweifeln nicht beeinflussen. Am Ende überzeugte sie nicht nur ihren Professor, sondern auch zahlreiche Fachleute, die sie für den Green Tec- und den Querdenker-Award nominierten. Beide Male ging Marcella Hansch leer aus, die Arbeit an dem Projekt aber ging weiter.

Mittlerweile hat Marcella Hansch ein mehrköpfiges Team, das sie bei ihrem Projekt tatkräftig unterstützt. Bisher gelang das ohne Finanzierung. Doch um den Prototypen, der an die Kiemen von Blauwalen erinnert, auch bauen zu können, brauchen Hansch und ihre Mitstreiter Geld. Aus diesem Grund haben sie nun einen Verein gegründet. „Es geht nicht darum, mit dieser Idee einmal Geld zu verdienen. Dieser Ansatz wäre falsch. Wir wollen einfach beweisen, dass es klappt“, sagt Marcella Hansch. Auch Forschungsgelder können die Studenten auf diese Weise beantragen.

Ob die Umsetzung gelingt, werden die kommenden Jahre zeigen. Vielleicht geht Marcellas Wunsch in Erfüllung, und sie wird zur Retterin der Weltmeere.