Prozess am Landgericht Aachen: Mann hinter dem Auto angebunden und fast zu Tode geschleift

Prozess am Landgericht Aachen : Mann hinter dem Auto angebunden und fast zu Tode geschleift

Eine Erklärung für das unfassbare Verhalten steht aus: Zwei Männer sollen ihr Opfer hinter ihrem Wagen angebunden und über Hunderte Meter über den Boden geschleift haben. Das ereignete sich im April an der Urfttalsperre. Jetzt beginnt das Strafverfahren wegen versuchten Mordes.

Der feuchtfröhliche Abend der drei Männer begann in einer Kleingartenanlage in Euskirchen. Der Alkohol floss in Strömen, aber irgendwann kippte die Stimmung. Viktor B. und Jürgen Z., 36 und 37 Jahre alt, bezichtigten ihren Zechkumpan des Diebstahls. Der 39-Jährige soll ihnen Geld entwendet haben, lautete ihr Vorwurf. Das alles geschah am 5. April, und was sich in den nächsten Stunden entwickelte, ist ein grausames, unbegreifliches Verbrechen, das ab Dienstag vor der 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts verhandelt wird.

Viktor B. und Jürgen Z. sind längst inhaftiert, ihnen wird versuchter Mord durch Unterlassen in der Anklage vorgehalten.

Der Abend jedenfalls ist nach den Erkenntnissen der Ermittler völlig aus dem Ruder gelaufen. Die beiden Angeklagten traten und schlugen das Opfer zunächst brutal mit einem Stock. Dann wurde der 39-Jährige auf der Ladefläche eines Kleintransporters gepackt, fliehen konnte er nicht mehr.

Die beiden Männer aus Euskirchen und Bonn fuhren in den Morgenstunden 40 Kilometer in Richtung Urftsee. Zwischen 4.30 und 5.15 Uhr kamen sie dort an, so ist ermittelt worden. Die Kreisstraße 7, an der sie anhielten, ist für den Durchgangsverkehr gesperrt, nur Förster des Nationalparks, Mitarbeiter des Bauhofes und der Betreiber des Ausflugslokals an der Urfttalstaumauer dürfen hier fahren.

Für den 39-Jährigen ging das Martyrium weiter. Er wurde erneut getreten und zudem mit einem dicken Baumstamm verprügelt, steht in der Anklage. Dann hätten ihm Viktor B. und Jürgen Z. Teile der Kleidung, und vor allem seine Brille weggenommen. Sie fesselten ihn mit einem Tau am Oberkörper und befestigten das Ende des Taus an dem Transporter. Dann gaben sie Vollgas. Laut Anklage schleiften sich den 39-Jährigen einige hunderte Meter weit über die Straße. Erst dann ließen sie von dem Schwerverletzen ab, gaben ihm einen Teil seiner Bekleidung zurück und warnten ihn, nicht die Polizei zu alarmieren. „Sonst kriegen wir dich.“ Sie nahmen ihm Geld und Handy ab und ließen den lebensbedrohlich verletzten Mann in der Nähe der Urftalsperre achtlos zurück.

Dass er überlebte, hat er dem Zufall, besser einer Passantin, zu verdanken, die Stunden später zufällig am Tatort vorbei kam. Am Samstagmorgen, der 6. April war angebrochen, gegen 9.30 Uhr, übernahmen die Rettungssanitäter. Der 39-Jährige erlitt einen Lungenkollaps, vermutlich durch seine Rippenbrüche verursacht. Nur dank einer Notoperation wurde er gerettet.

Viktor B. und Jürgen Z., die vorher strafrechtlich oder polizeilich nie in Erscheinung traten, wurden am 12. April verhaftet. Auch zu dem Zeitpunkt befand sich ihr Opfer noch in Lebensgefahr. Wie es zu der Verhaftung kam, ist bislang nicht bekannt. Die Männer machen keine Angaben zur Tat, seitdem sie in Untersuchungshaft sitzen. Das Motiv für die Tat bleibt vorerst unklar und wird nun im Strafprozess ergründet.

Für das Verfahren sind vorerst fünf Prozesstage angesetzt, ein Urteil könnte Richter Roland Klösgen am 14. November verkünden.