Aachen: Lydia H. gesteht: „Es war eine viel zu hohe Dosis Morphin”

Aachen: Lydia H. gesteht: „Es war eine viel zu hohe Dosis Morphin”

Die Aachener Ärztin Lydia H. (36) besserte am Dienstag ihr Geständnis nach. Denn in manchen Passagen hatte das Gericht (Vorsitz Richter Gerd Nohl) den Eindruck, dass nicht sein konnte, was die wegen Mordes an ihrem 85-jährigen Ehemann angeklagte Anästhesistin angegeben hatte.

Lydia H. hatte ihr Schweigen erst nach mehreren Monaten gebrochen und gestand vor dem Schwurgericht, im Februar 2011 ihren 50 Jahre älteren Mann mit einer tödlichen Dosis Morphium getötet zu haben. „Wie viel Morphin ich genau gegen meinen Mann gebraucht habe, kann ich nicht mehr sagen”, sagte sie mit klarer Stimme. Das war ein Streitpunkt, denn die Gutachter hatten mehr Morphiumrückstände errechnet, als sie in ihrem ersten Geständnis eingeräumt hatte.

Sie wisse heute nicht mehr alles. Sie habe sich monatelang selbst nicht eingestehen wollen, hatte sie bereits vorher zu Protokoll gegeben, dass sie ihren Ehemann, mit dem sie seit etwa 20 Jahren zusammenlebte, in dieser Nacht getötet hatte. „Ich wusste, dass es eine viel zu hohe Dosis war”, gestand sie mit gesenktem Kopf. Sie habe tagsüber Angst vor dem bevorstehenden „Trennungsgespräch” gehabt. Lydia H. hatte eine Anstellung am Ulmer Klinikum und einen neuen Liebhaber in Süddeutschland.

Am Dienstag sprach sie erneut über ihr Motiv, dem 85-Jährigen das Morphium mit einer Spritze verabreicht zu haben. Da hob sie den Kopf wieder, schaute geradeaus, die Stimme wurde fester. „Was er mir sagte, war eine unglaubliche Erniedrigung für mich”, ihr Mann habe sie „tief verletzt”. Es seien entwürdigende Bemerkungen bezüglich ihres Sexuallebens gefallen, auch die hätten ihr in der bewussten Nacht verdeutlicht, dass sie über Jahre hinweg im Grunde nur für seine sexuelle Befriedigung zuständig gewesen sei, für sonst eigentlich nichts.

Weil er bereits tags zuvor gedroht hatte, ihr die Approbation entziehen zu lassen, habe sie in Panik ihre Papiere in ein Bankschließfach eingeschlossen. Seine Barschaft habe sie geteilt, „weil mir die Hälfte zustand”, erklärte sie.

Der toxikologische Gutachter der Uni Bonn, Frank Mußhoff, äußerte sich nach weitergehenden Untersuchungen zu einem weiteren Opiat, das im Blut des Toten gefunden worden war. Man hatte zunächst angenommen, die Substanz sei in einer ebenso hohen Dosis wie das Morphium verabreicht worden. War sie aber nicht, es habe sich um eine wahrscheinlich normale Schmerzdosis gehandelt. Wie das zweite Medikament in den Körper kam, wurde nicht erörtert.

Der Prozess wird am 5. Juni fortgesetzt.

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