Kindesmissbrauch auf Campingplatz: Lügde-Untersuchungsausschuss hat Arbeit aufgenommen

Kindesmissbrauch auf Campingplatz : Lügde-Untersuchungsausschuss hat Arbeit aufgenommen

Mit der Anhörung von vier Experten aus der Kinder- und Jugendhilfe hat der Parlamentarische Untersuchungsausschuss „Kindesmissbrauch“ am Freitag seine Arbeit im Düsseldorfer Landtag aufgenommen.

Der Ausschuss wurde nach dem massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde eingerichtet und soll mögliche Fehler bei Jugendämtern, Polizei, Justiz und Landesbehörden untersuchen. „Wir hoffen, dass wir am Ende einen Handlungsempfehlungskatalog haben, damit so etwas nicht wieder vorkommt“, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Andreas Kossiski (SPD) am Rande der Sitzung der Deutschen Presse-Agentur.

Die parlamentarische Aufarbeitung des Missbrauchsfalls von Lügde begann - zufällig - am selben Tag, an dem das Urteil gegen die beiden Haupttäter Andreas V. (56) und Mario S. (34) rechtskräftig wurde. Der Ausschuss will zunächst klären, wie die Strukturen der Jugendhilfe in NRW und ihre Schnittstellen zur Polizei funktionieren.

Matthias Lehmkuhl vom Landesjugendamt Westfalen sagte, die Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Polizei habe aus seiner Sicht in den letzten Wochen durch den Fall Lügde Auftrieb bekommen: Es gebe nun Informationen von Polizei Richtung Jugendämter, die „es vorher so nicht gegeben hat.“ In den Jugendämtern aus seinem Bereich gebe es zwar bisher viele Formen der Zusammenarbeit mit der Polizei - die seien aber völlig verschieden: „Was fehlt sind fixe Kooperationsvereinbarungen.“

Großen Raum nahmen die Erklärungen der Experten zu den komplexen Zuständigkeiten von Jugendämtern ein. So hatte das Jugendamt im niedersächsischen Hameln Andreas V. im nordrhein-westfälischen Lügde als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt. Ein Betreuungswechsel hin zum örtlichen Jugendamt fände - so die Experten - gesetzlich erst nach zwei Jahren statt. Das örtliche Jugendamt in Lippe hatte bereits erklärt, es hätte dem Vater die Pflegschaft nicht übergeben.

Der Untersuchungszeitraum beginnt vor fast 18 Jahren. Am 28. Januar 2002 soll bei der Kreispolizei Lippe erstmals der Verdacht gegen den gerade verurteilten Haupttäter Andreas V. geäußert worden sein, ein acht Jahre altes Mädchen missbraucht zu haben. Erst im Dezember 2018 wurde der Dauer-Camper festgenommen. Die Ermittlungen gegen ihn und weitere Beschuldigte wurden von Pannen begleitet. So verschwanden unter anderem bei der Polizei 155 Datenträger. Der Ausschuss will auch beleuchten, warum die Jugendämter trotz entsprechenden Hinweisen nicht aktiv wurden, obwohl der Mann ein Pflegekind betreute.

Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz in Lügde hatte das Landgericht Detmold in der vergangenen Woche die letzten Urteile verkündet. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gegen den 56-jährigen Andreas V. Der 34-jährige Mario S. erhielt 12 Jahre. Das Gericht ordnete zudem die anschließende Sicherungsverwahrung für die beiden Deutschen an.

Der insgesamt vierte Untersuchungsausschuss dieser Legislaturperiode war Ende Juni von CDU, FDP, SPD und Grünen mit einem gemeinsamen Antrag beschlossen worden. Im Landtag arbeiten bereits drei weitere Untersuchungsausschüsse zum Fall des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri, dem angeblichen Hackerangriff auf Ex-Ministerin Christina Schulze Föcking (CDU) und einem tödlichen Brand in der JVA Kleve.

(dpa)
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