Maastricht: Lkw-Ladungsdiebstahl: Richter wollen Schweigekartell brechen

Maastricht: Lkw-Ladungsdiebstahl: Richter wollen Schweigekartell brechen

Das Gericht in Maastricht hat einen Grundsatzbeschluss gefasst, um das Schweigekartell bei der zunehmenden Zahl von Diebstählen im Bereich Logistik zu durchbrechen.

Immer häufiger und immer dreister werden ganze Lkw-Ladungen im Wert von durchschnittlich einer Viertelmillion Euro gestohlen, vor Gericht landen häufig aber nur kleine Fische wie die Lkw-Fahrer. Deshalb hat das Gericht beschlossen, dass jeder, der erwischt wird, die Namen der Hintermänner nennen muss. Geben die Lkw-Fahrer diese Namen nicht preis, kann ihnen ein Bußgeld von 2500 Euro pro Tag auferlegt werden, bis zu einer Maximalhöhe von zwei Millionen Euro.

Damit habe man einen Präzedenzfall geschaffen, bestätigt ein Rechtsanwalt aus Maastricht dem „Dagblad De Limburger“. Das Urteil bezieht sich zunächst auf neun Angeklagte, die wegen groß angelegter Ladungsdiebstählen zu hohen Geldstrafen verurteilt wurden. Die Niederlande sind eines der größten Logistikländer in Europa. Aufgrund der zentralen Lage siedeln sich immer mehr Speditionen in Südlimburg an.

Die wertvollen Frachten ziehen allerdings auch Kriminelle magnetisch an, die immer ausgefeiltere Methoden entwickeln, um an die Beute zu gelangen. Die Fahrer werden zum Beispiel in ihrer Kabine mit Gas betäubt, bedroht oder gar als Geisel genommen. Auf den Parkplätzen an den Autobahnen A2 oder A76, auch am Grenzübergang Vetschau/Bocholtz, verschwinden komplette Anhänger, oft wird wertvolle Ware auf Bestellung gestohlen.

Auch den spektakulären Fall, dass eine Bande nah an einen Lkw-Anhänger heranfährt, ein Mann hinüberklettert, die hintere Plane aufschneidet und Kisten zum eigenen Kleinlaster wirft, während der nachfolgende Verkehr von Komplizen zurückgehalten wird und der bestohlene Lkw-Fahrer gar nichts mitbekommt, hat es vor Jahren schon gegeben.

Erschwert wird die Situation dadurch, dass die Polizei eine landesweite Spezialeinheit aufgelöst hat und deren Mitglieder auf andere Polizeieinheiten verteilt wurden. Seitdem habe die Zahl der Übergriffe wieder zugenommen und liege in Europa an der Spitze, haben Logistikverbände beobachtet. Eine genaue Statistik über derartige Delikte werde aber nicht geführt, beklagen Kriminalbeamte.

Die betroffenen Speditionen erleiden nicht nur großen finanziellen Schaden, sondern müssen auch höhere Versicherungskosten tragen. Manche von ihnen verzichten sogar darauf, überhaupt eine Anzeige zu erstatten.

(hau)