Hitzerekord mit 42,6 Grad: Lingen lässt Geilenkirchen weit hinter sich

Hitzerekord mit 42,6 Grad : Lingen lässt Geilenkirchen weit hinter sich

Erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland ist die 42-Grad-Marke durchbrochen worden. Lingen im niedersächsischen Emsland war am Donnerstag mit 42,6 Grad nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der heißeste Ort in Deutschland.

„Wir müssen noch prüfen, ob dieser Wert Bestand hat“, sagte ein DWD-Sprecher. In Lingen waren am Donnerstag zuvor 41,5 und um 15.50 Uhr 41,6 Grad gemessen worden.

In NRW waren am Donnerstag nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Duisburg-Baerl und Tönisvorst mit 41,2 Grad die heißesten Orte im bevölkerungsreichsten Bundesland. Für Köln-Stammheim meldete der DWD 41,1 Grad. Noch um 14.20 Uhr waren in Bonn-Roleber 40,6 Grad verzeichnet worden. Dort waren zwei Stunden zuvor, wie bereits am Mittwoch in Geilenkirchen, 40,5 Grad gemessen worden.

Geilenkirchen hatte am Mittwoch den bisherigen bundesweiten Rekordhalter, Kitzingen in Unterfranken, abgelöst. Dort waren 2015 mit 40,3 Grad die bis dahin heißesten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen worden.

Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz zeigte sich besorgt über die nach oben schnellenden Hitze-Höchstwerte. „Wenn man daran denkt, dass das in Zukunft normal werden könnte, dann jagt mir das natürlich einen Schrecken ein, sagte der parteilose Bürgermeister der Deutschen Presse-Agentur. Dass seine Stadt ihren Ruhm so schnell wieder verlor, nimmt Schmitz mit Humor: „An einem Tag war Geilenkirchen in aller Munde. Das ist doch schon was."

Für Freitag rechnet der DWD erneut mit Extremhitze - auch wenn der Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle dann wohl überschritten sei. Im Westen kann es nach DWD-Angaben aber noch einmal knapp 40 Grad heiß werden.

Der Geilenkirchener Bürgermeister Georg Schmitz wollte den 150 Rathaus-Mitarbeitern zur Feier des Kurz-Rekords ein Eis ausgeben. „Für den Ruhm nehme ich das Schwitzen in Kauf“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Bei großer Hitze und Trockenheit waren Freibäder voll, aber auch in Einkaufszentren und anderen klimatisierten Gebäuden suchten viele Menschen Abkühlung. Manch einer ging lieber in sein klimatisiertes Büro als in seiner warmen Wohnung zu schwitzen. Der Fußball-Bundesligist SC Paderborn sagte am Donnerstag sein Nachmittagstraining wegen der Hitze ab.

Die Ozon-Konzentration war in NRW weiterhin hoch und überschritt in Duisburg-Walsum und Wesel-Feldmark die Alarmschwelle von 240 Mikrogramm pro Kilometer Luft. An zahlreichen weiteren Orten in Nordrhein-Westfalen wurde zudem die erste Meldegrenze übertreten (180).

Auch die Waldbrandgefahr bleibt extrem hoch. Mehrere Städte und Feuerwehren warnten vor Rauchen und Grillen in der Nähe von Wäldern. Die Siegburger Feuerwehr bewässerte vorsorglich den Bahndamm an der ICE-Strecke, wo es im vergangenen Sommer zu einem Großbrand gekommen war. Das Feuer hatte sich wegen der großen Trockenheit damals rasend schnell ausgebreitet und auf angrenzende Häuser übergegriffen, 32 Menschen wurden verletzt. „Deshalb haben wir da vorsichtshalber Wasser gespritzt“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auch andere gefährdete Gebiete, wo sich leicht ein Brand entwickeln könne, würden bewässert.

Im Düsseldorfer Landtag spendierte die Verwaltung kaltes Mineralwasser. An einem Kühlschrank mit Wasserflaschen dürften sich nach Angaben eines Sprechers alle bedienen, die sich im Landtag aufhalten. Neben Angestellten, Politikern und Gästen seien besonders die Bauarbeiter angesprochen, die derzeit am Gebäude Umbauten vornehmen. Der Fairtrade-Großhandel GEPA aus Wuppertal stellte die Lieferung von Schokolade aus Sorge vor dem Schmelzen der Schoko-Tafeln teilweise ein.

Unterdessen wollten sich unbekannte Diebe im sauerländischen Altena offenbar schon jetzt auf den Wintersport vorbereiten: Aus dem Kellerflur eines Mehrfamilienhauses stahlen sie laut Polizei am Mittwoch zwei Kisten mit Skibekleidung.

(Aliki Nassoufis/dpa)
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