Arnoldsweiler/Ellen: Lillith tritt ihre letzte Reise an

Arnoldsweiler/Ellen : Lillith tritt ihre letzte Reise an

Über 200 Gräber aus der Zeit um 5200 bis 4900 vor Christus haben die Archäologen auf der künftigen Trasse der A4 am Ellebach zwischen Ellen und Arnoldsweiler gefunden - neben einem jungsteinzeitlichen Dorf. Es sind die Überreste der ersten sesshaften Bauern im Rheinland.

Für die Wissenschaftler ein überaus spektakulärer Fund, zumal auf dem Areal auch eine Befestigungsanlage aus der Bronzezeit um 2000 vor Christus, ein Dorf um Christi Geburt sowie ein Gutshof oder Heiligtum der Römer entdeckt wurden.

Keines der jungsteinzeitlichen Gräber im drittgrößten bekannten Bestattungsplatz Deutschlands ist so gut erhalten wie das von Lillith. So tauften die Archäologen die sterblichen Überreste einer jungen Frau, der vielleicht ersten Bäuerin im Rheinland. „Alle anderen Skelette waren viel zu fragil”, erklärt Thomas Ibeling, einer der drei Ausgrabungsleiter der Firma Wurzel Archäologie, die den Fundplatz seit Januar 2009 im Auftrag des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) „beackert”.

Eine Bergung und Konservierung hätte sich nicht gelohnt. Anders bei Lillith. „Ihr Skelett ist das bislang am besten erhaltene in ganz Deutschland”, bekommen die Experten um Thomas Ibeling glänzende Augen. Angesichts der Größe und des Knochenbaus schätzt er das Alter der Frau, die vor etwa 7000 Jahren starb, auf 20 bis 35 Jahre. Genauere Erkenntnisse wird erst eine anthropologische Untersuchung liefern, „auch wenn die genaue Altersbestimmung angesichts der recht angegriffenen Knochensubstanz nicht leicht werden dürfte”, wie Petra Tutlies vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege befürchtet.

Die Bergung des Skeletts gestaltetet sich alles andere als einfach. Erst nachdem Restauratoren des LVR-Landesmuseums in Bonn das Skelett mit Folien und Quarzsand fixiert hatten, konnte das Grab samt der umliegenden Erde freigelegt werden. Am Mittwoch dann folgte der sensibelste Part der Bergung. Millimeter für Millimeter wurde mithilfe zweier Bagger eine Stahlplatte unter den rund 1,8 Tonnen schweren und mit Holz eingekleideten Erdblock geschoben. Erst danach konnte der Block samt Skelett verladen und ins Landesmuseum Bonn gebracht werden, wo Lillith nun in einem aufwändigen Verfahren für die Nachwelt konserviert werden soll. Ob die Bergung gelungen oder das Skelett trotz aller Bemühungen irreparabel beschädigt wurde, wird sich freilich erst bei der Öffnung der Transportkiste im Museum zeigen.

Geplant ist, die erste Bäuerin des Rheinlands dauerhaft in der Vorgeschichtsabteilung des Hauses auszustellen, erklärt Petra Tutlies. Sie wird einmal zu den ältesten ausgestellten menschlichen Exponaten des Museums zählen. Wie lange die fachgerechte Aufarbeitung dauern wird, ist ungewiss. Ein Dreivierteljahr hat der LVR schon einmal eingeplant.

Noch bis Ende November sichern die Archäologen auf der neuen A4-Trasse die letzten Relikte der Vergangenheit. Dass sie noch ein weiteres derart gut erhaltenes Skelett finden, ist unwahrscheinlich, erklärt Ausgrabungsleiter Oliver Ungerath. „So einen Fund macht man nur einmal.”