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Aachen: „Life/Work-Planing” bietet Wegweiser in den großen „verborgenen Arbeitsmarkt”

Aachen : „Life/Work-Planing” bietet Wegweiser in den großen „verborgenen Arbeitsmarkt”

Nicht gerade spektakulär ist es, was da in einem der Seminarräume des Aachener Bildungswerkes vor sich geht. Zwölf Teilnehmer sitzen in einem Stuhlkreis, unterhalten sich, machen Notizen und schauen in regelmäßigen Abständen in ihre mitgebrachten Kalender. Um ihre Stühle liegen Wasserflaschen, Thermoskannen und Schreibutensilien wild verteilt.

Dabei könnte vom „Life/Work-Planing” durchaus Spektakuläres erwartet werden. Schließlich verspricht es den Teilnehmern Wege in den verborgenen Arbeitsmarkt. Verborgener Arbeitsmarkt?

„Man muss sich darüber klar werden, dass in Deutschland zwei von drei Stellen nie öffentlich ausgeschrieben werden”, erklärt John Webb, Leiter des Seminars. Eine Aussage, die Manchen mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen skeptisch macht. Aber auch eine Aussage, welche die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit als richtig einstuft. Webb: „Es gibt ein immens größeres Angebot als allgemein bekannt. Nur weiß niemand wo die Stellen sind.” Fast niemand. Die dieses Mal zwölf Teilnehmer rechnen sich nach dem dreiwöchigen Seminar bessere Chancen aus, ihren Weg in den verborgenen Arbeitsmarkt zu finden.

Eine von ihnen ist Sabine Bauersfeld, 39 Jahre und zurzeit arbeitssuchend. Die ausgebildete Rechtsanwaltsgehilfin hat schon ein abwechslungsreiches Berufsleben hinter sich. Anstellungen beim Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt, im Sekretariat und in der Computerbranche reihen sich in ihren Lebenslauf. Allesamt respektable Tätigkeiten. Trotzdem hat sie ihren Traumjob noch nicht gefunden. Da kam ihr das Seminar sehr gelegen.

Grundsätzliches

„Der Dreh- und Angelpunkt ist erst einmal festzustellen, was man gerne macht. Wichtig ist es dabei, nicht sofort in eine bestimmte Berufsrichtung zu denken”, berichtet Bauersfeld aus ihren Seminarerfahrungen. Es ginge um Grundsätzlicheres: Welche Bücher lese ich gerne? Was sehe ich mir gerne an? In welche Geschäfte gehe ich gerne? Bauersfeld: „Viele orientieren sich zu stark am Markt und an den Stellen, die dort angeboten werden.”

Im Seminar soll allerdings nicht der Arbeitsmarkt, sondern der Arbeitssuchende im Mittelpunkt stehen. Deswegen steht am Anfang auch die Interessenfindung. „Nachdem man sich Gedanken gemacht hat, fixiert man diese schriftlich. Man hat dann eine größere Liste von Interessen, aus denen man sich die Lieblingsinteressen auswählt”, erklärt Sabine Bauersfeld. Dabei sei die Arbeit in kleinen Gruppen besonders vorteilhaft, weil die Kollegen einen auch auf Dinge aufmerksam machten, die man selbst leicht übersähe.

Für Sabine Bauersfeld war die Interessenfindung eher eine Interessenbestätigung „Ich interessiere mich für Psychologie und möchte zukünftig gerne mit Leuten sprechen, die im Rahmen psychologischer Kriseninterventionen tätig sind”, sagt sie. Da trifft es sich gut, dass sie gerade eine Ausbildung als psychologische Beraterin macht.

Im zweiten Teil des Seminars werden dann die Wege in den verborgenen Arbeitsmarkt beschritten. Denn was nützt eine genaue Vorstellung vom Traumjob, wenn dort keine Stelle zu bekommen ist?

Zwei Ausgehtage

An zwei Ausgehtagen besuchten die Teilnehmer die Unternehmen, welche sie am meisten interessierten. „Man beginnt einfach ein Gespräch mit demjenigen, der die Tür öffnet”, beschreibt Bauersfeld die unkonventionelle Vorgehensweise. Dabei ginge es nicht darum, einen Job zu bekommen, sondern einfach möglichst viele Informationen zu sammeln.

„So lernt man die Entscheidungsträger und die Bedürfnisse des Unternehmens zu identifizieren”, sagt John Webb. Stelle ein Unternehmen dann neue Leute ein, fiele der Blick automatisch auf die Menschen, die dort schon persönlich bekannt seien. Illusionen macht Webb seinen Teilnehmern allerdings nicht: „Man muss meist 20 bis 25 Firmen besuchen, bevor man seinen Traumjob findet.”