Internet: Liebe auf den ersten Klick

Internet: Liebe auf den ersten Klick

Mit zittrigen Beinen saß Vivian Schulz im Zug zu den Rheinauen in Bonn. Dort war die Studentin aus Nideggen verabredet — ohne genau zu wissen, mit wem. Vor einer Woche hatte sie Jann in der mobilen Dating-Applikation „Tinder“ nach rechts gewischt — in den „Gefällt-Mir-Ordner“.

„Lustigerweise war Jann gleich einer meiner ersten Matches“, erzählt Vivian heute. Bei Tinder werden zwei Personen dann „gematched“, also einander zugeordnet, wenn sie einander gegenseitig nach rechts gewischt haben — erst wenn klar ist, dass die beiden Personen einander optisch gefallen, können sie Kontakt miteinander aufnehmen. Lustig ist das deshalb, weil für Vivian und Jann aus diesem ersten Match eine ernsthafte Beziehung geworden ist.

In einem Chat für homosexuelle Männer war Markus auf Elmar aufmerksam geworden.

Vivian und Jann sind damit nicht alleine. Rund neun Millionen Deutsche haben schon einmal in einer Internet-Singlebörse oder per Dating-App nach einem Partner gesucht. An ihr erstes Date mit Jann erinnert Vivian sich noch gut. „Ich war total hibbelig. Man weiß ja nicht genau, wer einen da erwartet“, sagt sie. Seltsam sei es gewesen, das erste Treffen. „Man kennt einander ja nicht und weiß auch nicht, worüber man reden soll“, sagt Vivian.

Nachdem sie bei anderen Dating-Plattformen kein Glück gehabt hatte, hat Melanie Boston-Schmitz aus Herzogenrath sich 2007 bei einer Singlebörse von „100,5 Das Hitradio“ angemeldet. Dort lernte sie Alexander kennen.

Doch die anfängliche Scheu war schnell überwunden: „Nachdem die Verwirrung darüber, ob er meinen Kaffee bezahlt oder ich selbst, vorbei war, haben wir noch vier Stunden im Park gesessen und über alles mögliche geredet“, erinnert sie sich. Nach dem ersten Treffen sei klar gewesen, dass sie einander noch einmal sehen: „Wir haben uns einfach zu gut verstanden“, sagt Vivian. „Trotzdem habe ich ihn zappeln lassen.“

Sebastian Grossmann aus Linnich und seine Frau Laura haben sich im April 2006 im Internet kennengelernt.

Vivian war für ihr Studium vier Wochen unterwegs, die beiden sahen sich nur am Wochenende, telefonierten aber viel und schrieben regelmäßig. „Ich wollte abwarten“, sagt Vivian. „Man traut dem ‚Tinder‘-Gegenüber erst einmal nicht.“ Viele seien nur auf „das Eine“ aus, feste Beziehungen entstünden aus solchen Treffen eben nur selten.

Auch Ulrike Springborn aus Niederzier hat ihre große Liebe über das Internet gefunden — und folgte ihr im Dezember sogar nach Hamburg.

Auch Vivian war nicht auf der Suche, als sie entschied, die App „Tinder“ herunterzuladen. „Als ich ‚Tinder‘ heruntergeladen habe, war ich gerade in der Klausurphase. Da sucht man ja ständig etwas, um sich vom Lernen abzuhalten“, erzählt die Studentin und lacht.

Nachdem Carmen Schmitz sich 1999 von ihrem ersten Mann getrennt hatte, meldete sie sich in einem AOL-Chat für die Region Aachen an.

An ihrem Geburtstag schließlich rief Jann sie an. „Am Telefon hat er mir gesagt, er habe ein kleines Geschenk für mich“, erzählt Vivian. Das gar nicht so kleine Geschenk: Ein Wochenende in Amsterdam. „Ab dem Moment wusste ich: Das ist etwas Ernstes“, sagt Vivian. In Amsterdam gestehen sie einander ihre Liebe. Das war im Oktober letzten Jahres, seitdem sind die beiden ein Paar.

Negative Kritik wegen ihrer „ungewöhnlichen“ Kennenlerngeschichte haben die beiden nie bekommen. „Für Leute in unserem Alter ist das ganz normal“, sagt die 23-Jährige. „Die meisten lachen einfach darüber!“ Ihrer Familie habe sie jedoch nicht von „Tinder“ erzählt — „die sehen das vielleicht doch nicht so locker.“

Geschichten wie Vivians gibt es in der Region viele. Zum „Tag der virtuellen Liebe“ haben wir einige der Schönsten für Sie gesammelt.

Sabine Felgenhauer aus Alsdorf hat ihren heutigen Ehemann 2004 über den Instant-Messenger ICQ kennengelernt. Seit Dezember 2005 sind sie ein Paar, das erste Mal im realen Leben getroffen haben sie sich im Februar 2006. „Er kam zu mir“, erinnert sich Sabine Felgenhauer. „Davor musste ich natürlich aber erst einmal meine Eltern überzeugen. Das hat dann aber geklappt und sie gaben ihr Ok“, erzählt sie. „Allerdings unter der Voraussetzung, dass er auf dem Sofa schläft!“

Seitdem waren Sabine und ihr Mann nur ein einziges Mal für eine Woche voneinander getrennt. Am 18.12.2009 haben sie geheiratet — einen Monat nach Sabines 18. Geburtstag.

In einem Chat für homosexuelle Männer war Markus auf Elmar aufmerksam geworden. Nach einigen E-Mails schließlich nahm Elmar seinen Mut zusammen und versuchte, Markus anzurufen — erfolglos. „Er stand damals unter der Dusche, wie sich später herausstellte“, erzählt Elmar. Einige Tage später versuchte er sein Glück noch einmal — und erreicht Markus. „Damit nahm das Verhängnis seinen Lauf“, sagt Elmar. Die beiden verabredeten sich zum Schwimmen in Eupen. „Ich saß auf heißen Kohlen, wer denn da kommen würde“, erinnert sich Elmar.

Die beiden verstanden sich jedoch auf Anhieb gut, unterhielten sich lange. „Dann zog ein gewaltiges Gewitter auf und wir mussten flüchten“, erinnert sich Elmar. In einer leeren Umkleide fanden sie Unterschlupf, es gab einen ersten Kuss. Nach dem Unwetter gingen die beiden Eisessen, verabredeten sich für abends noch einmal. „In der Folge profitierte die Telekom von uns“, sagt Elmar. „20 bis 30 SMS am Tag waren keine Seltenheit — obwohl wir uns täglich gesehen haben!“ Der Höhepunkt ihrer Liebe folgte am 14. Juni 2014 — mit ihrer Verpartnerung.

Nachdem sie bei anderen Dating-Plattformen kein Glück gehabt hatte, hat Melanie Boston-Schmitz aus Herzogenrath sich 2007 bei einer Singlebörse von „100,5 Das Hitradio“ angemeldet. Dort lernte sie Alexander kennen. „Wir schrieben im Chat, per E-Mail und dann telefonierten wir“, erinnert sich Melanie an den ersten Kontakt. „Am 1. November haben wir uns das erste Mal getroffen. Es war an seinem 36. Geburtstag.“

Melanie stand damals im Fenster und sah zu, wie Alexander die richtige Hausnummer suchte, während sie noch aufgeregt mit einer Freundin telefonierte. „Es hat nicht direkt gefunkt, denn ich war nicht auf der Suche“, sagt Melanie.

Dennoch trafen sie sich ein paar Mal — so lange, bis Melanie sicher war. „Im November hat er dann meinen Sohn kennengelernt. Das war Liebe auf den ersten Blick!“ Anfang 2009 wanderte Melanie mit ihrem Sohn nach Belgien aus, im Oktober wurde der gemeinsame Sohn Raphael geboren. „Er war dann das erste ‚100,5-Baby‘“, erzählt Melanie. Im Februar 2011 schließlich heirateten die beiden.

Sebastian Grossmann aus Linnich und seine Frau Laura haben sich im April 2006 im Internet kennengelernt. „Allerdings nicht über eine Dating-Plattform, sondern über einen klassischen Chat“, sagt Sebastian Grossmann. Welcher Chat genau es gewesen sei, könne er schon gar nicht mehr sagen. Nachdem sie sich online lange unterhalten hatten, hatte Sebastian „einfach keine Lust mehr, in die Tasten zu hauen. Also habe ich ein Treffen vorgeschlagen.“ Laura und Sebastian haben sich daraufhin in Jülich zu einem Eis getroffen, um den jeweils anderen „erst einmal abzuchecken“.

Die beiden fanden sich auf Anhieb sympathisch — und sind anschließend noch gemeinsam nach Düren ins Kino gefahren. Vor Lauras Haustür gab es dann — „ganz klassisch“ — den ersten Abschiedskuss. Von dort an haben sich die beiden regelmäßig getroffen, einander ihren Familien vorgestellt und sind schließlich 2009 zusammengezogen.
Im April 2012 wurde geheiratet, im Oktober 2013 kam ihre erste Tochter Pia zur Welt. Derzeit warten die beiden auf Kind Nummer Zwei. „Wir sind dem Internet dankbar, dass es uns zusammengeführt hat“, sagen die beiden.

Auch Ulrike Springborn aus Niederzier hat ihre große Liebe über das Internet gefunden — und folgte ihr im Dezember sogar nach Hamburg. Im Juli 2011 lernte sie Michael bei einem Strategiespiel auf Facebook kennen. Die beiden unterhielten sich bald öfter über den Videodienst Skype, im November 2011 trafen sie sich zum ersten Mal in Hamburg. Drei Jahre lang pendelten die beiden zwischen Hamburg und Niederzier. „Gemeinsam haben wir viele schöne aber auch schwierige Momente durchgestanden“, sagt Ulrike Springborn.

Im Oktober 2014 schließlich heiraten die beiden, im Dezember zieht Ulrike für ihre Liebe nach Hamburg. „Schweren Herzens“, sagt sie. „Ich habe alles aufgegeben. Meine Familie, meinen Job, Freunde, meine Heimatstadt Aachen und meinen TSV!“ Um den Kontakt zu Ulrikes Familie aufrecht zu erhalten, fahren die beiden nun regelmäßig in die Kaiserstadt. „Und soweit es geht versuche ich auch, möglichst viele Spiele meiner Alemannia live zu erleben!“

Nachdem Carmen Schmitz sich 1999 von ihrem ersten Mann getrennt hatte, meldete sie sich in einem AOL-Chat für die Region Aachen an. Sie war nach der Trennung dringend auf der Suche nach einer neuen Wohnung. „Dirk bot sich damals im Chat an, ich könne bei ihm unterkommen, wenn ich nichts finde“, erzählt sie. So habe alles angefangen. Die beiden schrieben und telefonierten bald täglich. Das ging drei Wochen so. „Ich habe damals AOL-Chat-Treffen in Eschweiler organisiert“, sagt Carmen. „Eine Woche vor meinem Umzug gab es wieder ein Treffen, Dirk wollte auch kommen.“

Doch es kommt anders als gedacht: Gegen Mittag ruft Dirk Carmen an, sagt, sie solle einen Kaffee kochen — in zehn Minuten sei er bei ihr. „Meine Wohnung war voller Kartons, ich war kein bisschen zurechtgemacht und dann klingelte es schon“, erzählt Carmen. „Und dann stand er mit seinen zwei Kindern vor meiner Tür!“ Die beiden unterhielten sich gut, verabredeten sich für den Abend noch einmal. „Zehn Minuten, nachdem er gegangen war, klingelte mein Telefon und er flüsterte leise, dass er mich gerne geküsst hätte“, erzählt Carmen.

Direkt gefunkt habe es bei ihr aber nicht. „Bis ich mir Gefühle eingestand, vergingen gute vier Wochen. Ich wollte keinen neuen Mann in meinem Leben — ich hatte mich ja gerade erst getrennt und wollte neu beginnen. Ohne Mann und ohne Stress.“ Dennoch: Ein viertel Jahr später zogen Carmen und Dirk zusammen, am 20. März 2003 heirateten sie.