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Leopold-Hoesch-Museums: Schau über Industrielandschaften

Neue Ausstellung im Leopold-Hoesch-Museum : Zwischen Garzweiler und den Stauseen

Eine neue Ausstellung im Dürener Leopold-Hoesch-Museum nimmt Industrielandschaften in den Blick. Thematisiert werden die der Region, aber auch solche von anderen Orten der Welt.

Es geht um das belgische „Butterländchen“ rund um Kelmis, die Atomkatastrophen von Hiroshima und Fukushima, die Zeche Victoria Mathias in Essen, die Serverparks von Google und Facebook und das Lendersdorfer Walzwerk. Es geht darum, wie die Industrie einen Lebensraum prägt und wie Leben dort überhaupt möglich ist. „Vom Leben in Industrielandschaften – eine fotografische Bestandsaufnahme“ heißt die neue Ausstellung im Leopold-Hoesch-Museum.

„Unsere Region steht vor der Herausforderung den Strukturwandel zu  bewältigen“, sagt Museumsleiterin Professorin Anja Dorn. „Die Verantwortlichen führen heftigste Diskussionen zu diesem Thema, die nicht immer geschmackvoll sind. Ich hoffe, dass es uns mit der Kunst gelingt, eine neue Ebene zu schaffen, die bestehende Klischees in Frage stellt. Vielleicht gelingt es unserer Ausstellung, verkrustete Positionen aufzulösen.“

Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein Gemälde aus dem Museumsbestand, nämlich „Das Lendersdorfer Walzwerk“ von Carl Schütz von 1838. „Dieses Bild“, erklärt Dorn, „ist ikonisch für unser Museum. Das Walzwerk gehörte der Familie Hoesch, der wir auch dieses Museum verdanken. Carl Schütz’ Gemälde hat also symbolische Bedeutung für die Stadt Düren und für unser Museum.“ Das Bild der Fabrik ist ein typisches Beispiel für die Art der Selbstdarstellung von Industriellenfamilien zur Zeit der frühen Industrialisierung.

Bis heute ist die Landschaft um Düren, zwischen Tagebau Garzweiler und den Stauseen der Eifel, von ihrer industriellen Nutzung geprägt. Die Ausstellung ist eine Einladung, sich mit den eigenen Wahrnehmungen dieser Landschaft auseinanderzusetzen, mit den widersprüchlichen Räumen, die sich zwischen Tagebau, Kraftwerken, Papierfabriken, Zuckerrübenäckern und dem nahen Kernkraftwerk Tihange öffnen. Davon ausgehend werden die Beziehungen zu Industrielandschaften an anderen Orten in den Blick genommen.

Angefangen von den Aufnahmen August Sanders und Albert Renger-Patzschs aus den 1920er und 30er Jahren bis hin zu zeitgenössischen Positionen versammelt die Ausstellung unterschiedliche Herangehensweisen, um die Lebensrealität von Industrielandschaften einzufangen. Bernd und Hilla Bechers beispielsweise setzen mit ihren Bildern Fördertürme in Szene. Irmel Kamp setzt sich in ihren Fotografien damit auseinander, wie die Nutzung von Zink die Landschaft rund um Kelmis geprägt hat, wo lange Zeit Zinkbergbau betrieben wurde. Jürgen Matschie dokumentiert eine Straßenkreuzung und deren Verschwinden am Rande einer Braunkohlegrube in Brandenburg. „Die Ausstellung“, ergänzt Dorn, „beschäftigt sich aber auch mit industrieller Landwirtschaft, wie wir sie mit dem Zuckerrübenanbau auch in unserer Gegend kennen, und den Serverparks, die aufgrund der Namen, die wir ihnen geben wie ‚Netz’ oder ‚Cloud’, Unsichtbarkeit behaupten.“

Für einen Rundgang durch die spannende Ausstellung im Leopold-Hoesch-Museum, die 2021 mit Teil zwei unter dem Titel „Vom Leben in Industrielandschaften und ihrem Wandel“ fortgesetzt werden soll, braucht man Zeit und die Bereitschaft, sich auf die Arbeiten einzulassen. Angela Melitopoulos Videoinstallation über die japanischen Atomkatastrophen ist durchaus beklemmend, es lohnt sich aber sich damit auseinanderzusetzen – auch, aber nicht nur wegen der Situation in unserer Gegend.