Aachen: Leopold Chalupa: General, Ehrenpräsident, Witze-Erzähler

Aachen: Leopold Chalupa: General, Ehrenpräsident, Witze-Erzähler

Das Gespräch ist schon fast vorbei, aber einen hat er noch. Leopold Chalupa ist ein großer Witze-Erzähler. Nach zuverlässigen Recherchen dieser Zeitung ist er der beste 90-jährige Witze-Erzähler dieser Republik. Chalupa feiert heute den runden Geburtstag. „Je schwieriger die allgemeine Lage wird, desto wichtiger ist der Humor“, sagt der ehemalige Vier-Sterne-General. Und so wird es ein vergnügliches Gespräch mit einem nun 90-Jährigen, der hellwach ist. Leopold Chalupa über . . .

. . . seine Heimat: Geboren wurde Leopold Chalupa am 15. August 1927 in Neuberg (heute Podrhabí). Zum Sudetenland ist der Kontakt nie abgerissen. Chalupa ist Ehrenbürger der Stadt seit 1996. Nahezu jedes Jahr kommt er zum Kirchweihfest zurück.

. . . seine Familie: Seine Frau starb vor 22 Jahren, er besucht sie jeden Tag auf dem Friedhof. Das Paar hat zwei Jungen (beide gingen ebenfalls zum Militär) und eine Tochter großgezogen, die in der Nähe lebt. Drei Enkel gehören dazu, „und im Januar hat es mich wieder erwischt: Ich wurde zum zweiten Mal Urgroßvater“, sagt er und grinst. Sein Haus nennt er auch „Museum“, weil an jeder Wand Erinnerungen aus den vielen Etappen seines Berufslebens hängen. Bilder der Familie finden sich überall: „Sie war immer das Wichtigste.“

. . . seine Zeit in der „Napola“ in Naumburg: Der Heranwachsende wurde in die Nationalpolitische Lehranstalt des NS-Staates geschickt, in der auch einflussreiche Männer wie Hellmuth Karasek, Hardy Krüger oder Theo Sommer aufwuchsen. Die Schüler sollten die kommende Führungsschicht Deutschlands bilden. Eine Kaderschmiede. Nach dem Abitur wurde er 1945 noch vier Monate Gebirgsjäger. Auf einem Gefechtsstand in Triest wurde er festgenommen. Der 17-Jährige kam vier Jahre in britische Gefangenschaft in Italien und England. Chalupa gehörte zur letzten Entlassungsgruppe. „Für mich war die bitterste Enttäuschung meines Lebens, als klar wurde, dass wir mit infantiler Begeisterung einem Unrechtsregime gefolgt waren“, sagt er über die Napola-Phase. Da entstand sein Lebensmotto. „Ich wollte mich mit allem, was ich habe, für einen demokratischen Staat einbringen.“

. . . die Bundeswehr: Chalupa trat ein Jahr nach der Bundeswehr-Gründung 1956 als Fähnrich bei den Pionieren ein, nahm bald die Offiziersausbildung auf. Eine imposante Militärkarriere endete vor 30 Jahren und 14 Umzügen mit dem großen Zapfenstreich im Reitstadion. Der Vier-Sterne-General und ehemalige Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Mitteleuropa ging in den Ruhestand. Er gab den höchsten Kommando-Posten ab, der für einen Deutschen in der Nato erreichbar ist.

. . . sein Verhältnis zu den USA: Chalupa hat dort gelebt, besitzt eine große Affinität zu dem Land. „Mir persönlich ist Donald Duck lieber als Donald Trump“, sagt er. Der sei politisch unerfahren, wirke plump, „aber Amerika wird auch diesen Präsidenten überstehen“.

. . . Dankbarkeit: Er sagt, er sei „demütig und dankbar“ für seine Fitness. „Ältere Menschen werden oft nach ihrem Gang beurteilt.“ Er geht immer noch kerzengerade. Haltung habe er bei der Bundeswehr gelernt. Er hat sie bewahrt. Der 90-Jährige führt seinen Haushalt, ist imponierend zahlensicher. Er fährt noch selbst Auto. Für dienstliche Zwecke — die gibt es noch — schickt die Bundeswehr einen Chauffeur nach Richterich.

. . . Langeweile: Die will nicht so recht aufkommen. Er bekommt noch viele Einladungen, hält Vorträge, bevorzugt zum Thema „Sicherheit in Europa“.

. . . sein Leben: „Ich bin zufrieden, wie es verlaufen ist, und wie sich unser Land und Europa nach dem Krieg entwickelt haben.“

. . . Sprachkenntnisse: Chalupa spricht ein bisschen Italienisch und Französisch, fließend Englisch. „Und Bayerisch geht auch.“

. . . Alemannia: Das Geld ist schon überwiesen. An jedem Geburtstag schenkt Chalupa dem Verein 1000 Euro. Zwei Jahre nach seiner Pensionierung habe er den Eindruck gehabt, er brauche eine Aufgabe in seiner neuen Heimat. Die Kontakte liefen über einen Mann, den er bis heute einen „sehr Vertrauten“ nennt: Armin Laschet. Das war 1989, bald darauf wurde er Präsident. Ein paar Tage später, Alemannia spielte am alten Tivoli, meldete sich der Vereinsvorstand in der Halbzeitpause über das Stadionmikrofon. „Achtung, Achtung, hier spricht Ihr Präsident.“ Chalupa hat heute noch sein kleines Manuskript. Innerhalb von zwei Jahren wurde der Schuldenstand von 2,5 auf 1,3 Millionen Mark gedrückt. Chalupa übergab das Zepter an den Industriekapitän Heinz-Gregor Johnen. Noch heute kommt der Ehrenpräsident regelmäßig zu den Heimspielen, sitzt auf der Haupttribüne in der Nähe alter Kempen wie Jo Montanes (wird heute 64) oder Jupp Martinelli. Ohrenzeugen berichten, dass es durchaus „lebhaft“ dort zugehe.

. . . die Feier: Heute trifft er sich mit der Familie seiner Tochter. Einen offiziellen Empfang wird es am 26. August im Offizierscasino an Gut Neuhaus geben.

. . . Auszeichnungen: Er hat schon vor 30 Jahren das große Bundesverdienstkreuz mit Stern ebenso wie das Großoffizierskreuz mit Schwertern des Oranje-Ordens der Niederlande, die „Legion of Merit der USA“ oder die Karl-Alberti-Medaille des Sudetendeutschen Heimatverbandes erhalten. Im September zeichnet ihn der Kulturverein Aachen-Prag als Ehrenbürger aus. „Das zeigt, dass der Einsatz für Frieden und Freundschaft doch etwas bewirkt hat“, sagt er.

. . . seinen Lieblingswitz (wechselt täglich): Zwei Frauen treffen sich nach vielen Jahren wieder. Klagt die eine: „Ich habe meine beiden Ehen in den Sand gesetzt.“ „Wieso das denn?“ „Der erste Mann ist mir weggelaufen, der zweite ist geblieben.“

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