Aachen/Lüttich: Lehrerin von Mörder bedroht? Ermittlungen eingestellt

Aachen/Lüttich: Lehrerin von Mörder bedroht? Ermittlungen eingestellt

Eine Lehrerin einer weiterführenden Schule in Aachen hat Anzeige gegen den am Dienstag vorläufig aus der Haft entlassenen Mörder Bruno W. gestellt.

Die Lehrerin wirft W. den Tatbestand des sogenannten Nachstellens vor, er soll ihr aus der Haft heraus Postkarten und Briefe geschrieben haben, in denen er sie immer wieder bedroht habe. Die Aachener Staatsanwaltschaft hat die Anzeige geprüft und die Ermittlungen am Donnerstag eingestellt - weil keine ausreichenden ermittlungsrelevanten Tatbestände vorliegen.

Der gebürtige Aachener W., 61, hatte gestanden, am 25. Oktober 2007 seine Frau und seine beiden Kinder auf dem Grundstück der Familie in Hombourg/Ostbelgien mit einer Axt erschlagen zu haben. Unmittelbar nach den Taten hatte er die Polizei telefonisch informiert und das Haus angezündet.

Seit diesem Zeitpunkt saß Bruno W. in Verviers in Untersuchungshaft. Am Dienstag nun musste er aus dem Gefängnis entlassen werden, nachdem die Anklagekammer in Lüttich entschieden hatte, dass die Untersuchungshaft schon länger dauere, als dies im belgischen Gesetz vorgesehen ist. Bis zum voraussichtlichen Prozessbeginn wegen dreifachen Mordes im Februar 2012 in Lüttich darf W. in Freiheit leben.

Sein Anwalt, der prominente Lütticher Strafverteidiger Victor Hissel, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, W. habe besagter Lehrerin „vor einigen Jahren” aus der Haft heraus „einen Brief geschrieben”. Er habe der Lehrerin eine Frage bezüglich seiner Tochter gestellt, „vielleicht hat die Lehrerin dies als Drohung aufgefasst”, sagte Hissel.

Beide Kinder W.s, die zum Tatzeitpunkt 19-jährige Tochter und der damals 17-jährige Sohn, waren Schüler der Schule, an der die Lehrerin bis heute tätig ist. Tatsächlich soll W. nach Informationen unserer Zeitung etwa 20 Briefe und Postkarten an die Lehrerin geschickt haben.

Auf einer eilends einberufenen außerordentlichen Schulkonferenz beschlossen Kollegium und Schulleitung am Mittwoch in Abstimmung mit der Polizei, sich nicht näher zu dem Fall und der Anzeige zu äußern. Entsprechende Anfragen unserer Zeitung blieben daher unbeantwortet. Anwalt Hissel sagte jedoch, Lehrerin und Schüler müssten „sich keine Sorgen machen”.

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