Mord nach Facebook-Kontakt: Lebenslänglich verurteilt

Mord nach Facebook-Kontakt : Lebenslänglich verurteilt

Das Aachener Landgericht hat die drei Hauptangeklagten des sogenannten Eschweiler Rachemordprozesses wegen gemeinschaftlichen Mordes zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Für Karl-Heinz H. (39), der zugegeben hatte, den damals 29 Jahre alten Christian L. am 14. August 2015 erstochen zu haben, stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest.

Das erschwert es ihm, nach 15 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden. Eine weitere Mitangeklagte, eine achtfache Mutter aus Stolberg, wurde wegen Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, ein 42-jähriger aus Eschweiler freigesprochen.

Das Trio hatte am 14. August 2015 den damals 29 Jahre alten und geistig zurückgebliebenen Christian L. an einen Feldweg nach Eschweiler gelockt und dort umgebracht. Die Eltern hatten in ihm irrtümlicherweise einen Pädophilen vermutet, der Nacktfotos des Kindes hatte. Angeblich wollten sie dem Opfer eine Abreibung verpassen. Der Vater hatte in der Verhandlung ausgesagt, den Mann ungeplant mit dem Bajonett eines Sturmgewehrs erstochen zu haben.

„Mach‘ mal Messer klar“

In der Verhandlung waren tagelange SMS-Gespräche zwischen den Beteiligten vorgelesen worden, in der sich die spätere Tat immer stärker abzeichnete. So schrieb etwa Karl-Heinz H. an Sven L.: „Hab‘ seine Adresse, fahr‘ morgen dahin, mach‘ den Rest klar.“ Antwort: „Komme mit, sag‘ mir wo, werde da sein.“ Karl-Heinz H.: „Okay. Mach‘ mal Messer klar, bis dann.“

Am Tag der Tat hatte dann Nadine H. das Opfer per SMS in die Falle gelockt: Dem Weg an einem Angelweiher, ein paar hundert Meter vom Schnellrestaurant in Eschweiler, wo ihr Mann und Sven L. auf Christian L. warteten. Sie lockte ihn mit dem Versprechen, Sex mit ihm haben zu wollen, ins Verderben: „(...) komm‘ bis zum Weiher, bitte“ - und dann: „Bitte, Mausi.“

Für Karl-Heinz H. stellten die Richter eine besondere Schwere der Schuld fest. Das bedeutet, dass der 39-Jährige kaum Aussicht hat, nach 15 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte auf Totschlag im Affekt plädiert.

Besondere Schwere der Schuld

Für die 31-jährige Ehefrau Nadine H. und den 26-jährigen Freund der Familie Sven L. folgte das Gericht ebenfalls der Forderung der Anklage zu lebenslangen Haftstrafen wegen Mordes. Im Fall von Sven L. hatte der Staatsanwalt allerdings die Möglichkeit gesehen, das Strafmaß wegen dessen Hilfe bei der Aufklärung des Mordes in eine 13-jährige Haftstrafe abzuwandeln. Dem folgte das Gericht jedoch nicht.

Die ebenfalls angeklagte Marlene M., die als Helferin des Ehepaares dem späteren Opfer per SMS sexuelles Interesse vorgetäuscht hatte, wurde zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verurteilt. Der fünfte Angeklagte, Michael H., der während der Tat auf die Kinder des Ehepaares aufgepasst hatte, wurde freigesprochen.

Der Staatsanwalt hatte für sie Freiheitsstrafen von einem Jahr und zehn Monaten beziehungsweise zwei Jahren gefordert, beide mit Bewährung. Die Verteidiger hatten bei der Frau den Tatbestand der Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung gesehen und bei dem Mann gefährliche Körperverletzung.

„Kranke Vorstellung“

Die Vertreterin der Nebenklage, die die Mutter des Opfers vertritt, sprach im Prozess von einer „kranken Vorstellung“ der Angeklagten, die zu der Tat geführt habe. Sie machte deutlich, dass es für die angeblich geplante Abreibung nicht einer Bewaffnung mit langem Messer, Schlagstock und Sägedraht bedurft hätte. Für Sven L. hatte sie 15 Jahre Haft gefordert, folgte ansonsten aber den Forderungen der Anklage.

Sie bedauerte, dass viele Fragen im Verfahren offen geblieben seien. Zum Beispiel, warum die Angeklagten ausgerechnet auf Christian L. gekommen waren und warum die Eltern H. für ihre Tochter bei Facebook nicht ein Alter gewählt hätten, dass diese als Minderjährige ausweist. Die Anmeldung sei mit 13 Jahren möglich. Nach den Angaben in ihrem Profil war die Zwölfjährige aber 22 Jahre alt.

(gego/red)
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