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670.000 Impftermine vergeben: Laumann kritisiert Vordrängler bei Corona-Impfungen

670.000 Impftermine vergeben : Laumann kritisiert Vordrängler bei Corona-Impfungen

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat Vordrängler bei Corona-Schutzimpfungen kritisiert. „Ich habe für dieses Vordrängeln überhaupt kein Verständnis“, sagte er am Montag in Düsseldorf.

Strafrechtliche Sanktionen lehne er jedoch ab. Das öffentliche Urteil, das darüber gefällt werde, reiche.

Laumann fügte hinzu, Bundeskanzlerin Angela Merkel (ebenfalls CDU) habe mit dem Satz „Wir lassen uns impfen, wenn wir dran sind in unserer Bevölkerungsgruppe“ dazu alles gesagt. Damit sei jeder gut beraten. Natürlich solle nirgendwo Impfstoff „verkommen“. Wo Impfdosen übrig blieben, sollten sie aber in derselben Prioritäten-Gruppe gespritzt werden.

Zuletzt war bekannt geworden, dass der Oberbürgermeister im sachsen-anhaltinischen Halle, Bernd Wiegand (parteilos), und zehn seiner Stadträte bereits eine Impfung bekommen hatten. Auch in NRW gab es entsprechende Fälle. Unter anderem hatten sich der 31 Jahre alte Bürgermeister von Hennef, Mario Dahm (SPD), und Feuerwehrfunktionäre vorab impfen lassen.

In Nordrhein-Westfalen sind laut Laumann bisher für rund 673.000 zu Hause lebende Menschen im Alter ab 80 Jahren Termine für die erste Corona-Impfung vergeben worden. Im Rheinland gebe es derzeit noch 36.000 freie Termine, in Westfalen rund 63.000. Er hoffe, dass die Anmeldungen in den kommenden Tagen weitgehend abgeschlossen werden können.

In NRW nahmen am Montag alle 53 Impfzentren ihren Betrieb auf. Zuerst geimpft werden zu Hause lebende Menschen ab 80 Jahren, die zuvor einen festen Termin vereinbart haben. Trotz des Wintereinbruchs müssten sich die alten Menschen keine Sorgen machen, wenn sie ihren Impftermin am Montag nicht wahrnehmen könnten, sagte Laumann.

Sie sollten dann am Dienstag zur gleichen Uhrzeit ins Impfzentrum kommen und müssten vorher auch nicht anrufen. Das gehe ganz „unkompliziert“. Das gelte auch für weitere Tage, wenn das Wetter so schlecht bleibe.

Erstimpfungen in Altenheimen fast fertig

Die Erstimpfungen in Nordrhein-Westfalens Altenheimen sind nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) „so gut wie abgeschlossen“. Damit sei „eine kleine, aber wichtige Etappe erreicht“, sagte Laumann am Montag in Düsseldorf. Dies sei bedeutend, weil sich jeder zweite coronabedingte Todesfall in stationären Einrichtungen ereignet habe.

Insgesamt seien in NRW mittlerweile 489.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft, davon 330.000 auch schon zum zweiten Mal. Inzwischen sind landesweit alle 53 Impfzentren in Betrieb. Dort werden zu Hause lebende Menschen ab 80 Jahren zuerst geimpft.

Weiterhin „auf Sicht fahren“

Bei den Corona-Maßnahmen sollte nach Laumanns Worten weiter „auf Sicht gefahren“ werden. Laumann äußerte sich am Montag skeptisch zu Vorschlägen für Stufenpläne, die bestimmte Lockerungen und Verschärfungen in konkreten Infektionslagen vorsehen. Es habe „sich bewährt, in dieser Frage auf Sicht zu fahren“.

Er könne nicht sagen, wie die Infektionslage in drei, vier oder sechs Wochen in NRW aussehen werde. Man habe bislang auf Veränderungen immer „vernünftig reagiert“. Er teile die Meinung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass man gut beraten sei, derzeit noch „sehr vorsichtig“ zu sein.

Laumann hält weiter am Ziel fest, eine Corona-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen zu erreichen. Dann könnten Gesundheitsämter Infektionswege noch gut nachverfolgen. Dass man aber auf eine Sieben-Tage-Inzidenz von zehn kommen sollte, wie einige Wissenschaftler es forderten, sieht er skeptisch. Die Gesundheitsämter seien in der Lage, auch höhere Inzidenzen nachzuverfolgen.

(dpa)